Firma des Ex-Außenministers Joschka Fischer konzipiert Wahlkampf für Europas Grüne

Mit seinen deutschen Parteifreunden will er nichts mehr zu tun haben - doch für die europäischen Grünen legt sich Joschka Fischer richtig ins Zeug: Seine Beratungsfirma bekam gemeinsam mit einer Werbeagentur den Zuschlag für die Dachkampagne zur Europawahl 2014.

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Berlin - Vor ein paar Monaten feierte die grüne Bundestagsfraktion mit großem Tamtam ihren 30. Geburtstag - wer nicht kam, war Joschka Fischer. Natürlich war der langjährige Fraktionschef und spätere Vizekanzler und Außenminister eingeladen, aber der 65-Jährige hatte, wie es hieß, wichtigere Termine. Man darf das Verhältnis zwischen Fischer und seiner Partei, vor allem dem Großteil der aktuellen Führungsfiguren, wohl als schwierig beschreiben. Aus dem aktuellen Bundestagswahlkampf hält sich Fischer komplett heraus.

Umso überraschter dürften nun viele seiner deutschen Parteifreunde sein, dass er eine wichtige Rolle im Wahlkampf der europäischen Grünen spielen wird: Im Auftrag der Europäischen Grünen Partei (EGP) soll seine Beratungsfirma Joschka Fischer & Company (JFC) gemeinsam mit der Berliner Werbeagentur KKLD die sogenannte Dachkampagne für den Europawahlkampf im kommenden Jahr organisieren. Dies teilte die EGP in einer Pressemitteilung mit.

Fischer hatte JFC im Jahr 2009 - vier Jahre nach dem Ausstieg aus der Politik - gemeinsam mit seinem Vertrauten und langjährigen Fraktionspressesprecher Dietmar Huber gegründet. Fischers Firma wollte den EGP-Auftrag nicht kommentieren.

Außer dem Team JFC/KKLD hatten sich mehrere Kommunikationsfirmen und Werbeagenturen für den Auftrag beworben, der mit 150.000 Euro ausgeschrieben war. Auch die PR-Agentur "Zum Goldenen Hirschen", die zurzeit den Bundestagswahlkampf der Grünen verantwortet, waren unter den Bewerbern - doch der Zuschlag ging an Fischers Firma und den Partner KKLD.

Es geht um eine gemeinsame Kommunikationsstrategie

Die beiden Unternehmen sollen für die Europawahl, die vom 22. bis 25. Mai 2014 stattfindet, eine gemeinsame Kommunikationsstrategie und eine Bildsprache für die Grünen in den 28 EU-Staaten entwerfen. Die nationalen Parteien werden in diesem Rahmen eigene Wahlkampagnen organisieren. Eine Dachkampagne dieser Art gab es auch schon bei den beiden vorherigen grünen Europawahlkämpfen 2004 und 2009.

Der Auftrag für JFC und KKLD ist auch deshalb überraschend, weil den Europäischen Grünen mit Reinhard Bütikofer ein Mann vorsitzt, der mit Joschka Fischer in der gemeinsamen politischen Zeit große Probleme hatte. Doch der heutige Europaparlamentarier Bütikofer, von 1998 bis 2002 politischer Geschäftsführer der Grünen und anschließend sechs Jahre lange Bundesvorsitzender, meint zur Vergabe an Fischers Firma: "Sie haben uns einfach überzeugt." Der EGP-Chef sagt: "Ihre Präsentation war die beste."

Eine Rolle dürfte bei dem Vorgang gespielt haben, dass seit einigen Monaten mit Michael Scharfschwerdt ein Politikprofi und Europa-Experte bei JFC angestellt ist, der jahrelang auch für Bütikofer arbeitete. Scharfschwerdt, zuletzt Büroleiter von Grünen-Chef Cem Özdemir, war einst in gleicher Funktion für den damaligen Grünen-Geschäftsführer Bütikofer tätig. Danach verantwortete er die Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Grünen und war anschließend Koordinator der deutschen Grünen-Abgeordneten im Europaparlament.

Mancher Grüne schüttelt angesichts der Vergabe an JFC dennoch den Kopf - auch wenn der ehemalige Außenminister selbst wohl wenig mit der konkreten Arbeit für die Europäischen Grünen zu tun haben dürfte. Aber seine Firma, die auch Großunternehmen wie Rewe und BMW zu ihren Kunden zählt, ist dem einen oder anderen von Fischers Parteifreunden dann offenbar doch suspekt.

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localpatriot 10.09.2013
1. Schnapps ist Schnapps
Zitat von sysopDPAMit seinen deutschen Parteifreunden will er nichts mehr zu tun haben - doch für die europäischen Grünen legt sich Joschka Fischer richtig ins Zeug: Seine Beratungs-Firma bekam gemeinsam mit einer Werbeagentur den Zuschlag für die Dachkampagne zur Europawahl 2014. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/joschka-fischer-macht-wahlkampf-fuer-europaeische-gruene-a-921375.html
In der Politik wie ueberall kann man sagen: Geschaeft ist Geschaeft und Geld ist Geld. Herr Steinbrueck hat das gut vorgemacht. Der ehrbare Aussenminister hat ueber ein Dutzend Nebenpoestchen, und warum soll Herr Fischer nicht an seinen ehemaligen Ideoloigiefreunden ein Euros verdienen. Kunst = Kapital schrieb ein Kuestler auf sein Bild. Politik = Geld ist ebenso angebracht.
u.loose 10.09.2013
2. Solange Joschka
die Grünen nicht wählen muss, ist das sicher ein netter Auftrag...
Oskar ist der Beste 10.09.2013
3.
Zitat von sysopDPAMit seinen deutschen Parteifreunden will er nichts mehr zu tun haben - doch für die europäischen Grünen legt sich Joschka Fischer richtig ins Zeug: Seine Beratungs-Firma bekam gemeinsam mit einer Werbeagentur den Zuschlag für die Dachkampagne zur Europawahl 2014. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/joschka-fischer-macht-wahlkampf-fuer-europaeische-gruene-a-921375.html
das hört sich aber mehr so an, daß Fischer Geld damit macht, daß er den Auftrag an Land gezogen hat...ist aber typisch für links quatschen und rechts handeln. Fischer war einer der übelsten Politikgestalten der Nachkriegsgeschichte...man muß nur mal lesen, was Günther Gaus über diesen "Narzisten" ausgesagt hat.
mischpot 10.09.2013
4. Ein Grund
nicht GRÜN zu wählen! An Peinlichkeit ist die Person Fischer kaum zu überbieten.
fotowilly 10.09.2013
5. seilschaften
Seilschaften funktionieren auch bei den Grünen. Und ja, für die Grünen ist es besser, wenn Fischer sich aus dem Wahlkampf heraushält. Sie würden sonst deutlich unter 10 Prozent bekommen.
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