Joschka Fischer Neue Vorwürfe wegen Teilnahme an PLO-Kongress

Joschka Fischer steht noch immer unter Beschuss von rechts und links. Frühere "Kampfgenossen" haben dem Außenminister erneut Vorwürfe gemacht. Kritikpunkt: Fischers Aussagen über seine Teilnahme an einem PLO-Kongress in Algier.


Joschka Fischer
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Joschka Fischer

Berlin - Die Ausführungen des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, bezüglich der Teilnahme Joschka Fischers an einem PLO-Solidaritätskongress 1969 in Algier sind nach Angaben von ehemaligen Mitgliedern der Delegation des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) falsch.

Volmer hatte in der Fragestunde des Bundestages am vergangenen Mittwoch gesagt, Fischer habe "auch früher als Privatmann nicht die geringste Tendenz gezeigt, das Existenzrecht Israels in Zweifel zu ziehen".

Wolfgang M. Schwiedrzik, damals einer von fünf deutschen Delegierten, erklärte gegenüber dem SPIEGEL, es sei klar gewesen, dass es auf der Konferenz "um die 'Befreiung Palästinas' im bewaffneten Kampf" ging: "Wir waren radikal - und unverantwortlich. Vor allem was die Steigerung von Kampfformen anging, kannte unsere Phantasie keine Grenzen."

Noch im Jahre 1984 hatte Schwiedrzik wegen der Teilnahme an dem Kongress Schwierigkeiten, ein Visum für die USA zu bekommen. Der Konsularbeamte, so Schwiedrzik gegenüber dem SPIEGEL, habe ihn einem regelrechten Verhör unterzogen und sei präzise über Details der Veranstaltung informiert gewesen. Dann habe er den Antrag abgelehnt. Erst nach einem Bittbrief an den US-Botschafter in der Bundesrepublik sei ihm die Erlaubnis zur Einreise erteilt worden.

Inge Presser, die einzige Frau in der SDS-Delegation, widerspricht Volmers Einlassung, Fischer habe der Abschlusserklärung des Kongresses, in der vom "Endsieg" der Palästinenser über Israel die Rede war, nicht zugestimmt. Der Staatsminister hatte im Bundestag erklärt, Fischer habe "diese Veranstaltung nach circa einer Stunde verlassen, weil sie ihm zu langweilig war." Inge Presser gegenüber dem SPIEGEL: "Fischer war, als die Resolution verlesen wurde, von Anfang bis Ende dabei."

Mittlerweile nahm sogar der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Michaelis, die Volmer-Version zurück. Der Staatsminister sei von Fischer nicht detailliert über den Verlauf des PLO-Solidaritätskongresses informiert worden.



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