"In weiten Teilen rechtsradikal" Juden protestieren gegen jüdische Vereinigung in der AfD

In Wiesbaden hat sich eine Bundesvereinigung der Juden in der AfD gegründet. Mehr als 40 jüdische Organisationen warnen derweil vor der Partei, in Frankfurt demonstrierten 250 Menschen gegen die "JAfD".

Demonstration gegen Antisemitismus
DPA

Demonstration gegen Antisemitismus


Jüdische Mitglieder der AfD haben sich am Sonntag zu einer Bundesvereinigung innerhalb ihrer Partei zusammengeschlossen. Deren Vorsitzende Vera Kosova sagte nach der Gründung in Wiesbaden, die AfD distanziere sich von Antisemitismus in jeglicher Form. Die Bundesvereinigung will sich nach bisherigen Plänen den Namen JAfD geben.

Die Gründung der Vereinigung stößt unter Juden auf Unverständnis. Mehr als 40 jüdische Organisationen haben sich mittlerweile der Erklärung des Zentralrats der Juden "gegen die AfD" angeschlossen. Darin heißt es, die Partei sei "antidemokratisch, menschenverachtend und in weiten Teilen rechtsradikal". Sie vertrete "keinesfalls die Interessen der jüdischen Gemeinschaft", sondern sei "eine Partei, in der Judenhass und die Relativierung bis zur Leugnung der Schoa ein Zuhause haben".

Demonstrations-Motto: "Diese Alternative ist nicht koscher"

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Harbarth, nannte die Gründung eine "Heuchelei". Der "Bild am Sonntag" sagte er, die AfD rede die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen systematisch klein. "Wer den Holocaust einen 'Vogelschiss' in der deutschen Geschichte nennt, bekämpft nicht den Antisemitismus, sondern verhöhnt dessen Opfer, und er steht ganz sicher nicht an der Seite der Jüdinnen und Juden." AfD-Chef Alexander Gauland hatte Anfang Juni gesagt: "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte."

In Frankfurt am Main protestierten am Nachmittag etwa 250 Menschen gegen die Gründung der neuen Vereinigung innerhalb der Partei. Aufgerufen hatte dazu die Jüdische Studierendenunion Deutschland, das Motto der Kundgebung lautete "Diese Alternative ist nicht koscher".

Rechts, deutsch, jüdisch

Die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, Beatrix von Storch, wies die Kritik des Zentralrates zurück. In der "Welt am Sonntag" hielt sie dem Zentralrat vor, die AfD "unsachlich und unpassend" zu kritisieren. "Es ist mit dem Zentralrat wie mit den Amtskirchen. Wie die Amtskirchen ist er Teil des Establishments. Und diese Rolle erfüllt er vorbildlich." Es gebe in der jüdischen Gemeinde "viele", die "auf unserer Seite stehen". Für diese Juden sei muslimischer Antisemitismus ein "großes Thema". Die AfD sei für sie die "natürliche politische Heimat".

pbe/dpa



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