Judenfeindlichkeit Zentralrat prangert Antisemitismus in der Linkspartei an

Der Präsident des Zentralrats der Juden hat antisemitische Strömungen bei der Linken in harscher Form kritisiert. Ihr Versuch, sich von der Judenfeindlichkeit zu distanzieren, ist aus seiner Sicht "spektakulär missglückt".

Zentralratspräsident Graumann: "Schmerzliche, 70 Jahre alte Erfahrung"
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Zentralratspräsident Graumann: "Schmerzliche, 70 Jahre alte Erfahrung"


Berlin - Antisemitismus ist nach Meinung des Zentralrats der Juden in der Linkspartei tief verankert. Ein Versuch, sich von antisemitischen Tendenzen zu distanzieren, sei "spektakulär missglückt", beklagt der Präsident des Zentralrats Dieter Graumann in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Es gebe eine Reihe von Äußerungen und Taten, die "mehr als nur ein wenig antisemitische Züge aufweisen."

Graumann bezieht sich in seiner Kritik auf mehrere Vorfälle: So hätten sich Abgeordnete der Partei geweigert, einer Erklärung gegen Antisemitismus zuzustimmen. Außerdem seien drei Linke-Parlamentarier bei der Begrüßung des israelischen Präsidenten Schimon Peres bei dessen Rede vor dem Bundestag im vergangenen Jahr sitzen geblieben. Zudem sei eine Abgeordnete mit einem Schal aufgetreten, der die Nahost-Region ohne den Staat Israel zeige. Dies rufe bei Juden "eine schmerzliche, 70 Jahre alte Erfahrung in unser Gedächtnis".

"Der alte anti-zionistische Geist der DDR spukt noch in der Partei", schreibt Graumann. Es seien vor allem Vertreter aus dem Westen, die ihren "geradezu pathologischen, blindwütigen Israel-Hass" auslebten. Viele dieser so genannten Friedensaktivisten agitierten "obsessiv einseitig gegen Israel". Sie handelten "oft gewissenlos gegen jede Form von Verantwortung und Moral, schweigen hingegen, wenn es um die Steinigung von Frauen, die Ermordung von Homosexuellen und die Folterung von Andersdenkenden geht", so der Präsident des Zentralrats.

Graumann unterstrich den Unterschied zwischen Kritik an Israel und Antisemitismus: "Selbstverständlich ist Israel-Kritik keineswegs per se antisemitisch. Nirgendwo wird die israelische Politik leidenschaftlicher und härter kritisiert als in Israel selbst, wo es eine freie Presse gibt und unabhängige Gerichte". Aber Israel für das Unglück der Welt verantwortlich zu machen, sei absurd.

Graumann fordert von der Linken eine ehrliche Aufarbeitung: "Anstatt sich darauf zu konzentrieren, die Antisemitismus-Kritik pauschal zurückzuweisen, sollte man sich bei den Linken besser ernsthaft, entschieden und glaubwürdig damit auseinandersetzen, warum es so weit gekommen ist. "

Ausdrücklich nimmt der Zentralratspräsident einzelne Linke-Politiker wie Fraktionschef Gregor Gysi von seiner Kritik aus. "Es gibt sehr ehrenwerte Stimmen in der Partei. Es gibt Petra Pau, Katja Kipping oder Gregor Gysi; sie wollen die Linkspartei aus dem Kerker des Israel-Hasses befreien", schreibt Graumann.

Gysi hatte Anfang Juni durchgesetzt, dass die Linken-Fraktion einen Beschluss gegen Antisemitismus fasst - er soll mit seinem Rücktritt gedroht haben, falls die Abgeordneten der Erklärung nicht zustimmen sollten. Der Beschluss untersagt den Fraktionsmitgliedern unter anderem eine Beteiligung an einer neuen Hilfsflotte für den Gaza-Streifen. Im Vorjahr hatten Linke-Parlamentarier an einer solchen Protestaktion gegen die israelische Blockadepolitik teilgenommen.

Im Mai waren Wissenschaftler in einer Studie zu dem Schluss gekommen, Israel- und judenfeindliche Positionen würden in der Linkspartei "innerparteilich immer dominanter."

anr/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
JensDD 20.06.2011
1. ...
Zitat von sysop"Pathologischer, blindwütiger Israel-Hass": Der Präsident des Zentralrats der Juden hat antisemitische Strömungen bei der Linken in harscher Form kritisiert. Ihr Versuch, sich von der Judenfeindlichkeit zu distanzieren, ist aus seiner Sicht "spektakulär missglückt". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,769296,00.html
wenns passt wird Israel gleichbedeutend mit DEN Juden allgemein - isrealische Kriegsverbrechen wiederum möchten sich DIE Juden nicht anhängen lassen - könnte sich der Zentralrat mal entscheiden, ob er eine Organisation deutscher Juden oder eine Auslandsorganisation Israels ist?
Sharoun 20.06.2011
2. ...
Ja also ich finde amerikanische TV-Formate wie 'Simpsons' oder 'South Park' sehr antisemitisch: da wurden schon des öfteren Juden auf die Schippe genommen bzw. das Gebahren des Staates Israel auf serientypische Art kritisiert; was sagt der Zentralrat dazu?
wahlossi_80 20.06.2011
3. Aha...
Dieser Satz sagt schon alles: "Der alte anti-zionistische Geist der DDR spukt noch in der Partei" Denn aus Anti-Zionismus mal schnell Antisemitismus zu machen ist völliger Unsinn. Daran sieht man sehr deutlich, wie dieses Wort zur Abwehr von Kritik missbraucht wird. Und ehrlich gesagt geht mir das reichlich auf den Nerv. Ein richtiger Antisemit ist in der Regel ein Mensch, der aus gänzlich anderen Gründen hasserfüllt ist als ein Linker, der gegen Israel hetzt. Dass dieser Unterschied gerne verwischt wird zeigt doch nur deutlich, wie fahrlässig der Begriff "Antisemitismus" heute instrumentalisiert wird, um eine menschenverachtende Politik gegenüber den Palästinensern gegen Kritik zu immunisieren.
Andreas Heil, 20.06.2011
4. Schönen guten Morgen
Zitat von sysop"Pathologischer, blindwütiger Israel-Hass": Der Präsident des Zentralrats der Juden hat antisemitische Strömungen bei der Linken in harscher Form kritisiert. Ihr Versuch, sich von der Judenfeindlichkeit zu distanzieren, ist aus seiner Sicht "spektakulär missglückt". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,769296,00.html
Einem Eigentor der Linkspartei, die meinte, auf ein Eigentor von BAK Shalom unbedingt antworten zu müssen, folgt ein Eigentor von Graumann im Namen des Zentralrats. Sehr amüsant. Zumal die ausgewählten Beispiele eher nicht eine antizionistische Attitüde aus der DDR in der Linkspartei widerspiegeln, sondern die kritiklose Übernahme der zionistischen Attitüden der mittlerweile beinahe oppositionslosen rechtsradikalen Regierung Israels. Als Jude würde ich mich gegen eine solche Vereinnahmung heftig wehren, als Nichtjude geht mich dieser Teil schlicht nichts an.
feuercaro1 20.06.2011
5. Wo ist der Punkt?
Graumann selbst sagt: " Graumann unterstrich den Unterschied zwischen Kritik an Israel und Antisemitismus: "Selbstverständlich ist Israel-Kritik keineswegs per se antisemitisch...." " Alle im Artikel aufgeführten Kritikpunkte betreffen aber ein Verhalten, welches sich weder gegen den jüdischen Glauben noch gegen Menschen jüdischen Glaubens richtet. Entweder ist Kritik an der Politik Israels zulässig, oder eben nicht. Meiner Ansicht nach trifft Ersteres zu. Das Ganze kommt mir so vor, als hätte der Zentralrat Mühe, seine Existenzberechtigung nachzuweisen. Meiner Ansicht nach muss der Zentralrat das keineswegs. Er hat seine Berechtigung schon aus der Geschichte heraus. Da muss man jetzt nicht krampfhaft antisemitische Tendenzen bei der Linken erfinden.
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