Judenvergleich Türkeiforscher Sen gibt auf

Ein Judenvergleich wurde ihm zum Verhängnis: Faruk Sen, Leiter des Zentrums für Türkeistudien, gibt seinen Posten im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Land Nordrhein-Westfalen auf. Zum Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus.


Düsseldorf - Er hatte Türken als "die neuen Juden Europas" bezeichnet - nun gibt Faruk Sen deshalb sein Amt als Direktor des Zentrums für Türkeistudien in Essen ab. Sens Vertrag werde in gegenseitigem Einverständnis zum Jahresende gelöst, teilte das nordrhein-westfälische Integrationsministerium am Dienstag in Düsseldorf mit. Bis dahin werde der umstrittene Türkeiforscher freigestellt, um in Izmir beim Aufbau der dort geplanten deutsch-türkischen Universität zu helfen.

Wissenschaftler Sen: Rücktritt wegen Judenvergleich
DDP

Wissenschaftler Sen: Rücktritt wegen Judenvergleich

Die Krisengespräche zwischen dem Integrationsminister und Kuratoriumsvorsitzenden Armin Laschet (CDU) und Faruk Sen wurden mit dem Beschluss beendet. Sen war unter Druck geraten, weil er die Situation seiner in Europa lebenden Landsleute in einem Beitrag für die türkische Wirtschaftszeitung "Referans" mit der Judenverfolgung in der Nazi-Zeit verglichen hatte. Später beteuerte Sen, die Formulierung zu bedauern. Der Vergleich sei "in der Undifferenziertheit, wie er in meinem Artikel erscheint, unzulässig", schrieb er in einer Erklärung. "Obwohl nach meiner Überzeugung Türkeistämmige in Europa von beträchtlicher gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind, verbietet sich der Vergleich mit der Verfolgung der Juden." Der Zentralrat der Juden in Deutschland nahm die Entschuldigung an.

Der Stiftungsvorstand hatte Sen trotzdem von seinen Aufgaben entbunden und bei Laschet die sofortige Abberufung des 60-Jährigen beantragt. Sen reichte beim Arbeitsschutzgericht Essen eine Kündigungsschutzklage ein.

Der türkischstämmige Wissenschaftler wurde schon vor dem verhängnisvollen Judenvergleich mehrfach kritisiert, weil er in türkischen Medien Kritik an Deutschland so heftig äußerte, wie er es in Deutschland nie tat. Die Widersprüchlichkeit seiner Aussagen sei inakzeptabel, monierten Politiker aus Nordrhein-Westfalen.

fat/AP/dpa/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.