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Demografischer Wandel: Sieben Schritte zu einer lebenswerteren Gesellschaft

Ein Gastbeitrag von Jürgen Rüttgers

Der demografische Wandel verändert unser Leben stärker als Energiewende, Globalisierung oder die digitale Revolution. Nur wenn die Politik sich dieser Herausforderung stellt, können wir weiter in Freiheit und Wohlstand leben. Ein Sieben-Punkte-Plan.

"Aktive Alte": Eine Seniorin hilft einer Grundschülerin bei den Hausaufgaben Zur Großansicht
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"Aktive Alte": Eine Seniorin hilft einer Grundschülerin bei den Hausaufgaben

In 25 Jahren lebt in Deutschland womöglich die älteste Bevölkerung der Welt. Schon heute werden Schulen und Kindergärten geschlossen. Lehrstellen können nicht besetzt werden. Facharbeiter fehlen. Dörfer verlieren immer mehr Einwohner. Manche fürchten einen Krieg der Generationen. Der demografische Wandel wird unser Leben mehr verändern als die Energiewende, die Globalisierung oder die digitale Revolution. Die Fakten sind seit langem bekannt. Geschehen ist wenig. Selbst bei längerem Nachdenken fällt den meisten Deutschen nur die Rente mit 67 und die Pflegeversicherung ein.

Deutschland muss sich entscheiden, ob es die Veränderungen erdulden oder gestalten will. Wenn nichts geschieht, werden viele Pflegebedürftige nur eine Versorgung auf niedrigstem Niveau erhalten. Viele Menschen, die keine durchgehende Erwerbsbiografie haben, werden im Alter arm sein. Das muss aber nicht sein. Unsere Gesellschaft wird zwar älter, kleiner und bunter. Zugleich haben wir die Chance, weiter in Wohlstand und Freiheit zu leben, wenn wir uns endlich der Herausforderung stellen. Das erfordert von uns allen eine große Anpassungsleistung. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen die Kraft aufbringen, diese Aufgabe in den nächsten 20 Jahren zu lösen.

Im Vordergrund werden dabei sieben Punkte stehen:

  • 1. Deutschland braucht einen neuen Generationenvertrag. Heute bezahlt die arbeitende Bevölkerung die Renten. Der neue Generationenvertrag muss aber auch die Kinder mit umfassen, die später die Rente bezahlen sollen. Wenn unsere Kinder nur noch die Renten und Schulden der heutigen Erwachsenengeneration bezahlen sollen, ohne selbst die Chance auf ein besseres Leben zu haben, werden sie sich verweigern. Die Proteste der gut ausgebildeten Jugendlichen in Spanien, Portugal und anderswo sollten eine Warnung sein.
  • 2. Deutschland braucht deshalb eine bessere Bildungs- und Erziehungsfinanzierung. Die öffentlichen Haushalte stellen heute für kinder- und familienpolitische Belange des Staates dreistellige Millionenbeträge zur Verfügung, ohne dass dadurch eine familien- und bildungsfreundliche Gesellschaft entsteht. Kindergeld, Kinderfreibetrag, Kinderzuschlag, beitragsfreie Mitversicherung von Kindern in der Krankenkasse sowie sonstige kinderbezogene Zuschüsse, Förderungen und Steuerleistungen - das Sammelsurium der vielen familienpolitischen Leistungen muss neu geordnet, umgeschichtet und in einem Erziehungs- und Bildungsgeld gebündelt werden.

    Die Mittel sollten zudem für die Finanzierung der Kinderbetreuung (bedarfsgerechter Kita-Ausbau, mehr Ganztagsschulen, mehr Tagesmütter, mehr Betreuungsangebote in Familienzentren), der Schulkosten, der individuellen Betreuung in den Schulen, der Studiengebühren, der Kosten für Lehre und Meisterausbildung sowie der Kosten kultureller, sportlicher und ähnlicher Angebote zusammengefasst werden.
  • 3. In Deutschland droht eine Altersarmut. Dies gilt besonders für Frauen. Schon jetzt liegt die durchschnittliche Witwenrente bei 563 Euro (West) bzw. 590 Euro (Ost). Der Anteil der über 65-Jährigen, die auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen sind, wird sich vervielfachen. Fast vier Millionen Menschen, die derzeit einer Vollbeschäftigung nachgehen, droht ein Absturz in die Altersarmut, obwohl sie 45 Jahre Rentenbeiträge gezahlt haben. Gleiches gilt für junge Menschen, die trotz guter Ausbildung und Studienabschlüssen heute als Praktikanten ausgenutzt werden. Ebenso gilt dies für Langzeitarbeitslose, Langzeitstudierende, Mini- und Midi-Jobber, für 400.000 kleine Selbständige sowie die nicht berufstätigen Mütter und Väter.

    Da der Mindestlohn das Problem nicht löst, brauchen wir eine Mindestrente. Denn: Wer ein Arbeitsleben lang Beiträge in die Rentenversicherung zahlt, muss im Alter eine höhere Rente haben, als derjenige, der nie oder nur sporadisch gearbeitet hat. Deshalb sollte das System der Mindestentgeltpunkte wieder eingeführt werden.
  • 4. Jedermann muss die Möglichkeit haben, zusätzlich zur solidarischen Rente privat vorzusorgen. Neben der vorgesehenen Einbeziehung von kleinen Selbständigen muss der Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge vorangetrieben werden. Die Arbeitslosenversicherung muss für Arbeitslose die vollen Rentenbeiträge zahlen. Wer unverschuldet arbeitslos ist, sollte nicht mit Altersarmut bestraft werden.

    Auch müssen die Renten - über die Berücksichtigung der Kindererziehungszeit hinaus - an die Kinderzahl gekoppelt werden - entweder bei der Höhe der Rente oder der Beiträge. Mit der unverzichtbaren solidarischen Rente allein können die wenigsten ihren Lebensstandard im Alter sichern. Der Staat muss den Menschen so viel von ihrem Einkommen lassen, dass sie mehr fürs Alter zurücklegen können. Besonders Facharbeiter mit Kindern und der kleine Mittelstand sind hier in großen Schwierigkeiten.
  • 5. Die Übergänge zwischen Erwerbstätigkeit und Rentenbezug müssen flexibler gestaltet werden. Die Mehrheit der Menschen möchte gerne länger arbeiten. Wir sollten es ihnen nicht verbieten. Deshalb sollte das Renteneintrittsalter abgeschafft werden. Wer früher oder später in Rente gehen will, sollte dies freiwillig können. Nicht jeder muss dann Vollzeit arbeiten. Auch die Möglichkeiten, neben der Rente oder Pension etwas hinzuzuverdienen, eine Teilrente zu beziehen beziehungsweise Rentenanwartschaften beim Wechsel der Arbeitsstelle mitzunehmen, müssen verbessert werden. Der Vorschlag der Bundesregierung für eine Kombi-Rente ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber zu mutlos. Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber sowie Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser haben den Vorschlag, das Renteneintrittsalter abzuschaffen, begrüßt. Deshalb sollte die Bundesregierung eine entsprechende Initiative vorlegen.
  • 6. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser möglich zu machen, müssen die Betreuungsangebote für Kinder ausgebaut werden. Da immer mehr junge Frauen ihre Kinder ohne den Vater aufziehen, müssen besondere Angebote für die ersten Lebensjahre geschaffen werden. Die Erziehungstätigkeit in der Familie muss mit der beruflichen Tätigkeit gleichgesetzt werden. Die alleinige Gewährung von Steuerbegünstigungen für außerfamiliäre Erziehung verstößt gegen die Grundsätze der staatlichen Neutralität und der Wahlfreiheit der Eltern.
  • 7. Fälle von Altersdiskriminierung müssen deutlich stärker kenntlich gemacht und bekämpft werden. Das betrifft sowohl Jung als auch Alt. Altersdiskriminierung gehört in Deutschland zu den häufigsten Diskriminierungsgründen. Die Verweigerung einer Kreditkarte oder des Abschlusses von Kreditverträgen oder Krankenversicherungen, vertragliche Entgeltregelungen mit Altersabstufungen oder altersabhängige Urlaubsregelungen sind häufige Beispiele.

    Ähnliches gibt es bei der Diskriminierung von Familien mit Kindern. Alte Menschen zu schnell zu entmündigen, ist nicht akzeptabel. Ein handfester Skandal ist die Diskriminierung älterer Bewerber bei den Stellenbesetzungen in deutschen Unternehmen. Eine ältere Gesellschaft wird nicht auf die Erfahrung der älteren Menschen verzichten können.

Der Umbau unserer Gesellschaft zu einer Gesellschaft des Miteinanders von Jung und Alt ist überfällig und dringend. Wir brauchen die "aktiven Alten". Noch lassen sie es sich gefallen, als diejenigen dargestellt zu werden, die es eigentlich nicht gibt, die zwischen Jung und Alt. Sie haben eigene Vorstellungen von ihrem vierten Lebensabschnitt. Sie wollen nicht immer jung bleiben, aber sich auch nicht zur Ruhe setzen. Sie sind zwar nicht mehr so fit wie früher, aber vital. Sie wollen, dass ihr Leben einen Sinn hat. Sie sind bereit zu arbeiten, wenn sie gebraucht werden, und zu helfen, wenn Mann, Frau oder Kind in Not ist. Sie sind wissbegierig und lernfähig. Die ganze Gesellschaft braucht diese "aktiven Alten".

Es wird Zeit, sich um eine neue Generation zu kümmern. Wo sind in den Parteien, der Kirche, der Gewerkschaften, der Wirtschaft, den Sozialsystemen et cetera die Türen zum Einsteigen? Eine lebenswerte Gesellschaft wird den demografischen Wandel nutzen, um alte Tugenden der Gemeinsamkeit und des Miteinanders neu zu beleben. Wir sollten diese Chance nutzen.

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insgesamt 83 Beiträge
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1. optional
moev 12.07.2012
---Zitat--- ■7. Fälle von Altersdiskriminierung müssen deutlich stärker kenntlich gemacht und bekämpft werden. Das betrifft sowohl Jung als auch Alt. Altersdiskriminierung gehört in Deutschland zu den häufigsten Diskriminierungsgründen. Die Verweigerung einer Kreditkarte oder des Abschlusses von Kreditverträgen oder Krankenversicherungen, ---Zitatende--- Also einem 85 Jährigen einen Kredit über 10-Jahre zu verweigern wäre dann Altersdiskriminierung? Und das er rein objektiv eine Krankenversicherung mehr kostet darf nicht berücksichtigt werden? Wäre das dann nicht gleichzeitig Altersdiskrimminierung gegen die jüngeren die das gleiche zahlen müssten?
2. .
frubi 12.07.2012
Zitat von sysopDPADer demografische Wandel verändert unser Leben stärker als Energiewende, Globalisierung oder die digitale Revolution. Nur wenn die Politik sich dieser Herausforderung stellt, können wir weiter in Freiheit und Wohlstand leben. Ein Sieben-Punkte-Plan. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,843019,00.html
Nach ihren Amtszeiten haben Politiker immer die dollsten Ideen. Während der Amtszeit fehlt ihnen der Mut, sich gegen andere Interessen durchzusetzen. Sie können also noch so viele tolle Vorschläge machen und sich dafür von ihrer Sippe feiern lassen aber Sie müssten genau wissen, dass sich in Berlin nichts bewegen wird und daher ist es beinahe zynisch, dass solche Vorschläge von jemanden wie Jürgen Rüttgers kommen. Die Analyse und die Vorschläge an sich sind ja richtig aber das war auch vor diesem Beitrag von Rent-a-Jürgen bereits der Fall.
3.
papierloser 12.07.2012
" Die öffentlichen Haushalte stellen heute für kinder- und familienpolitische Belange des Staates dreistellige Millionenbeträge zur Verfügung" Ansonsten: Wichtige Diskussion - hoffentlich wird sie nicht nur mit dem Ansatz "mehr Geld!" geführt. Nicht jede Verbesserung muss Geld kosten. Es sind dreistellige Milliardenbeiträge!
4. Ja und ?
altebanane 12.07.2012
---Zitat von Artikel--- 3. In Deutschland droht eine Altersarmut. Dies gilt besonders für Frauen. Schon jetzt liegt die durchschnittliche Witwenrente bei 563 Euro (West) bzw. 590 Euro (Ost). ---Zitatende--- Ähm, who cares ? Witwenrente ist doch eher ein Zubrot, von Interesse nur für Leute, die keine eigene Rente bzw. kein eigenes Einkommen haben. Wenn jemand ein halbwegs normales Einkommen hat, tendiert die Witwenrente gegen null. Mich würde mal interessieren, wie viele Leute überhaupt einen Anspruch größer null aus der Witwenrente haben.
5. Es ist kein Wandel...
ex_Kamikaze 12.07.2012
es ist ein Prozess der sich immer weiter verstärkt und beschleunigt und diese Gesellschaft vernichten wird - wenn nicht radikal gegengesteuert wird. Denn da gibt es nichts anzupassen, allenfalls für kurze Überbrückungszeiten. Das Grundproblem läßt sich nur lösen mit einer Umverteilung von Macht und Einkommen von Alt zu Jung - das wird nicht nur schöne Auswirkungen haben. Wir müssen irgendwie einen Babyboom erzeugen. Es wird keinen anderen Weg geben. Schön das sich ein Artikel üerhaupt mal damit befaßt, auch wenn das alles halbherzig und nicht zu Ende gedacht ist.
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Zum Autor
  • DDP
    Jürgen Rüttgers war von 1994 bis 1998 Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und von 2005 bis 2010 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Er lehrt heute Politische Wissenschaft an der Universität Bonn und arbeitet als Rechtsanwalt.

Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.

Rentengarantie
ddp
Die Rentengarantie wurde 2009 von der Großen Koalition beschlossen. Die Schutzklausel sieht vor, dass Rentenkürzungen in wirtschaftlich schwachen Zeiten ausgeschlossen sind. Mit der gesetzlichen Garantie wird sichergestellt, dass die Renten in Deutschland auch dann stabil bleiben, wenn die Löhne sinken sollten. Rentner werden somit vor sinkenden Altersbezügen geschützt.

Die damalige Bundesregierung hatte für 2010 und die Folgejahre keine Lohnsenkungen erwartet. Die Rentengarantie war daher eine reine Vorsichtsmaßnahme. Das Gesetz war eine Reaktion auf eine Debatte über mögliche Rentenkürzungen im Jahr 2010.

Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.


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