Berlin - Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, hat einer möglichen Regierungsbildung mit der Union eine Absage erteilt. "Mit solchen korrupten Amigos von der CSU koalieren wir nicht. Wir koalieren nicht mit Amigos", sagte Trittin beim Bundesparteitag in Berlin mit Blick auf die aktuellen Skandale der CSU in Bayern: "Wir sorgen dafür, dass sie abgewählt werden." Für ihn ist die Regierung Merkel ein "fleischgewordener Stillstand".
"Die Überlänge dieses schwarz-gelben Films nervt schon", sagte Trittin. "Bringen wir das zu Ende." Das Versagen von Merkel beim Klimaschutz sei Grund genug, diese Koalition abzuwählen, so der 58-Jährige.
Nach Trittin sprach mit Katrin Göring-Eckardt die zweite Spitzenkandidatin der Grünen. "Deutschland ist erneuerbar, Schwarz-Gelb ist es nicht", sagte sie. Zunächst kritisierte Göring-Eckardt das ungleiche Verhältnis der Gehälter in Deutschland: "Ein Monatsgehalt von 500.000 Euro ist genauso sozial schief wie ein Stundenlohn von 5,39 Euro."
Bei dem Parteitag wollen die rund 800 Delegierten über ihr Wahlprogramm und auch ihre Koalitionsaussage abstimmen. Einig ist sich die Partei darin, dass sie mit der SPD die meisten inhaltlichen Übereinstimmungen sieht. Am späteren Freitagabend wollen die Delegierten außerdem über die Positionen zur Energie- und Wirtschaftspolitik im Wahlprogramm entscheiden.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte im Vorfeld mit Blick auf mögliche Koalitionen, zwar liege die Präferenz "klar bei Rot-Grün". Die Grünen seien aber "von der Union auch nicht so meilenweit weg, dass wir mit ihr, sollte es für Rot-Grün nicht reichen, nicht mal Sondierungsgespräche führen könnten". Göring-Eckardt dagegen sieht kaum Anknüpfungspunkte mit der Union. "Über unser Wahlprogramm würde man mit der Union zu 80 Prozent nicht mal reden können", sagte sie SPIEGEL ONLINE.
"Wir wollen ein Deutschland, das eine erfolgreiche Energiewende hinlegt", sagte Trittin kurz vor Beginn der Delegiertenversammlung: "Wir wollen ein Deutschland, das gerechter ist." Die, die heute wenig haben, sollten künftig über mehr Einkommen verfügen. "Wir wollen den Skandal beenden, dass Deutschland bei der Vermögensbesteuerung eine Steueroase ist", so Trittin weiter, "und wir wollen ein moderneres Deutschland." Gleiche Rechte von Frauen und Männern müssten durch eine Quote abgesichert werden.
max/dpa
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