Grünen-Politiker Trittin kritisiert SPD-Spitze für falschen Kurs

Grünen-Politiker Jürgen Trittin sieht die Zukunft der SPD als Volkspartei stark gefährdet: Die Parteiführung beschleunige mit ihrem "Schlingerkurs" den Abstieg der Sozialdemokraten.

Jürgen Trittin
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Jürgen Trittin hält die derzeitige politische Ausrichtung der SPD für einen Fehler. Die Vorsitzende Andrea Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz schienen sich "in einer babylonischen Gefangenschaft mit CDU und CSU einrichten zu wollen", sagte der frühere Bundesumweltminister der Nachrichtenagentur dpa. Anstatt die Union stärker zu bekämpfen, würden sie sich noch schärfer von den Grünen abgrenzen. Dieser Schlingerkurs könne aus seiner Sicht den Abstieg der einstigen Volkspartei beschleunigen.

"Notwendig ist etwas anderes: SPD, Linke und Grüne müssten diejenigen, die sich in den letzten zehn Jahren von der Politik zurückgezogen haben, wieder mobilisieren", forderte Trittin.

Wenn Nahles den Streit zwischen den Kräften links der Mitte bevorzuge und CSU-Chef Horst Seehofer gegenüber eine Beschwichtigungspolitik mache, dann bedeute das den Abschied von "der Idee, wieder jenseits der Union zu regieren", sagte Trittin. "Das wird den Niedergang der Sozialdemokratie beschleunigen." SPD und Grüne seien auch keine "gottgegebenen Bündnispartner".

Mit Blick auf den Höhenflug der eigenen Partei betonte er: "Wir geben offensichtlich klügere Antworten als die Sozialdemokraten auf die Themen der Menschen, die sich um Soziales, Gesundheit und Pflege sorgen."

In der SPD-Spitze wird weniger die neue linke Sammlungsbewegung "Aufstehen" der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht als Problem gesehen als der Höhenflug der Grünen, die versuchen, sich als neue Kraft der "linken Mitte" zu etablieren. Im ARD-"Deutschlandtrend" liegen sie mit 15 Prozent nur noch drei Punkte hinter der SPD.



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mho/dpa



insgesamt 98 Beiträge
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sven2016 06.08.2018
1.
Das Problem mit der Anstrengung, die „politische Mitte“ anzusprechen, ist, dass diese sog. Mitte in weiten Teilen aus unpolitischen, egoistischen Mittelschichtbürgern mit primär pekuniären Eigeninteressen besteht. Parteien, die sich an die heran-asseln, kommen zu Strategien, die Partikularinteressen über solidarische soziale Lösungsversuche stellen. Die Grünen in BW und zT in SH praktizieren das. Die Einschätzung der SPD als überholt in der derzeitigen Konstellation trifft Herr Trittin zu recht. Eine SPD mit 4% wäre keine Tragik mehr.
kayakclc 06.08.2018
2. Vorruhestand
Und ich dache Trittin wäre im Vorruhestand. Anscheindend kann er es nicht ertragen nicht mehr in den Medien mit seine Negativkommentaren vorzukommen. Trittin, so erscheint es mir als Aussenstehender, ist getrieben von einem Bündel von destruktiver Energie. Sei größter Triumpf, das Scheitern von Jamaika, liegt schon ein 3/4 Jahr zurück. Ich würde empfehlen, mehr auf Habeck zu hören. Der versteht die Kunst, dass Gemeinsame zu entdecken und damit Politik konstriktiv voranzubringen. Bitte Jürgen: bleib im Vorruhestand. Die Grünen sind in besseren Händen als bei einen Menschen, der den Bürgern nur immer mehr Geld aus der Tasche ziehen will, weil er angeblich besser weiss, wie die Menschheit zu beglücken ist, als die Bürger selber.
demokrat2 06.08.2018
3. Was will Trittin?
Soll die SPD doch noch in die Opposition gehen? Wäre ja Schwachsinn. Also kommt Trittins Kritik zum denkbar schlechtesten Zeitpunlt, es sei denn, er verspricht sich noch etwas mehr Zuwachs für die eigene Partei. Das widerspricht aber dem, was er eigentlich anstrebt. Statt die SPD stark zu machen, schwächt er sie. Das versteht keiner.
hannac. 06.08.2018
4.
Ja so wird es wohl sein und werden. Erst wenn die Postengenossen ihre Posten abgeben müssen und die SPD aus dem Bundestag fliegt, kann Frau Waagenknecht den kläglichen Rest aufnehmen und betreuen.
IMOTEP 06.08.2018
5. Mühlstein
Trittin und seine Grünen tun sich leicht mit Kritik an den Sozen sie haben nicht den Mühlstein der Agenda am Hals. Der spd bleibt garnichts anderes übrig als zu "schlingern" hofft sie doch gemeinsam mit der cdu alles noch zum besseren zu wenden und somit für breitere Wählerschichten wieder wählbar zu werden, denkbar wäre es aber das klein klein dauert und bis dahin ist die Partei marginalisiert und läuft unter ferner liefen.
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