Jugendgewalt-Debatte Kenan Kolat plant Verhaltenskodex

Vorstoß aus der Türkischen Gemeinde in Deutschland: Der Vorsitzende Kenan Kolat will einen Verhaltenskodex für die Debatte um Jugendgewalt entwickeln. Politiker und Verbandsvertreter sollten sich damit verpflichten, sich nicht mehr diskriminierend zu äußern.


Berlin - Er übte heftige Kritik an Roland Kochs Wahlkampf und warf dem hessischen Ministerpräsident vor, mit seiner Kampagne gegen "kriminelle Ausländer" rassistische Ressentiments zu bedienen- jetzt plant der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, einen Verhaltenskodex zur Diskussion um Jugendgewalt.

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde Kolat: "Diskriminierende Aussagen müssen geächtet werden"
DPA

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde Kolat: "Diskriminierende Aussagen müssen geächtet werden"

"Politiker und zivilgesellschaftliche Vertreter sollen sich dazu verpflichten, eine Form der politischen Auseinandersetzung zu wählen, die nicht diskriminierend oder stigmatisierend ist", sagte Kolat zu SPIEGEL ONLINE. Die Atmosphäre sei durch die Äußerungen Kochs zu kriminellen Ausländern in Deutschland nicht gut. "Damit wurde viel Porzellan zerschlagen."

Kolat überlegt nach eigenen Worten ein Bündnis mit Kirchen, Gewerkschaften und dem Zentralrat der Juden zu schließen. Das Ziel sei es, dass "Aussagen wie von Koch" geächtet werden müssten. Kolat erklärte weiter, auch die Türkische Gemeinde setze sich mit dem Thema Jugendgewalt auseinander - es sei aber gefährlich, das Thema wie Koch auf bestimmte Ethnien zu konzentrieren.

Koch hatte in der "Bild"-Zeitung gesagt, es gebe zu viele kriminelle Ausländer in Deutschland. Außerdem hatte sich der CDU-Politiker dafür ausgesprochen, ausländische Straftäter schneller abzuschieben.

anr



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.