Lebensmittel Klöckner will Tierwohllabel mit drei Stufen

Agrarministerin Julia Klöckner möchte für das geplante Tierwohllabel für Fleisch im Supermarkt drei Qualitätsstufen festlegen. Bislang waren zwei Qualitätsstufen geplant. Die Teilnahme ist für Landwirte freiwillig.

Agrarministerin Klöckner
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Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat Eckpunkte für das geplante staatliche Tierwohllabel für Fleisch im Supermarkt vorgestellt. Die Kennzeichnung für bessere Haltungsbedingungen soll drei Stufen haben, teilte das Ministerium mit. Dabei solle die Eingangsstufe "eindeutig über dem gesetzlichen Standard" liegen. Eine Teilnahme soll für Landwirte freiwillig sein, die Kriterien müssten dann aber verbindlich eingehalten werden. Welche Auflagen die Bauern bei der Tierhaltung im einzelnen für die verschiedenen Einstufungen einhalten müssen, wurde zunächst noch nicht mitgeteilt, es wird zum Beispiel um größere Ställe, bessere Schlachtbedingungen und regelmäßige Fortbildungen der Landwirte gehen.

"Unsere Kennzeichnung wird klar, wahr und verlässlich sein", sagte die CDU-Politikerin. "Wir werden das Label so attraktiv machen, dass viele Landwirte mitmachen und sich dadurch die Haltungsbedingungen der Nutztiere spürbar verbessern."

KIöckner stellte die Eckpunkte nach einem Gespräch mit Vertretern von Tierhaltern, Verbraucherzentralen, Tierschützern und Handel vor. Ziel sei eine breite Beteiligung in Supermärkten und Gastronomie. Mitgenommen werden sollten insbesondere Bauern, die bei der seit 2015 bestehenden "Initiative Tierwohl" mitmachen. Dabei erhalten Landwirte für Zusatzleistungen Geld aus einem Fonds, in den Supermarkt-Ketten einzahlen. Geplant ist eine staatliche Förderung für Stall-Umbauten und eine Werbekampagne

Verzicht auf Schwarz-Rot-Gold

Klöckners Vorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte Kriterien für das Label erarbeitet, es bis zur Bundestagswahl aber nicht umgesetzt. Sein Konzept hatte noch zwei Stufen vorgesehen - eine Eingangs- und eine Premiumstufe. Klöckner will außerdem auf die bisher auf dem Logo angedachte schwarz-rot-goldene Flagge verzichten. Dies könne von Verbrauchern fälschlich als Angabe zur Herkunft verstanden werden.

Bisher geht es beim Tierwohllabel vorrangig um die Haltung von Schweinen. Zum einen, weil das geplante Gütesiegel erst später auf Geflügel ausgeweitet werden soll - zum anderen, weil die Branche mit besonders vielen Problemen zu kämpfen hat.

Das Label, das bis 2021 in die Supermärkte kommen soll, wird vor allem dafür kritisiert, dass die Teilnahme freiwillig ist. Fleisch mit dem Siegel würde deshalb weiter in Konkurrenz mit Billigfleisch stehen. Gutachter haben deshalb das Marktpotenzial nur auf 20 Prozent beziffert. Eine grundsätzlich andere Tierhaltung wäre nur mit schärferen Gesetzen realisierbar.

cpa/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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faktenkind 05.05.2018
1. Labelmania...
Demnächst finde ich vor lauter Labeln ("Tierwohl", "Bio", "Noch viel mehr Bio", "Vegan", "Halal, "Ohne Zusatzstoffe!", "Neu!", "Geprüft!", "Glutenfrei", "Grätenfrei", ...) dann wahrscheinlich weder die Inhaltsangabe, noch den Preisaufkleber. Auf der Zigarettenschachtel, wohlgemerkt.
RalfHenrichs 05.05.2018
2. Braucht niemand
Kaum jemand wird den Unterschied zwischen Stufe 1, 2 und 3 verstehen. Allenfalls nach dem Motto: etwas besser, viel besser und sehr viel besser als die gesetzliche Vorgabe. Mehr dürften die meisten nicht verstehen. Das sieht man schon an den Eiern: viele wissen bis heute noch nicht, ob "0" oder "3" für Bioei steht und was genau 1, 2 und 3 bedeuten. Noch ein Problem: bei den Eiern heißt es: je niedriger desto besser fürs Tier. Hier scheint es umgekehrt zu sein: je höher, desto besser fürs Tier. Das alles dürfte dazu führen, dass die Kunden das ignorieren. Und wenn die Kunden diese Kriterien weitgehend ignorieren, warum sollte dann ein Unternehmen diese Kriterien wählen, wenn sie Kosten verursachen, aber keinen höheren Umsatz bringen?
m82arcel 05.05.2018
3.
Inzwischen gibt es so viele verschiedene Siegel und angebliche Auszeichnungen, dass ich denen nicht mehr trauen kann. Wie wird denn die Einhaltung sichergestellt? Wie oft wird kontrolliert? Wer kontrolliert und wer bezahlt die Kontrolleure? Solange das alles nicht klar und sicher geregelt ist, bin ich nicht bereit mehr Geld wegen eines Siegels auszugeben. Mein Vertrauen in die Nahrungsmittelindustrie ist da nachhaltig zerstört. Naja, immerhin dabei handelt sie nachhaltig.
cmanu 05.05.2018
4. Die einfachste Alternative:
Man könnte die Tiere ja auch einfach mal in Ruhe leben lassen. Kein Mensch braucht in unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft noch Fleisch. Aber ich seh schon; da spielt leider die steinzeitliche Gier des Menschen einfach nicht mit, gelle...
matteo51 05.05.2018
5.
Freiwillige Teilnahme für Landwirte halte ich für schwierig und nicht zielführend. Besser: unvorbereitete Kontrollen und vor allem kompromisslose Bekämpfung von Korruption und Korrumption und entsprechenden Lobbyismus. Von unabhängigen Institutionen und Gremien.
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