Berlin - Es ist das Signal eines Altvorderen der SPD - Altkanzler Helmut Schmidt hat sich im SPIEGEL-Gespräch für eine Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück ausgesprochen. "Er kann es", sagte Schmidt über den ehemaligen Finanzminister. "Peer Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann", so der Altkanzler.
Genossen aus dem linken Parteiflügel sind wütend über die Initiative. "Ich verstehe nicht, was dieser Ego-Trip zu diesem Zeitpunkt soll", sagte der Juso-Vorsitzende Sascha Vogt dem "Tagesspiegel". "Kanzlerkandidaten werden nicht von Altkanzlern ausgerufen, sondern von der Partei bestimmt." Wenn die SPD klug sei, entscheide sie erst in einem Jahr über ihren Kandidaten, erklärte SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner. "Kanzlerkandidaten werden bei uns nicht ausgerufen, auch nicht von noch so verdienstvollen Politikern." Es gebe mehrere Sozialdemokraten, "die das Amt können", so Stegner im "Tagesspiegel".
Zustimmung kam dagegen vom konservativen "Seeheimer Kreis" in der SPD. Dessen Sprecher Johannes Kahrs bezeichnete Steinbrück als einen guten Kanzlerkandidaten. "Ich glaube, dass Peer Steinbrück es kann. Er ist ein guter Krisenmanager und genießt als ehemaliger Finanzminister viel Vertrauen in der Bevölkerung", sagte Kahrs der Tageszeitung "Die Welt".
Gelassen hat SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier auf das Werben des Altkanzlers für Steinbrück reagiert. "Das sind zwei Menschen, die ich sehr schätze", sagte er am Montag im ARD-"Morgenmagazin". "Und es sind zwei Menschen, im Unterschied zu denen, die jetzt regieren, die manche Krise durchstanden haben mit Standfestigkeit und Orientierung." Mit Steinbrück arbeite er seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll zusammen. "Wir sind befreundet."
Linken-Chef Ernst: "Zusammenarbeit ist unwahrscheinlich"
Steinmeier gilt neben Steinbrück und SPD-Chef Sigmar Gabriel selbst als möglicher Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten. Zum Verfahren der Kandidatenbenennung sagte er, es bleibe bei dem, was die SPD besprochen habe: "Wir werden das im nächsten Jahr entscheiden."
Reaktionen kamen auch aus anderen Parteien - die Linke kritisierte Steinbrück scharf. "Ob die SPD einen notorischen Wahlverlierer aufstellt, ist ihre Sache", sagte Linken-Chef Klaus Ernst der "Passauer Neuen Presse". "Dass wir mit ihm gut zusammenarbeiten, ist unwahrscheinlich." In der SPD gewönnen ausgerechnet diejenigen wieder an Macht und Einfluss, "die für Sozialabbau, Rentenkürzungen und Kriegseinsätze stehen".
Steinbrück selbst will sich seit Monaten nicht zu den Spekulationen über eine mögliche Kanzlerkandidatur äußern. "Zwei Jahre vor der regulären Bundestagswahl ist es zu früh, die Debatte zu befeuern. Wenn es so weit ist, wird SPD-Chef Sigmar Gabriel dazu das Notwendige sagen", so der frühere Finanzminister Ende September.
In der SPD war zuletzt rund um die Personalie Steinbrück ein Kräftemessen zwischen dem rechten und dem linken Parteiflügel ausgebrochen. Die Parteilinke äußerte vor wenigen Wochen Kritik an einer möglichen Kanzlerkandidatur. "Peer Steinbrück verachtet die Partei und bezeichnet ihre Funktionäre gern als Heulsusen", hatte Juso-Chef Sascha Vogt dem SPIEGEL gesagt. Steinbrücks Kandidatur "würde die SPD tief spalten, ein Großteil der Mitglieder stünde nicht hinter ihm", fügte Vogt hinzu.
anr/dpa
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