ThemaPeer SteinbrückRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

K-Frage bei den Genossen SPD-Linke meutern gegen Steinbrück-Kür

SPD-Mann Steinbrück: Hilfe vom AltkanzlerZur Großansicht
DPA

SPD-Mann Steinbrück: Hilfe vom Altkanzler

Altkanzler Schmidt will Ex-Finanzminister Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidaten - im linken Parteiflügel löst dieser Vorstoß Empörung aus. Spitzenkandidaten würden nicht einfach ausgerufen, heißt es.  Von einem "Ego-Trip" ist die Rede.  

Berlin - Es ist das Signal eines Altvorderen der SPD - Altkanzler Helmut Schmidt hat sich im SPIEGEL-Gespräch für eine Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück ausgesprochen. "Er kann es", sagte Schmidt über den ehemaligen Finanzminister. "Peer Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann", so der Altkanzler.

Genossen aus dem linken Parteiflügel sind wütend über die Initiative. "Ich verstehe nicht, was dieser Ego-Trip zu diesem Zeitpunkt soll", sagte der Juso-Vorsitzende Sascha Vogt dem "Tagesspiegel". "Kanzlerkandidaten werden nicht von Altkanzlern ausgerufen, sondern von der Partei bestimmt." Wenn die SPD klug sei, entscheide sie erst in einem Jahr über ihren Kandidaten, erklärte SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner. "Kanzlerkandidaten werden bei uns nicht ausgerufen, auch nicht von noch so verdienstvollen Politikern." Es gebe mehrere Sozialdemokraten, "die das Amt können", so Stegner im "Tagesspiegel".

Zustimmung kam dagegen vom konservativen "Seeheimer Kreis" in der SPD. Dessen Sprecher Johannes Kahrs bezeichnete Steinbrück als einen guten Kanzlerkandidaten. "Ich glaube, dass Peer Steinbrück es kann. Er ist ein guter Krisenmanager und genießt als ehemaliger Finanzminister viel Vertrauen in der Bevölkerung", sagte Kahrs der Tageszeitung "Die Welt".

Gelassen hat SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier auf das Werben des Altkanzlers für Steinbrück reagiert. "Das sind zwei Menschen, die ich sehr schätze", sagte er am Montag im ARD-"Morgenmagazin". "Und es sind zwei Menschen, im Unterschied zu denen, die jetzt regieren, die manche Krise durchstanden haben mit Standfestigkeit und Orientierung." Mit Steinbrück arbeite er seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll zusammen. "Wir sind befreundet."

Linken-Chef Ernst: "Zusammenarbeit ist unwahrscheinlich"

Steinmeier gilt neben Steinbrück und SPD-Chef Sigmar Gabriel selbst als möglicher Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten. Zum Verfahren der Kandidatenbenennung sagte er, es bleibe bei dem, was die SPD besprochen habe: "Wir werden das im nächsten Jahr entscheiden."

Reaktionen kamen auch aus anderen Parteien - die Linke kritisierte Steinbrück scharf. "Ob die SPD einen notorischen Wahlverlierer aufstellt, ist ihre Sache", sagte Linken-Chef Klaus Ernst der "Passauer Neuen Presse". "Dass wir mit ihm gut zusammenarbeiten, ist unwahrscheinlich." In der SPD gewönnen ausgerechnet diejenigen wieder an Macht und Einfluss, "die für Sozialabbau, Rentenkürzungen und Kriegseinsätze stehen".

Steinbrück selbst will sich seit Monaten nicht zu den Spekulationen über eine mögliche Kanzlerkandidatur äußern. "Zwei Jahre vor der regulären Bundestagswahl ist es zu früh, die Debatte zu befeuern. Wenn es so weit ist, wird SPD-Chef Sigmar Gabriel dazu das Notwendige sagen", so der frühere Finanzminister Ende September.

In der SPD war zuletzt rund um die Personalie Steinbrück ein Kräftemessen zwischen dem rechten und dem linken Parteiflügel ausgebrochen. Die Parteilinke äußerte vor wenigen Wochen Kritik an einer möglichen Kanzlerkandidatur. "Peer Steinbrück verachtet die Partei und bezeichnet ihre Funktionäre gern als Heulsusen", hatte Juso-Chef Sascha Vogt dem SPIEGEL gesagt. Steinbrücks Kandidatur "würde die SPD tief spalten, ein Großteil der Mitglieder stünde nicht hinter ihm", fügte Vogt hinzu.

anr/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 853 Beiträge
ray4901 22.10.2011
Wenige? Keine! Er hat sich das schon verdient. Vielleicht ist die Bilanz durch die faktische Abwahl etwas besser ausgefallen, als wenn er die Achtziger hätte durch regieren müssen. Ein parteiunabhängiger Denker und Pilot war [...]
Zitat von sysopWenige Politiker genießen in Deutschland in der Welt ein so großes Ansehen wie ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Seine Interviews, seine Bücher und seine Äußerungen zur Tagespolitik erfahren regelmäßig ungeteilte Beachtung, aber Schmidts unerbittliche Kritik wird nicht von allen goutiert. Ist Helmut Schmidt immer noch ein politisches Vorbild?
Wenige? Keine! Er hat sich das schon verdient. Vielleicht ist die Bilanz durch die faktische Abwahl etwas besser ausgefallen, als wenn er die Achtziger hätte durch regieren müssen. Ein parteiunabhängiger Denker und Pilot war er aber schon wie kein zweiter vor und nach ihm.
rafkuß 22.10.2011
Wie ich mich erinnern kann, war er der beste CDU-Kanzler, den die SPD je hatte... Aber politisches suchtmittelabhängiges Vorbild? - habe ich da etwas versäumt?
Zitat von sysopWenige Politiker genießen in Deutschland in der Welt ein so großes Ansehen wie ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Seine Interviews, seine Bücher und seine Äußerungen zur Tagespolitik erfahren regelmäßig ungeteilte Beachtung, aber Schmidts unerbittliche Kritik wird nicht von allen goutiert. Ist Helmut Schmidt immer noch ein politisches Vorbild?
Wie ich mich erinnern kann, war er der beste CDU-Kanzler, den die SPD je hatte... Aber politisches suchtmittelabhängiges Vorbild? - habe ich da etwas versäumt?
Einige seiner Äußerungen etwa zur aktuellen Eurokrise oder der Europapolitik der Koalition sind respektabel und zeugen von eingem anderem Verständnis für die "Bedürfnisse der Banken". Jedoch ist es schwierig mit dem [...]
Einige seiner Äußerungen etwa zur aktuellen Eurokrise oder der Europapolitik der Koalition sind respektabel und zeugen von eingem anderem Verständnis für die "Bedürfnisse der Banken". Jedoch ist es schwierig mit dem Vorbildsein von Politikern, gerade von Ex-Politikern, denn diese agieren in Ihrer nicht mehr politisch aktiven Zeit häufig in ganz anderen Bereichen als vorher und haben auch nicht mehr das Rechtfertigunsbedürfnis vor dem Souverän (dies kann man auch bei aktiven Polikern beobachten). Insofern muss man, wenn man Politiker als Vorbild sehen will immer auch Ihrem Ausprägungsgrand von unabhängiger Meinung im Auge haben. Gerade dieser ist bei den meisten recht gering, weil Sie Mitglied in diversen Vorständen sind.
marant 22.10.2011
Hinter dem großen Teich gewiß...Yes we can ... lauten die Lobeshymnen... http://www.nytimes.com/2011/10/22/opinion/will-angela-merkel-wake-up-in-time.html?_r=1&scp=1&sq=helmut%20schmidt&st=cse
Zitat von sysopWenige Politiker genießen in Deutschland in der Welt ein so großes Ansehen wie ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Seine Interviews, seine Bücher und seine Äußerungen zur Tagespolitik erfahren regelmäßig ungeteilte Beachtung, aber Schmidts unerbittliche Kritik wird nicht von allen goutiert. Ist Helmut Schmidt immer noch ein politisches Vorbild?
Hinter dem großen Teich gewiß...Yes we can ... lauten die Lobeshymnen... http://www.nytimes.com/2011/10/22/opinion/will-angela-merkel-wake-up-in-time.html?_r=1&scp=1&sq=helmut%20schmidt&st=cse
guteronkel 22.10.2011
Helmut Schmidt war ein Kanzler, wie ihn diese Republik nie wieder sehen wird. Alles was vor ihm da war und alles danach ist nur Abklatsch - billiger Abklatsch. Er war und ist ein Fachmann. In nahezu allen Bereichen. Dies macht [...]
Zitat von rafkußWie ich mich erinnern kann, war er der beste CDU-Kanzler, den die SPD je hatte... Aber politisches suchtmittelabhängiges Vorbild? - habe ich da etwas versäumt?
Helmut Schmidt war ein Kanzler, wie ihn diese Republik nie wieder sehen wird. Alles was vor ihm da war und alles danach ist nur Abklatsch - billiger Abklatsch. Er war und ist ein Fachmann. In nahezu allen Bereichen. Dies macht es auch aus, dass er immer noch gefragt wird. Und was seine Raucherei betrifft: Der ist mir mit Fluppe im Mund 10 mal lieber als das Bratpfannengesicht unserer Frau Merkel. Der lässt es sich von diesen kriminellen Möchtegernweltverbesserern verbieten zu rauchen und straft alle medizinischen Grundsätze ab. Wenn man die Vergangenheit der BRD betrachtet, so gewinnt man das Gefühl, dass er der einzige untadelige Politiker war, den diese mittlerweile zur Bananenrepublik verkommene Gemeinschaft hatte.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Peer Steinbrück

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Kurzporträts der SPD-Spitze
REUTERS
Mit 51 Jahren wurde Gabriel, Jahrgang 1959, jüngster Parteichef seit Willy Brandt. In der Großen Koalition war er bis Herbst 2009 Umweltminister und profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen die Atomkraft. Nach dem Wahldesaster der Sozialdemokraten griff er entschlossen nach dem Parteivorsitz. Nach einem starken Start hat seine Autorität zuletzt im Streit um Thilo Sarrazin und die Migrantenquote Schaden genommen. Als natürlicher Kanzlerkandidat gilt er inzwischen nicht mehr.

Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist liiert mit einer Zahnärztin.





TOP



TOP