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K-Frage in der SPD: Schmidt will Steinbrück als Kanzlerkandidaten

Für Altkanzler Helmut Schmidt ist die Antwort auf die K-Frage in der SPD klar: Peer Steinbrück soll es richten. "Er kann es", sagte Schmidt im SPIEGEL-Gespräch. In der Finanzkrise haben die beiden ähnliche Ansichten - und Verständnis für die weltweiten Proteste.

Altbundeskanzler Schmidt (r.) über Ex-Finanzminister Steinbrück: "Er kann es" Zur Großansicht
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Altbundeskanzler Schmidt (r.) über Ex-Finanzminister Steinbrück: "Er kann es"

Hamburg - Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück haben die weltweiten Proteste gegen die Finanzindustrie begrüßt. In einem gemeinsamen Gespräch mit dem SPIEGEL sagte Schmidt: "Dass die jungen Leute sich über ein Wirtschaftssystem ärgern, in dem jedes Maß verlorengegangen ist, finde ich nur allzu verständlich." Steinbrück sagte: "Die Proteste beweisen, dass die ökonomische Krise zu einer gesellschaftlichen Krise wird. Die Bürger zweifeln an der Handlungsfähigkeit der Politik."

Weiter kritisierten die beiden SPD-Politiker das Verhalten der Bundesregierung in der europäischen Staatsschuldenkrise. "Das jetzige Krisenmanagement läuft der Entwicklung hinterher, das kann die Euro-Zone in der Tat in Gefahr bringen", so Steinbrück. Schmidt sagte: "Ich erinnere mich an Interviews von Angela Merkel und leider auch von Wolfgang Schäuble aus dem Frühjahr 2010, in denen sie nicht nur angedeutet, sondern ganz klar gesagt haben: Notfalls müssen wir die Griechen aus dem System hinauskomplimentieren.' Das war eine wenig verantwortungsbewusste Position, die sich nicht lange durchhalten ließ."

Zugleich empfahl der Altkanzler seiner Partei, Steinbrück vor den nächsten Bundestagswahlen zum Kanzlerkandidaten zu küren. "Peer Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann", sagte Schmidt im SPIEGEL-Gespräch.

"Alle Wahlen werden gewonnen in der Mitte"

Für eine Kanzlerkandidatur Steinbrücks spreche nicht zuletzt dessen Anziehungskraft auf Wechselwähler. "Die Wahlen werden nicht etwa am linken Flügel gewonnen, sondern alle Wahlen werden gewonnen in der Mitte", sagte Schmidt.

Steinbrück selbst will sich seit Monaten nicht zu den Spekulationen über eine mögliche Kanzlerkandidatur äußern. "Zwei Jahre vor der regulären Bundestagswahl ist es zu früh, die Debatte zu befeuern. Wenn es so weit ist, wird SPD-Chef Sigmar Gabriel dazu das Notwendige sagen", so der frühere Finanzminister Ende September. Gabriel ist neben Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier einer der parteiinternen Konkurrenten des 64-Jährigen.

In der SPD war zuletzt rund um die Personalie Steinbrück ein Kräftemessen zwischen dem rechten und dem linken Parteiflügel ausgebrochen. Die Parteilinke äußerte vor wenigen Wochen Kritik an einer möglichen Kanzlerkandidatur. "Peer Steinbrück verachtet die Partei und bezeichnet ihre Funktionäre gern als Heulsusen", sagte Juso-Chef Sascha Vogt dem SPIEGEL. Steinbrücks Kandidatur "würde die SPD tief spalten, ein Großteil der Mitglieder stünde nicht hinter ihm", fügte Vogt hinzu. Ähnlich äußerte sich der schleswig-holsteinische SPD-Landeschef Ralf Stegner.

Der konservative Seeheimer Kreis reagierte mit Unverständnis auf die Angriffe gegen Steinbrück. Dieser sei "immer ein guter möglicher Kanzlerkandidat", sagte Seeheimer-Sprecher Johannes Kahrs. Steinbrück gilt als Vertreter des rechten Parteiflügels.

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Forum - Ist Helmut Schmidt immer noch ein politisches Vorbild?
insgesamt 851 Beiträge
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1. Wenige?
ray4901 22.10.2011
Zitat von sysopWenige Politiker genießen in Deutschland in der Welt ein so großes Ansehen wie ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Seine Interviews, seine Bücher und seine Äußerungen zur Tagespolitik erfahren regelmäßig ungeteilte Beachtung, aber Schmidts unerbittliche Kritik wird nicht von allen goutiert. Ist Helmut Schmidt immer noch ein politisches Vorbild?
Wenige? Keine! Er hat sich das schon verdient. Vielleicht ist die Bilanz durch die faktische Abwahl etwas besser ausgefallen, als wenn er die Achtziger hätte durch regieren müssen. Ein parteiunabhängiger Denker und Pilot war er aber schon wie kein zweiter vor und nach ihm.
2. War er das schon einmal?
rafkuß 22.10.2011
Zitat von sysopWenige Politiker genießen in Deutschland in der Welt ein so großes Ansehen wie ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Seine Interviews, seine Bücher und seine Äußerungen zur Tagespolitik erfahren regelmäßig ungeteilte Beachtung, aber Schmidts unerbittliche Kritik wird nicht von allen goutiert. Ist Helmut Schmidt immer noch ein politisches Vorbild?
Wie ich mich erinnern kann, war er der beste CDU-Kanzler, den die SPD je hatte... Aber politisches suchtmittelabhängiges Vorbild? - habe ich da etwas versäumt?
3. H. Schmidt a.D.
Gedankenschreiber 22.10.2011
Einige seiner Äußerungen etwa zur aktuellen Eurokrise oder der Europapolitik der Koalition sind respektabel und zeugen von eingem anderem Verständnis für die "Bedürfnisse der Banken". Jedoch ist es schwierig mit dem Vorbildsein von Politikern, gerade von Ex-Politikern, denn diese agieren in Ihrer nicht mehr politisch aktiven Zeit häufig in ganz anderen Bereichen als vorher und haben auch nicht mehr das Rechtfertigunsbedürfnis vor dem Souverän (dies kann man auch bei aktiven Polikern beobachten). Insofern muss man, wenn man Politiker als Vorbild sehen will immer auch Ihrem Ausprägungsgrand von unabhängiger Meinung im Auge haben. Gerade dieser ist bei den meisten recht gering, weil Sie Mitglied in diversen Vorständen sind.
4. ttt
marant 22.10.2011
Zitat von sysopWenige Politiker genießen in Deutschland in der Welt ein so großes Ansehen wie ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Seine Interviews, seine Bücher und seine Äußerungen zur Tagespolitik erfahren regelmäßig ungeteilte Beachtung, aber Schmidts unerbittliche Kritik wird nicht von allen goutiert. Ist Helmut Schmidt immer noch ein politisches Vorbild?
Hinter dem großen Teich gewiß...Yes we can ... lauten die Lobeshymnen... http://www.nytimes.com/2011/10/22/opinion/will-angela-merkel-wake-up-in-time.html?_r=1&scp=1&sq=helmut%20schmidt&st=cse
5. Schmidt ein Vorbild?
guteronkel 22.10.2011
Zitat von rafkußWie ich mich erinnern kann, war er der beste CDU-Kanzler, den die SPD je hatte... Aber politisches suchtmittelabhängiges Vorbild? - habe ich da etwas versäumt?
Helmut Schmidt war ein Kanzler, wie ihn diese Republik nie wieder sehen wird. Alles was vor ihm da war und alles danach ist nur Abklatsch - billiger Abklatsch. Er war und ist ein Fachmann. In nahezu allen Bereichen. Dies macht es auch aus, dass er immer noch gefragt wird. Und was seine Raucherei betrifft: Der ist mir mit Fluppe im Mund 10 mal lieber als das Bratpfannengesicht unserer Frau Merkel. Der lässt es sich von diesen kriminellen Möchtegernweltverbesserern verbieten zu rauchen und straft alle medizinischen Grundsätze ab. Wenn man die Vergangenheit der BRD betrachtet, so gewinnt man das Gefühl, dass er der einzige untadelige Politiker war, den diese mittlerweile zur Bananenrepublik verkommene Gemeinschaft hatte.
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Kurzporträts der SPD-Spitze
Parteivorsitzender: Sigmar Gabriel
REUTERS
Mit 51 Jahren wurde Gabriel, Jahrgang 1959, jüngster Parteichef seit Willy Brandt. In der Großen Koalition war er bis Herbst 2009 Umweltminister und profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen die Atomkraft. Nach dem Wahldesaster der Sozialdemokraten griff er entschlossen nach dem Parteivorsitz. Nach einem starken Start hat seine Autorität zuletzt im Streit um Thilo Sarrazin und die Migrantenquote Schaden genommen. Als natürlicher Kanzlerkandidat gilt er inzwischen nicht mehr.

Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist mit einer Zahnärztin verheiratet.
Parteivize: Manuela Schwesig
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Manuela Schwesig schaffte in nur sechs Jahren den Aufstieg von der Finanzbeamtin zur SPD-Vizechefin. Frank-Walter Steinmeier pries die 1974 geborene Schwesig einst als "strahlenden Nordstern der SPD". Im Präsidium ist sie für Familienpolitik zuständig und katapultierte sich vor allem während der Verhandlungen um die Hartz-IV-Reform in die Schlagzeilen.

Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann nach Schwerin. Dort engagierte sie sich zunächst in der Kommunalpolitik, bevor sie im Oktober 2008 ins Schweriner Kabinett eintrat - als bundesweit jüngste Landesministerin. Sie ist Mutter eines Sohnes.
Parteivize: Hannelore Kraft
DPA
Kraft, 1961 geboren, ist SPD-Landeschefin und Ministerpäsidentin von Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte Juli 2010 führt sie eine rot-grüne Regierung in Düsseldorf - die ersten beiden Jahre als Minderheitsregierung, seit der Landtagswahl im März 2012 mit einer deutlichen Mehrheit.

Die gelernte Bankkauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin sieht sich selbst als Pragmatikerin, die keinem SPD-Flügel angehört. Auch ohne den typischen Stallgeruch und die übliche Ochsentour machte sie im größten SPD-Landesverband schnell Karriere - zunächst als Europa- und dann bis Mai 2005 als Wissenschaftsministerin. Später wurde sie Fraktionschefin in Düsseldorf. Kraft ist verheiratet und hat einen Sohn.
Parteivize: Klaus Wowereit
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Regierender Bürgermeister von Berlin und schon seit neun Jahren an der Spitze einer rot-roten Koalition. Gilt deshalb - für nicht wenige in der SPD irrtümlich - als Linker sowie als Wegbereiter einer bundesweiten Öffnung zur Linkspartei.

Wowereit, Jahrgang 1953, ist der Senior innerhalb der SPD-Spitze. Gelernter Jurist, passionierter Partygänger, Skat- und Golfspieler. Lebt mit einem Arzt zusammen. Bekanntester Satz, immer noch: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so."
Parteivize: Olaf Scholz
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Bis Herbst 2009 war Scholz, geboren 1958, Bundesarbeitsminister. Aber auch jetzt ist er wieder gut beschäftigt: Im Februar 2011 holte er bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg die absolute Mehrheit und ist seitdem Erster Bürgermeister in der Hansestadt.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht hat in der SPD schon viele Karrierestationen hinter sich: Innensenator in Hamburg, SPD-Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Scholz ist verheiratet mit einer Hamburger SPD-Politikerin.
Parteivize: Aydan Özoguz
DPA
Die Hamburgerin, Jahrgang 1967, mit türkischen Wurzeln hat einen steilen Aufstieg in der SPD hinter sich. Seit 2009 sitzt sie im Bundestag, im Dezember 2011 übernahm sie einen der Posten als Bundes-Vize. Vorher arbeitete sie unter anderem als Intergrationsbeauftragte der SPD-Fraktion. Für Aufsehen sorgte sie 2010 mit dem Appell, die Is­lam­kon­fe­renz von Bun­desin­nen­mi­nis­ter Hans-Pe­ter Friedrich (CSU) zu boy­kot­tie­ren. Sie hatte dem Minister vorgeworfen, einen pauschalen Terrorverdacht gegen Muslime zu unterstellen. Özoguz ist mit einem Hamburger SPD-Politiker verheiratet und lebt in Oldenfelde sowie einer Berliner Dienstwohnung.
Generalsekretärin: Andrea Nahles
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Nahles, geb. 1970, ist schon lange bei der SPD aktiv. Vor ihrer Wahl zur Generalsekretärin war Nahles stellvertretende SPD-Vorsitzende. Einst war sie Chefin der Nachwuchsorganisation Jusos und für kurze Zeit schon einmal als Generalsekretärin vorgesehen: 2005, gegen den Willen von Franz Müntefering, der deshalb nicht mehr Parteichef sein wollte.

Nahles stammt aus Rheinland-Pfalz, sie ist Germanistin und bekennende Katholikin. Liiert ist sie mit einem Bonner Kunsthistoriker.


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