Kaltstart für das Dosenpfand "Schlimmer als Euro-Umstellung"

Das neue Dosenpfand führt zu Verwirrung. Am Neujahrstag verzichteten einige Händler ganz auf das Pfand, andere gaben Pfandmarken aus. In einigen Fällen kam es auch zu Verwechslungen.


Ab heute gibt es 25 Cent Pfand für jede soloche Dose, aber nur gegen den Kassenbon, wie hier an einer Tankstelle im niederrheinischen Neukirchen-Vluyn
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Ab heute gibt es 25 Cent Pfand für jede soloche Dose, aber nur gegen den Kassenbon, wie hier an einer Tankstelle im niederrheinischen Neukirchen-Vluyn

Der Start des Dosenpfandes am Neujahrstag machte vor allem Kiosk- und Tankstellenbesitzern zu schaffen. Schuld daran war in erster Linie das Rücknahmesystem, das bisher nicht einheitlich geregelt ist.

Der Verbraucher muss seit dem 1. Januar für die meisten Getränkedosen und Einwegflaschen Pfand zahlen. Zum Teil werden dafür Pfandmarken ausgegeben, zum Teil wird das Pfand auf dem Kassenbon vermerkt oder es wird noch gar kein Pfand auf Dosen erhoben. Supermärkte und Handelsketten hatten schon in den vergangenen Tagen ihr Dosengetränke-Kontingent abgebaut.

Der Start konzentrierte sich am Neujahrstag auf Kioske und Tankstellen, aber auch einige Supermärkte hatten geöffnet. Einige Tankstellen- und Kiosk-Betreiber befürchteten Umsatzeinbußen und beklagten ihren zusätzlichen Aufwand. "Das ist schlimmer als die Euro-Umstellung", klagte der Betreiber einer SB-Tankstelle in Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg.

Unwissend Pfand nur für Dosen erhoben

Während vor allem die Betreiber von Tankstellen sich mit Murren und Klagen der neuen Pfandpflicht auf Einwegverpackungen fügten, wurden an vielen Kiosken und Imbissen Dosen und Einwegflaschen weiterhin ohne Pfand abgegeben - zumeist aus Unkenntnis.

Dabei wurde der Begriff Dosenpfand mitunter wörtlich genommen: "Das sind ja Flaschen und keine Dosen", sagte die Verkäuferin eines Imbisses im Leipziger Hauptbahnhof, "da brauchen wir auch keinen Dosenpfand verlangen."

Rücknahme-System erst ab 1. Oktober

Weil Industrie und Handel auf einen Wahlsieg der Union und damit auf das Kippen des Dosenpfands gehofft hatten, existiert noch kein einheitliches Rücknahme-System. Es soll allerdings spätestens zum 1. Oktober funktionieren. Bis dahin reagieren die Händler mit unterschiedlichen Lösungen auf die Pfandpflicht und nehmen in der Regel nur im eigenen Geschäft gekaufte Verpackungen zurück.

Die Rücknahme von Hand werde auf Dauer einen riesigen Aufwand bedeuten, hieß es an einer Tankstelle in München. Das Ausstellen der Belege und deren Kontrolle könne "chaotisch" werden. Wo die zurückgebrachten Dosen gelagert werden sollen, wurde vielerorts als großes Problem gesehen. Ein Backshop-Betreiber in der Münchner Innenstadt sagte, er sei zwar auf die Ausstellung der Belege eingerichtet gewesen. Wie er allerdings mit den zurückgebrachten Dosen verfahren solle, wisse er noch nicht. "Entweder werden sie an den Großhändler zurückgegeben - oder sie landen bei mir in der Mülltonne."

Künftig 60 Prozent weniger Dosenverkäufe?

An Tankstellen wird mit einem erheblichen Rückgang des Getränkedosenverkaufs gerechnet. Bisher seien rund 60 Prozent aller Getränke in Dosen über den Ladentisch gegangen, sagte die Einkäuferin einer Tankstelle im schwäbischen Kempten. In Zukunft rechne sie nur noch mit einem Anteil von 30 Prozent. Ein Umsatzrückgang sei dadurch aber nicht zu erwarten. Insbesondere Kunden an Autobahntankstellen waren den Angaben nach "sauer", weil sie die Dosen wieder dorthin zurückbringen mussten, wollten sie das Pfand kassieren.

AP
Ärger gab es über die unterschiedliche Bepfandung der Getränke. Pfand wird auf Einwegverpackungen mit Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken erhoben. Pfandfrei bleiben Spirituosen-Mischgetränke wie Cola-Whisky, Einweg-Verpackungen mit Getränken ohne Kohlensäure sowie Einwegflaschen mit Wein, Sekt oder Spirituosen.

Bis zu 1,5 Liter Inhalt werden 25 Cent fällig, bei größeren Einweg-Getränkeverpackungen 50 Cent. Ein einheitliches Rücknahmesystem haben Handel und Industrie noch nicht aufgebaut. Das hängt offensichtlich auch damit zusammen, dass bis zuletzt um das Dosenpfand bis hin zum Bundesverfassungsgericht gestritten wurde. Das System soll spätestens zum 1. Oktober funktionieren. Bis dahin können Kunden ihr Leergut in der Regel nur in dem Laden zurückgeben, in dem sie die Getränke auch gekauft haben.

In Bayern "Kontrollen mit Augenmaß"

Für die Umsetzung der Verordnung sind die Länder zuständig. Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) hat bereits angekündigt, dass Landratsämter und kreisfreie Städte die Einhaltung der Verpackungsverordnung sicherstellen werden. Dabei sollen sie konsequent, jedoch "mit Augenmaß" vorgehen. Das Pfand soll künftig verhindern, dass der Anteil der Mehrweg-Verpackungen wie in den vergangenen Jahren weiter sinkt.



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