Berlin - Minister Trittin will ungeachtet der Entschuldigung der "Bild"-Zeitung den Presserat anrufen, um die handelnden Redakteure zumindest branchenintern zur Verantwortung zu ziehen. Zudem werde geprüft, ob er auch presserechtlich gegen die Zeitung des Springer-Verlages vorgehen könne, sagte Trittins Sprecher Michael Schroeren. Bisher habe sich die "Bild"-Zeitung nicht bei Trittin persönlich entschuldigt.
Das Blatt hatte am Montag das Bild von Trittin bei einer Demonstration 1994 in Göttingen veröffentlicht und mit zwei Hinweisbalken auf "Bolzenschneider" und "Schlagstock" in den Händen von Demonstranten hingewiesen. Der Artikel dazu trug die Überschrift "Was machte Minister Trittin auf dieser Gewalt-Demo?" In ihrer Mittwoch-Ausgabe stellte die Zeitung klar, dass es sich bei den Gegenständen tatsächlich um "ein Seil sowie einen Handschuh" handelte. Zugleich bittet die Redaktion, "den Fehler zu entschuldigen".
Der falsche Bildtext sei aber "kein Flüchtigkeitsfehler, sondern es wurde mit Vorsatz gehandelt", hielt Schroeren Bild-Chef Kai Dieckmann vor. Er verwies darauf, dass in der am Montag erschienenen Ausgabe des Magazins "Focus" das selbe Bild von Trittin veröffentlicht war. Darauf sei klar zu erkennen, dass der Demonstrant hinter Trittin keinen Schlagstock habe, sondern sich an einem dicken Sicherungsseil festhalte. Auch ein Bolzenschneider sei nicht zu erkennen.
Zweiter Teil einer Kampagne
Offenbar fehle es aber in der verantwortlichen Redaktion noch immer an Sehvermögen, wundert sich Schroeren. Auch der heutige Hinweis auf einen "Handschuh" sei offensichtlich Unsinn. Leicht erkennbar ist vielmehr, dass sich der Demonstrant an dem Dachgepäckträger eines Begleitfahrzeugs festhalte und gar nichts "schwenkt", wie Bild schrieb.
Die manipulierte Bildbeschriftung sei ohnehin schon der zweite Teil der Anti-Trittin-Kampagne bei "Bild", erklärte Schroeren. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Zeitung den Alt-Linken im Ministeramt fälschlicherweise dem Herausgeberkreis der Göttinger Studentenzeitschrift zugerechnet, die 1977 den umstrittenen Schmähnachruf auf den damals ermordeten Generalbundesanwalt Siegfried Buback veröffentlich hatte. Obwohl er den zuvor von der Frankfurter Allgemeinen verbreiteten Irrtum gegenüber einem leitenden "Bild"-Redakteur klargestellt habe, habe diese daran festgehalten und verweigere - anders als die FAZ - den Abdruck einer Gegendarstellung, berichtete Schroeren.
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