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Kampagne gegen Trittin: "Bild" sieht falsch

Von Konstantin von Hammerstein

Durch den Abdruck eines alten Fotos wollte die "Bild-Zeitung" Minister Jürgen Trittin als Mitläufer zwischen bewaffneten Demonstranten entlarven. Doch die von der Zeitung so bezeichneten Waffen sind gar keine.

Artikel in der Bild-Zeitung vom 29. Januar: Trittin zwischen "Schlagstock " und "Bolzenschneider"

Artikel in der Bild-Zeitung vom 29. Januar: Trittin zwischen "Schlagstock " und "Bolzenschneider"

Hamburg - Mit einer falschen Foto-Beschriftung hat die "Bild"-Zeitung in ihrer Montagsausgabe den Eindruck erweckt, Bundesumweltminister Jürgen Trittin habe im Juli 1994 zusammen mit bewaffneten Autonomen demonstriert. Das groß aufgemachte Foto zeigt den damaligen niedersächsischen Landtagsabgeordneten in einer Gruppe Vermummter, die, so "Bild", mit "Schlagstock und Bolzenschneider" gegen die Ermittlungen der Justiz in der linken Szene demonstrierten. Dicke rote Pfeile zeigen auf die angeblichen Tatgegenstände, die auf dem Bildausschnitt nur verschwommen zu erkennen sind.

Die Beschriftung der "Bild"-Redakteure ist offensichtlich frei erfunden: In Wirklichkeit hält einer der beiden vermummten Demonstranten locker ein Seil ("Schlagstock") in der Hand, während sich ein anderer ebenso locker am Dachgepäckträger ("Bolzenschneider") eines VW-Busses festhält. Das geht aus der Foto-Vorlage, Videoaufnahmen von Sat.1, hervor. Gegenüber SPIEGEL ONLINE wollte sich "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann zu dem ungewöhnlichen Vorgang nicht äußern, kündigte aber an, er werde im eigenen Blatt dazu Stellung nehmen und sich für den "Fehler" entschuldigen.

Das Originalfoto: Kein Bolzenschneider und kein Schlagstock, Jürgen Trittin bei der Autonomen-Demo in Göttingen am 16. Juli 1994
SAT.1

Das Originalfoto: Kein Bolzenschneider und kein Schlagstock, Jürgen Trittin bei der Autonomen-Demo in Göttingen am 16. Juli 1994

"Bild", "Welt" und andere Blätter des Springer-Verlags waren in der vergangenen Woche unter erheblichen Druck geraten, nachdem der Bundeskanzler dem Konzern eine gezielte Kampagne gegen die Regierung vorgeworfen hatte. Die neue Führungsmannschaft bei Springer wolle den Verlag "offenkundig" politisch einsetzen. Springer-Zeitungsvorstand Mathias Döpfner hatte daraufhin in einem überlangen "Bild"-Kommentar von der "Kampagne des Kanzlers" geschrieben, mit der Gerhard Schröder "unabhängige Journalisten einschüchtern und mundtot machen" wolle.

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