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Kampagne: Kirchen verdammen Fitnesskult

Das Streben nach Gesundheit - eine Ersatzreligion? Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland warnen vor einem überzogenen Fitnesskult. Sie finden: Gesundheit ist bedeutsam, aber bei weitem nicht das Wichtigste im Leben.

Würzburg - Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland sorgen sich. In einer gemeinsamen Kampagne unter dem Titel "Gesundheit - höchstes Gut?" wenden sie sich gegen Übertreibungen beim Streben nach Fitness und Gesundheit. Das Nachdenken über äußerliches Wohlbefinden und körperliche Fitness nehme inzwischen einen derart breiten Raum ein, dass man bereits von einer "Gesundheitsreligion" sprechen könne, warnten führende Kirchenvertreter in Würzburg.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, kritisierte den "Gesundheitswahn unserer Tage". Gesundheit sei wichtig, aber es sei nicht richtig, sie zum Idol zu machen, mahnte Huber beim ökumenischen Gottesdienst im Kiliansdom der Stadt. "Wo es früher noch um das Heil der Seele ging, geht es heute nur noch um den heilen Körper", beklagte der Bischof.

Krankheit, Leiden und Tod gehörten zum Leben. "Es gibt keine Garantie ewiger Jugend. Und kein Mensch ist immerwährend gesund", sagte Huber.

Der stellvertretenden Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heinrich Mussinghoff, sagte: "Fitness und Wellness - gerne, aber es ist nicht alles." Er forderte: "Achten wir darauf, dass wir nicht zu einem Menschenbild hindriften, das Kranke und Behinderte ausgrenzt."

Der Gesundheitsbegriff soll nach Angaben von Huber und Mussinghoff in den kommenden Monaten mit Informationsveranstaltungen in den 27 Bistümern und 24 evangelischen Landeskirchen hinterfragt werden. In kirchlichen Bildungseinrichtungen seien Diskussionen mit Ärzten und Pflegern geplant, die mit dem wachsenden Anspruchsbewusstsein ihrer Patienten immer häufiger konfrontiert seien.

itz/ddp/dpa

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