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S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Unsere Hassprediger

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Pastor Olaf Latzel aus Bremen: "Schluss mit dem Götzendienst"

Der Papst rechtfertigt die körperliche Züchtigung, in Bremen erregt man sich über einen evangelischen Pastor, weil er zum Glaubenskrieg aufgerufen haben soll. Müssen wir nach dem Islam auch das Christentum fürchten?

Auch Bremen hat jetzt seinen Hassprediger. Der Mann heißt nicht Abdul, sondern Olaf. Er ist kein Imam in einer örtlichen Moschee, sondern ordentlich bestellter Pfarrer in einer Gemeinde in der Innenstadt. Mitte Januar hat Pastor Olaf Latzel dort eine Predigt gehalten, die Bremen über die Glaubenswelt hinaus so nachhaltig erschüttert, dass sich vom Bürgermeister abwärts alle relevanten Vertreter des politischen Lebens eingeschaltet haben.

Latzel hat seine Gemeinde ermahnt, dass es für einen Christenmenschen nur einen Gott geben könne. Also keine Buddha-Statuen mehr auf der Kommode, kein Yoga-Retreat, in dem man im Einklang mit Shiva zu atmen lernt, und auch kein muslimisches Zuckerfest, um seine Verbundenheit mit dem Islam zu demonstrieren. "Wenn ich Christ werde, dann muss Schluss sein mit dem Götzendienst", donnerte er den armen Sünderlein von der Kanzel entgegen. Das reicht in der EKD, um als jemand zu gelten, den man als Seelsorger besser aus dem Verkehr zieht.

Dabei nützt es dem Mann rein gar nichts, dass er auf die Bibel verweisen kann. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, lautet das erste Gebot. So hat es Moses überliefert, als er vom Berg Sinai hinabstieg - so hat es der Herr seinem Volk als Weisung aufgetragen. Egal: Der leitende Theologe der evangelischen Kirche in Bremen spricht von "geistiger Brandstiftung", Latzels Ausführungen seien geeignet, "Gewalt gegen Fremde, Andersgläubige oder Asylbewerber Vorschub zu leisten". Bei Radio Bremen haben sie zum "Aufstand" gegen den "Hassprediger" aufgerufen, sogar die Staatsanwaltschaft ist schon eingeschaltet.

Der westlichen Säkularreligion ist der Spott über Gott heilig

Die Aufregung unter den eigenen Glaubensbrüdern lässt sich schnell erklären: Kaum eine Idee liegt der evangelischen Kirche in Deutschland so am Herzen wie die Ökumene. Statt das Trennende zu betonen, nimmt man lieber in den Blick, was einen mit anderen Religionen verbindet, wozu in jedem Fall schon einmal die erfreuliche Tatsache gehört, dass man sich darauf einigen kann, dass es überhaupt so etwas wie einen Gott gibt. House of One, heißt die aktuelle Variante dieser Form des religiösen Stuhlkreises, die allerdings den offenkundigen Nachteil besitzt, dass sie außerhalb der EKD ein eher verhaltenes Echo findet.

Kein Imam käme auf die Idee, neben Mohammed weitere Propheten als Verkünder des Koran gelten zu lassen, damit sich Andersgläubige besser fühlen. Tatsächlich nimmt der Islam wenig Rücksicht auf die Konkurrenz, wie seine Missionsbemühungen zeigen. Auch der Katholizismus erweist sich als ziemlich stuhlkreisresistent. Zur Bestürzung der übrigen Christenheit hat der Papst gerade daran erinnert, dass leichte Schläge ein Erziehungsmittel sind, mit dem ein guter Vater seine Kinder auf den rechten Weg zurück bringt. Nur weil das Haupt der Weltkirche wie ein liberaler Europäer aussieht, bedeutet das noch nicht, dass er auch wie ein liberaler Europäer denkt.

Es heißt, wir würden in einer säkularen Welt leben, aber das trifft die Sache nur ungenau. Auch das moderne Neuheidentum hat seine Götzen und Kultstätten. An die Stelle des Personals des Alten Testaments sind eine Vielzahl neuer Propheten und Gebote getreten, die nicht weniger Verehrung verlangen als die alten. Der westlichen Säkularreligion ist der Spott über Gott heilig, weshalb sie den Schmerz der Katholiken und Muslime über die Verhöhnung ihres Glaubens nur mit Achselzucken quittiert. Aber wehe, jemand reißt einen Witz über Frauen, Lesben oder Schwule. Dann hört auch hier der Spaß schlagartig auf, und es droht dem Ketzer die soziale Hölle.

Getrieben von der Sehnsucht nach Teilhabe

Wir unterliegen in unseren unerbittlich aufgeklärten Demokratien der Illusion, die Mehrheit der Menschheit würde die westlichen Werte und Anschauungen teilen - oder dort, wo sie es noch nicht tut, doch von der Sehnsucht nach Teilhabe getrieben sein. Aber das ist Ausdruck unserer Hybris. Millionen haben dem Papst auf den Philippinen einen begeisterten Empfang bereitet, nicht obwohl, sondern weil er ihnen sagt, dass für einen Katholiken anstatt der ängstlichen Übervorsorge des Westens das Erziehungsmodell existenziell bedrängter Gesellschaften vorbildlich sei.

Auch der Evangelikale aus Bremen steht mit seinem Glaubensverständnis Menschen, denen es mit ihrer Religion ernst ist, sehr viel näher, als sich das seine Oberen träumen lassen. Es ist bezeichnend, dass sich vor allem die Spitzen der evangelischen Kirche von seiner Predigt herausgefordert sehen. Bei der Konkurrenz begegnet man dem Feuerkopf eher mit Nachsicht; jedenfalls ist bislang kein Imam oder Priester aufgetreten, der an Latzels Ermahnungen zur Glaubenstreue Anstoß genommen hätte.

Die eigentliche Pointe seiner Philippika gegen Götzendienst und Reliquienkult hat allerdings auch der wackere Neo-Lutheraner verpasst. Wo von Ketzerei und Glaubensabfall die Rede ist, kommt es entscheidend darauf an, wer zuerst zum Glauben gefunden hat. Wenn es um die Nachfolge Christi geht, liegt die katholische Kirche uneinholbar vorn. Alles, was danach kommt, ist dann nur noch Häresie.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 336 Beiträge
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1. Danke...
ge1234 10.02.2015
... Herr Fleischhauer, mal wieder alles witzig auf den Punkt gebracht!
2. Bitte
felisconcolor 10.02.2015
ich hab nun nicht wirklich viel für Religion über, aber der Papst hat keineswegs die Prügelstrafe gut geheissen. Er sagt nur das hin und wieder ein Klaps wohl angemessen sei. Und das ist ja wohl meilenweit weg von der Prügelstrafe. Bitte wenn sie sich schon in einem Kommentar äussern, bleiben sie wenigstens bei der Wahrheit. Auch wenn diese vielleicht auslegungsfähig ist. Und EINEN Pfarrer gegen hunderte Hassprediger zu stellen... Ihr macht euch halt die Welt wie sie euch gefällt. Aber die Realität bildet das nicht im geringsten ab. Es ist eher ein nicht gelungener Versuch wirkliches Unrecht welches im Namen einer Weltreligion getan wird zu relativieren. Warum eigentlich?
3. Nicht erst jetzt
teltowlle 10.02.2015
müssen wir das Christentum fürchten. Alle Religionen sind kritisch zu betrachten, sobald sie das Wohnzimmer oder den Hobbyraum verlassen.
4. june29
june29 10.02.2015
Weil sich ja Nachfolge Christi unentrinnbar mit Bezahlen fürs Himmelreich verbindet... ;-)
5. Gott mit uns!
uban1 10.02.2015
Die sanfte! Prügelstrafe mit Hass-Predigten zu vergleichen ist geistig arm. In den westlichen Demokratien dürfen die Pfaffen und Imame fordern was sie wollen, entscheidend und massgeblich für den Einzelnen ist immer noch weltliche und säkulare Gesetz. So lange die säkulare Odnung der kleinste gemeinsame Nenner ist solange sehe ich für eine multi-religiöse Gesellschaft kein Problem, da kann/darf auch der Islam Teil von Deutschland sein.
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