Kampf gegen IS Bundeswehr will offenbar 1200 Soldaten in Syrien-Einsatz schicken

Die Bundeswehr plant laut einem Zeitungsbericht, 1200 Soldaten in den Kampf gegen den "Islamischen Staat" zu schicken - unter anderem für Flugzeuge und auf einem Kriegsschiff. Demnach wäre es der größte aktuelle Auslandseinsatz der Armee.

REUTERS

1200 deutsche Soldaten sollen laut einem Bericht in den geplanten Militäreinsatz gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien geschickt werden. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, gehe von dieser Größenordnung aus, schreibt die "Bild am Sonntag" ("BamS") . Aus militärischer Sicht werde solch eine Truppenstärke für den Betrieb der Flugzeuge und der Fregatte benötigt. Damit wäre die Mission laut dem Blatt der größte aktuelle Auslandseinsatz der Bundeswehr.

Die Bundesregierung hatte vergangene Woche angekündigt, mit "Tornado"-Aufklärungsjets und einem Kriegsschiff in den Kampf gegen die Terrormiliz ziehen zu wollen. Auch ein Tankflugzeug und Satellitenaufklärung will Deutschland stellen. Der Bundestag will bereits kommende Woche über den Einsatz beraten, eine Parlamentsmehrheit mit den Stimmen der Koalition aus SPD und Union gilt als sicher. Der französische Präsident François Hollande hatte sich als Reaktion auf die Terroranschläge von Paris an die USA, Großbritannien, Italien, Russland und Deutschland gewandt, um einen gemeinsamen Kampf gegen den IS zu organisieren.

Der Einsatzbeginn könne "sehr rasch nach Mandatierung erfolgen", sagte Generalinspekteur Wieker der "BamS". Die Bundesregierung strebe ein Mandat noch in diesem Jahr an. Die Bundeswehr kann den Einsatz demnach lange durchhalten. "Über die Dauer des Einsatzes entscheidet die Politik. Militärisch sind wir durchhaltefähig." Für den Einsatz werde die Luftwaffe vier bis sechs Tornados bereitstellen können, um sie überlappend einzusetzen.

Dabei ist immer noch unklar, wie sich eine wie auch immer geartete Anti-IS-Koalition aufstellt und organisiert. Denn während Russland zum syrischen Regime des Despoten Baschar al-Assad steht und diesen aktiv und inzwischen auch mit Bodentruppen unterstützt, wollen unter anderem die USA unbedingt einen Machtwechsel in dem vom Bürgerkrieg zerstörten Land.

Trotzdem verhandelt die Bundeswehr laut "BamS" bereits darüber, wo die Aufklärungsflieger stationiert werden können: "Dazu führen wir gegenwärtig Gespräche mit der Türkei und Jordanien über die Luftwaffenstützpunkte Incirlik und Amman", sagte Wieker dem Blatt. Die größte Gefahr für die Piloten droht demzufolge durch Beschuss vom Boden.

Der Luftkrieg gegen den IS wird bisher unter anderem von den USA, Frankreich, Russland und arabischen Staaten geführt. Eine deutsche Beteiligung an den Bombardements schließt der Generalinspekteur laut dem Bericht derzeit aus: "Militärisch sinnvoll ist das, was benötigt wird. In diesem Fall ist es unsere Aufklärungsfähigkeit." SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold sagte vergangene Woche jedoch: Es mache "ethisch keinen Unterschied, ob man Ziele definiert oder die Ziele bekämpft".

Zur inzwischen auch von Frankreich erwogenen Zusammenarbeit mit den Truppen des syrischen Diktators Assads sagte Wieker laut "BamS": "Allein aus dem militärischen Blickwinkel ist alles, was den IS bekämpft, von Nutzen."

apr

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