Berlin - Für Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist es ein "Meilenstein im Kampf gegen den Rechtsextremismus": Der Bundestag hat mit den Stimmen von Union, FDP und SPD die Einführung der Neonazi-Verbunddatei beschlossen. In ihr werden alle Informationen über gewaltbereite Rechtsextremisten zentral gespeichert. Das soll nach den Ermittlungspannen bei der Mordserie der Zwickauer Terrorzelle den Informationsaustausch zwischen Polizeibehörden und Verfassungsschutzämtern von Bund und Ländern verbessern.
Alle Rechtsextremisten, die zu Gewalt aufrufen oder diese unterstützen, sollen zentral erfasst werden. Gespeichert werden zudem Informationen über Kontaktpersonen, mutmaßliche Hintermänner oder Drahtzieher. Auf Grunddaten wie Name, Anschrift und Geburtsdatum können die Ermittler immer zugreifen. Weitere Angaben, etwa Kontonummern und Telefonanschlüsse, sollen die Fahnder erst nach einem entsprechendem Antrag erhalten.
Die Datei ermögliche die systematische Aufarbeitung von Informationen und schließe subjektive Ermessensspielräume aus, sagte Friedrich. Widerstand gegen das Gesetz kam von der Linken und den Grünen, die verfassungsrechtliche Bedenken äußerten. Der Grünen-Innenexperte Wolfgang Wieland kritisierte, im Eilfall könne die gesetzlich verbriefte Trennung von Polizei und Nachrichtendiensten aufgehoben werden. Zudem sei die Gefahr viel zu groß, fälschlich als Kontaktperson aufgenommen zu werden. Ulla Jelpke von der Linken warnte vor einer "umfassenden Schnüffeldatei", die auch auf Antifaschisten ausgeweitet werden könne.
fdi/dpa/dapd
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