Kampf gegen Rechtsextreme: Friedrich eröffnet Neonazi-Datei

Mit verbesserter Kommunikation will Innenminister Friedrich gegen Rechtsextreme vorgehen. In Berlin gab er den Startschuss für eine neue Neonazi-Datei. Damit soll die Kooperation zwischen Bund und Ländern optimiert werden. Doch es gibt Zweifel am Nutzen.

Bundesinnenminister Friedrich: "Meilenstein unserer Sicherheitsbehörden" Zur Großansicht
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Bundesinnenminister Friedrich: "Meilenstein unserer Sicherheitsbehörden"

Berlin - Vor elf Monaten ist die rechtsextreme Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) aufgeflogen - und mit ihr zahlreiche grobe Fehler bei den Ermittlungen. Nun hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) eine Datei in Betrieb genommen, in der Bund und Länder ihre Informationen zu Rechtsextremisten zusammenführen.

Die Rechtsextremismus-Datei sei ein "Meilenstein in der Zusammenarbeit unserer Sicherheitsbehörden", sagte Friedrich am Mittwoch in Berlin. In die Datei sollen insgesamt 36 Polizei- und Geheimdienstbehörden von Bund und Ländern ihre Kenntnisse über Rechtsextremisten einspeisen, um einen besseren Datenaustausch zu ermöglichen.

Hintergrund sind die Ermittlungspannen im Zusammenhang mit der Mordserie des NSU, die zum Teil auf einen mangelhaften Informationsaustausch der Behörden untereinander zurückgeführt werden.

In der neuen Datei sollen die Sicherheitsbehörden ihre Informationen über "gewaltbezogene" Rechtsextremisten eintragen und anderen Behörden zugänglich machen. "Ein Mausklick genügt jetzt, um eine bestimmte Person ausfindig zu machen", sagte Friedrich.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Oppositionspolitiker halten die Datei für keinen großen Wurf. Die Einrichtung sei überfällig gewesen, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Michael Hartmann. "Es muss noch viel mehr geschehen."

"Datei ist kein Allheilmittel"

Die Linken-Politikerin Petra Pau kritisierte, die Datei klinge besser, als sie sei. Im Fall NSU hätte sie nichts genützt, selbst wenn sie schon in Betrieb gewesen wäre. "Denn die Ermittler hatten alle Welt im Visier, nur die Nazi-Szene nicht", so Pau. Auch die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz mahnte: "Eine Datei ist kein Allheilmittel." Die Probleme der Sicherheitsarchitektur blieben bestehen und müssten angegangen werden.

Der Gewerkschaft der Polizei geht die Datenspeicherung nicht weit genug. Eine rechte Gesinnung reiche nicht aus, um in der Datei aufzutauchen, kritisierte Gewerkschaftschef Bernd Witthaut im ZDF.

An der Datei sind drei Dutzend Behörden beteiligt: das Bundeskriminalamt (BKA), das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), der Militärische Abschirmdienst, die Bundespolizei sowie jeweils 16 Landeskriminalämter und Landesämter für Verfassungsschutz. In der Datei dürfen ausschließlich Daten zur Bekämpfung des "gewaltbezogenen Rechtsextremismus" gespeichert werden.

jok/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
KarlFaktor48 19.09.2012
Zitat von sysopMit verbesserter Kommunikation will Innenminister Friedrich gegen Rechtextreme vorgehen. In Berlin gab er den Startschuss für eine neue Neonazi-Datei. Damit soll die Kooperation zwischen Bund und Ländern verbessert werden. Doch es gibt Zweifel am Nutzen. Kampf gegen Rechtsextreme: Friedrich eröffnet Neonazi-Datei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,856777,00.html)
Was kommt danach, Linksextreme-Datei, Salafisten-Datei, Evangelisten-Datei?? Wer kümmert sich eigentlich in so einem Fall um Datenschutz?
2. Ich finde, das macht Sinn
h0wkeye 19.09.2012
Zitat von sysopMit verbesserter Kommunikation will Innenminister Friedrich gegen Rechtextreme vorgehen. In Berlin gab er den Startschuss für eine neue Neonazi-Datei. Damit soll die Kooperation zwischen Bund und Ländern verbessert werden. Doch es gibt Zweifel am Nutzen. Kampf gegen Rechtsextreme: Friedrich eröffnet Neonazi-Datei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,856777,00.html)
Wenn man sieht, wie im NSU-Fall Daten Dokumente teilweise vernichtet wurden und stückweise geliefert werden, dann hat so eine Zentraldatei den Vorteil, dass man mit einem oder zwei Klicks einen ganzen Fall löschen kann, sodass diese unangenehmen Untersuchungsausschüsse nicht mehr sein müssen.......
3.
achim-bonn 19.09.2012
Zitat von KarlFaktor48Was kommt danach, Linksextreme-Datei, Salafisten-Datei, Evangelisten-Datei?? Wer kümmert sich eigentlich in so einem Fall um Datenschutz?
Das hilft auch nicht weiter. Das ist nur ein rumdoktorn an den Sympthomen. Die Zustände in diesem Land verursachen doch erst, daß junge Menschen in den Rechtsextremismus rutschen und da sollte der Staat Teile seiner Politik überdenken und an verschiedenen Stellen korrigieren. Andernfalls sind diese jungen Menschen für unsere demokratische Gesellschaft auf Dauer verlohren.
4. Längst überfällig
hubertrudnick1 19.09.2012
Zitat von sysopMit verbesserter Kommunikation will Innenminister Friedrich gegen Rechtextreme vorgehen. In Berlin gab er den Startschuss für eine neue Neonazi-Datei. Damit soll die Kooperation zwischen Bund und Ländern verbessert werden. Doch es gibt Zweifel am Nutzen. Kampf gegen Rechtsextreme: Friedrich eröffnet Neonazi-Datei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,856777,00.html)
Eine Zusammenarbeit der Behörden und Dienste ist längst überfällig, dass hätte man schon zu Beginn der Bundesrepublik machen müssen, aber damals hatte man ja nur ein Auge auf alles was links stand. Die deutschen Behörden sind nach wie vor zu rechtslastig, selbst bei der Bereitstellung der Unterlagen für den Untersuchungsausschuß wird getrickst und getäuscht, diese Behörden und verantwortliche Politiker nehmen nach wie vor das Grundgesetz nicht ernst. Ich bezweifel das es von nun an besser wird und das man gemeinsame Sache macht, vielleicht ja, aber dann nur am vertuschen.
5. Coole
warzenmeissel 19.09.2012
taz-Headline: "Versager vernetzen sich"
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  • Mittwoch, 19.09.2012 – 15:47 Uhr
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