Reaktion auf Kandel Kinderärzte lehnen Alterstests für junge Flüchtlinge ab

Generelle Altersbestimmungen für minderjährige Flüchtlinge? Deutschlands Kinder- und Jugendmediziner halten das für kaum umsetzbar: zu ungenau, zu aufwendig.

Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz (Archivbild)
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Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz (Archivbild)


Der Verband der Kinder- und Jugendärzte stemmt sich gegen politische Forderungen, Altersangaben minderjähriger Flüchtlinge obligatorisch zu überprüfen.

"Ein solches Vorgehen ist medizinisch schwierig und organisatorisch kaum zu bewältigen", sagte der Präsident des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Röntgenuntersuchung von Handknochen sei nicht exakt. Es bleibe ein Alterskorridor von etwa zwei Jahren zu berücksichtigen. In Grenzfällen müsse zur Klärung der Volljährigkeit zusätzlich eine entwicklungspsychologische Einschätzung erfolgen, gegebenenfalls unter Heranziehung eines Dolmetschers. "Als niedergelassene Ärzte sind wir froh, wenn wir unsere regulären Patienten versorgt bekommen", verwies Fischbach auf den damit verbundenen Aufwand.

Auslöser der Debatte war der Fall im rheinland-pfälzischen Kandel, wo ein angeblich minderjähriger Flüchtling seine 15-jährige Ex-Freundin getötet haben soll. Der Kreis Kandel hatte schnell ausgeschlossen, dass der mutmaßliche Täter volljährig sein könnte. Nun soll das Alter aber trotzdem ärztlich festgestellt werden.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich für Alterstests bei Flüchtlingen ausgesprochen, wenn deren Alter nicht mittels eindeutiger Dokumente nachgewiesen werden kann. Diese Test werden in einigen Fällen bereits durchgeführt.

cht/dpa



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