Nach tödlicher Attacke auf 15-Jährige Rechte und linke Gruppen demonstrieren in Kandel

Vor zwei Monaten starb in Kandel eine 15-Jährige bei einem Messerangriff. Der mutmaßliche Täter: ein Flüchtling. Rechte und linke Demonstranten sind nun auf die Straße gezogen - für und gegen die deutsche Flüchtlingspolitik.

Demonstrationen in Kandel
DPA

Demonstrationen in Kandel


Gut zwei Monate nach dem tödlichen Messerangriff auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel sind dort Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Das Mädchen soll von ihrem Ex-Freund, einem afghanischen Einwanderer, mit einem Küchenmesser getötet worden sein. Etwa 4500 Menschen nahmen an teils rechts-, teils linksgerichteten Versammlungen teil, wie die Polizei mitteilte.

Ein Protestzug unter dem Motto "Kandel ist überall" richtete sich gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Auf einem Parkplatz nahe des Ortsausgangs sammelten sich die Teilnehmer zu Beginn des Protests.

"Wir Mütter haben keine Kinder bekommen, um sie von den Merkel-Gästen schänden oder abschlachten zu lassen", dröhnte es aus einem Lautsprecher. Zur Teilnahme an der Demo hatte auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Thomas Seitz aufgerufen.

Ein Teilnehmer habe einen Beamten mit einem Fußtritt verletzt, erklärte die Polizei. Gegen den Angreifer sei Pfefferspray eingesetzt und ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet worden.

Nicht weit entfernt formierten sich die Gegendemonstranten unter dem Motto "Wir sind Kandel". Dazu zählten örtliche Vereine, Initiativen, Gewerkschaften, Parteien und Kirchengemeinden. "Kandel ist weltoffen, freundlich und hilfsbereit. Die missbrauchen unsere Stadt für diese Scheiß-Propaganda", schrie eine Frau von einem Lautsprecher-Wagen des Bündnisses.

Die Polizei teilte mit, dass rund 80 Teilnehmer einer Spontan-Demonstration des linken Spektrums nach intensivem Gespräch mit den Beamten sich schließlich einem größeren Protestzug angeschlossen hätten.

Auseinandersetzungen zwischen Protestlern

Zwischen den Demonstranten soll es zu Auseinandersetzungen gekommen sein, sagte ein Polizeisprecher. Größere Störungen hätten aber verhindert werden können. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften vor Ort.

Am 27. Dezember soll der afghanische Asylbewerber seine 15-jährige Ex-Freundin erstochen haben. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor - bisher schweigt er zu den Vorwürfen. Er kam im Frühjahr 2016 unbegleitet nach Deutschland.

Der Beschuldigte gab an, zur Tatzeit erst 15 Jahre alt gewesen zu sein. Laut einem medizinischen Gutachten ist er der Staatsanwaltschaft Landau zufolge jedoch wahrscheinlich etwa 20 Jahre alt. Die Messerattacke in Kandel löste bundesweit Entsetzen und politische Debatten über Alterstests bei jungen Flüchtlingen aus.

SPIEGEL TV Magazin über Altersschwindel bei Flüchtlingen

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ans/dpa/AFP



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