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Kandidat für Bellevue Gezähmter Wulff im goldenen Käfig

Bundespräsidenten-Kandidat Wulff: Er wollte es werdenZur Großansicht
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Bundespräsidenten-Kandidat Wulff: Er wollte es werden

2. Teil: Der Präsident ist abgeschirmt - und ungefährlich

Warum aber hat Merkel ihre Arbeitsministerin nicht durchgesetzt?

Aus Sicht der Parteichefin erscheint die Nominierung logisch: Wulff ist in den Augen Merkels nicht irgendwer. Sie weiß, dass im November der nächste CDU-Bundesparteitag ansteht, auf dem die gesamte Führung unter Einschluss des Generalsekretärs neu gewählt werden muss.

Wulff wäre der einzige, der Merkel dort oder auch später gefährlich werden könnte. Er war bisher die unausgesprochene Nummer zwei in der Partei, auch wenn Merkel wenig dazu tut, ihre vier stellvertretenden Parteivorsitzenden in eine Gesamtverantwortung einzubinden. Sollte Wulff nun Bundespräsident werden, wäre sein direkter Einfluss deutlich geschmälert.

Es war außerdem weniger der jetzt in den Medien vermutete Druck der Ministerpräsidenten. Wulff selbst dürfte entsprechende Signale gesendet haben. Merkel wird gewusst haben, dass der Niedersachse großes Interesse am Präsidentenamt hat. Vieles spricht dafür, dass er das selber der Kanzlerin gegenüber kundtat. Da passt es gut ins Bild, dass Wulff in seiner eigenen Landtagsfraktion Amtsmüdigkeit nachgesagt wird - trotz seiner pausenlosen Beteuerungen, er wolle im Lande bleiben. Für Wulff dürfte es außerdem schwierig werden, an seine bisherigen Wahlerfolge in Niedersachsen anzuknüpfen, zumal bei Landtagswahlen häufig die Parteien abgestraft werden, die im Bund an der Regierung sind.


Die Tatsache, dass er das Amt des niedersächsischen Parteivorsitzenden an McAllister übergeben hat, haben viele als Botschaft dafür gewertet, dass Wulff - ähnlich wie dem fast gleichaltrigen Koch - das Land langsam zu klein und eng wird. Der abrupte Abgang von Köhler eröffnete ihm nun eine überraschende neue Perspektive.

Vielleicht mag ihn sogar die Aussicht, dass das Schloss Bellevue ein großer, goldener Käfig ist, gereizt haben. Eine lebenslange Rundumversorgung ist ihm sicher, Dienstwagen und Fahrer und ein Büro bis zum Lebensende. Das Gehalt als Bundespräsident - dieser verdient deutlich mehr als der Bundeskanzler - wird auch im Ruhestand nicht gekürzt. Im Präsidialamt geht es höfisch zu, was dazu führt, dass der Präsident ziemlich abgeschirmt ist. Wulff wird bald feststellen müssen, dass der Präsident wegen seiner repräsentativen Rolle weitgehend aller politisch-operativer Aufgaben enthoben ist.

Faktisch kann er Merkel damit nicht mehr gefährlich werden, insbesondere innerhalb der CDU. Er muss parteineutral sein, kann auf die aktuelle Politik kaum einwirken - außer durch Reden, Reden, Reden. Nur in Ausnahmefällen, etwa in politischen Krisen, kommt es operativ auf die Entscheidung des Präsidenten an.

Köhler ging als Bundespräsident mit einem positiven Merkel-Bild ins Amt, zumal 2004 noch eine rot-grüne Koalition herrschte. Wulff dürfte eher ein düsteres Merkel-Bild haben. Trotzdem dürfte der alte Routinier kaum die Probleme bereiten, die Horst Köhler sowohl der rot-grünen, der Großen Koalition als auch der schwarz-gelben Koalition machte. Dafür ist Wulff zu sehr Veteran des Politikbetriebs.

Seit dem ersten Wettkampf zwischen Horst Köhler und Gesine Schwan 2004 hat sich so etwas wie ein Wahlkampf der Präsidentschaftskandidaten entwickelt. Mit Interesse wird zu sehen sein, wie sich Christian Wulff in manchen Diskussionen mit dem meinungs- und formulierungsstarken von den Grünen und der SPD als Kandidaten nominierten Joachim Gauck schlagen wird. Aber die besseren Chancen hat zweifelsfrei Christian Wulff.

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insgesamt 2689 Beiträge
unelcoendesa 03.06.2010
Wenn schon zwischen den beiden gewählt werden soll, dann bitte Gauck.
Wenn schon zwischen den beiden gewählt werden soll, dann bitte Gauck.
Gauck.
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
Gauck.
Izmir.Übül 03.06.2010
Gauck natürlich! Deshalb wird's wohl auch Wulff werden.
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
Gauck natürlich! Deshalb wird's wohl auch Wulff werden.
eikfier 03.06.2010
....Mann Gottes, ist das ein Durchgang hier, diesen Streß halte ich nicht mehr lange durch, muß erst mal austreten...
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
....Mann Gottes, ist das ein Durchgang hier, diesen Streß halte ich nicht mehr lange durch, muß erst mal austreten...
lulaga 03.06.2010
Denkt eigentlich jemand auch daran wie lange wir Steuerzahler für Wulff zahlen müssen, wenn dieser Präsident wird? Läuft es so wie bei Köhler, dann kann er mit 56 Jahren die Beine hochlegen. Im Übrigen ist es mir ein Rätsel was [...]
Denkt eigentlich jemand auch daran wie lange wir Steuerzahler für Wulff zahlen müssen, wenn dieser Präsident wird? Läuft es so wie bei Köhler, dann kann er mit 56 Jahren die Beine hochlegen. Im Übrigen ist es mir ein Rätsel was den guten Mann aus Niedersachsen, der außer Osnabrück und Hannover noch nichts gesehen hat, auszeichnet solch ein repräsentatives Amt zu bekleiden. Weltmännisch ist anders!
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Zum Autor
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Gerd Langguth, Jahrgang 1946, unterrichtet Politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Er ist ehemaliges Mitglied des Bundestages und des CDU-Parteivorstandes. Von 1988 bis 1993 leitete er die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. Eine Biografie über Horst Köhler veröffentlichte er 2007.


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Procedere nach Köhlers Rücktritt
dpa
Der Nachfolger von Bundespräsident Horst Köhler wird am 30. Juni gewählt. In Artikel 54 Absatz 4 des Grundgesetzes ist festgehalten, dass die Bundesversammlung bei vorzeitiger Beendigung einer Amtszeit des Bundespräsidenten spätestens 30 Tage nach diesem Zeitpunkt zur Wahl zusammentritt.

Der deutsche Bundespräsident
AFP
Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz weist dem obersten Repräsentanten zwar viele Aufgaben zu, aber deutlich weniger politische Befugnisse als etwa in Präsidialdemokratien wie Frankreich oder den USA. Er soll sein Amt unparteiisch führen, ist jedoch nicht auf repräsentative Aufgaben beschränkt.



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