Kandidatensuche Voscherau lässt Hamburgs SPD abblitzen

Das Hoffen auf den Altmeister war vergebens: Henning Voscherau lehnt es ab, als Spitzenkandidat der SPD bei der Bürgerschaftwahl gegen Amtsinhaber Ole von Beust anzutreten. Seine Frau habe ihm abgeraten. Seine Familie fürchte, er "werde als nächster verheizt".


Hamburg - Voscherau, 65, ließ am Abend vom amtierenden Parteivorsitzenden Mathias Petersen eine Erklärung verlesen, in der er sowohl politische als auch familiäre Gründe für seinen Verzicht auf eine Kandidatur angab. Er wolle nicht "als nächster verheizt" werden, hieß es darin. "Meine Frau riet mir ab", erklärte Voscherau.

Voscherau: Der Altmeister mag nicht
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Voscherau: Der Altmeister mag nicht

Voscherau war bereits von 1988 bis 1997 Erster Bürgermeister in der Hansestadt. Erst am 6. Mai 2006 habe er auf Druck der Partei auf eine Spitzenkandidatur verzichtet, schrieb Voscherau in dem Brief. Er glaube deshalb nicht, dass die Unterstützung in der Partei jetzt von Dauer sei. Zudem sei seine Familie entsetzt über die Abläufe in der vergangenen Woche.

Damit müssen die hanseatischen Genossen bei der Suche nach einem Herausforderer von Beusts von vorne anfangen. Die zerstrittene SPD in Deutschlands zweitgrößter Stadt war sich zuvor ausnahmsweise einig gewesen. Alle sieben Kreischefs hätten sich für Altbürgermeister Voscherau ausgesprochen, hieß es aus Parteikreisen.

Die SPD werde sich nun auf die Suche nach einem anderen Kandidaten machen, sagte Landesgeschäftsführer Walter Zuckerer. Es werde nun weiter beraten und sondiert. Sowohl in Hamburg als auch bundesweit gebe es mehrere geeignete Kandidaten. Die Entscheidung Voscheraus sei mit einer "gewissen Bestürzung" in der Partei aufgenommen worden.

Enttäuschung auch bei der so genannten Findungskommission, die einen Kandidaten suchen sollte. "Wir hatten auf die Zustimmung von Dr. Voscherau gehofft", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Petersen und seiner Rivalin Dorothee Stapelfeldt. "Alle Mitglieder der Findungskommission bedauern die Entscheidung zutiefst. Gleichwohl gilt es, die Entscheidung zu respektieren und nach vorn zu blicken. Der Landesparteitag findet wie geplant am 24. März statt. Die Hamburger SPD wird mit vereinten Kräften bis dahin eine Lösung präsentieren."

Der SPD-Landesvorstand war in der vergangenen Woche nach einer fast achtstündigen Krisensitzung geschlossen zurückgetreten. Bei einer Kampfabstimmung um die Spitzenkandidatur für die Bürgerschaftswahl 2008 waren zuvor rund 1000 Briefwahlzettel verschwunden. Auf einem Landesparteitag am 24. März sollen eine neue Parteiführung gewählt und ein Bürgermeisterkandidat nominiert werden.

Petersen hatte danach auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz und als Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl 2008 verzichtet. "Ich hoffe, dass Henning Voscherau die schwere Aufgabe übernimmt, die Partei in den Wahlkampf zu führen", sagte Petersen der "Bild-Zeitung. Der 51-Jährige bestätigte demnach, dass mit dem früheren Bürgermeister Voscherau Gespräche geführt würden, um diesen zu einer Kandidatur zu bewegen.

Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hatte sich optimistisch gegeben. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Hamburger Genossen bei einer Lösung für die Spitzankandidatur 2008 "unmittelbar vor dem Durchbruch" stünden, sagte er in Berlin. Der Weg für einen Neuanfang sei frei. Die SPD habe bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 2008 durchaus gute Chancen.

Wahrscheinlich hatte er da noch Voscherau auf dem Zettel. Dass ein anderer SPD-Kandidat gegen den beliebten von Beust Chancen hat, erscheint momentan nur schwer vorstellbar.

als/dpa/AP/ddp



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