Merkel zu irischen Bankern: "Dafür habe ich nur Verachtung"

In Dublin sind sie seit Tagen Stadtgespräch, nun rufen die skandalösen Telefonmitschnitte der Anglo-Irish-Banker auch Kanzlerin Merkel auf den Plan: Auf dem EU-Gipfel warnte sie vor einer "Schädigung der Demokratie".

Brüssel - Angela Merkel ist im Wahlkampf. Da kann sie auch schon mal deutlicher werden, mag sie gedacht haben - vor allem, wenn es um skrupellose Banker geht. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel knöpfte sich die Kanzlerin Donnerstagnacht die früheren Top-Manager der irischen Pleitebank Anglo Irish vor, die in internen Telefongesprächen unter anderem auf die "Scheißdeutschen" geschimpft und "Deutschland, Deutschland über alles" gesungen hatten.

Gefragt von einem irischen Journalisten, was sie über die Anfang der Woche veröffentlichten Tonmitschnitte denke, überlegte Merkel nur kurz. Es gebe da ein Theaterstück in Berlin, in dem auch anonyme Zitate von Bankern zu hören seien, sagte Merkel. Die Tonalität scheine "bankenübergreifend" die gleiche zu sein. Sie meinte offenbar das Stück "Das Himbeerreich" von Andres Veiel.

Der Ton dieser Banker sei für normale Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gingen und ihre Steuern zahlten, nur schwer zu verkraften, sagte Merkel. Ein solches Verhalten sei "eine richtige Schädigung der Demokratie". Und sie fügte hinzu: "Dafür habe ich wirklich nur Verachtung."

Der "Irish Independent" hatte am Montag Telefonmitschnitte von Gesprächen zwischen mehreren Top-Managern der Anglo Irish Bank aus dem Jahre 2008 veröffentlicht (hören Sie die Mitschnitte hier). Die Gespräche spiegelten die Stimmung in der Führungsetage der damals drittgrößten Bank des Landes wider, bevor sie im Januar 2009 verstaatlicht wurde.

Mit den "Scheißdeutschen" meinten sie die deutschen Sparer, die ihr Geld auch nach der staatlichen Bankengarantie in Irland noch bei Anglo Irish anlegten. Den Bankchefs war damals schon klar, dass ihr Institut zum Milliardengrab werden würde: Die sieben Milliarden Euro Nothilfe, die das angeschlagene Geldhaus von der Regierung forderte, werde man "zurückzahlen, wenn wir das Geld haben... also nie", sagte der zuständige Abteilungsleiter am Telefon zu einem Kollegen.

Mit dem tatsächlichen Kapitalbedarf der Bank habe die Summe ohnehin nichts zu tun, er habe sie sich "aus dem Arsch gezogen", sagte er. Offen redeten sie auch über ihre Strategie: Der Staat werde nach der ersten Zahlung immer tiefer in die Bankenrettung rutschen und Geld nachlegen.

Inzwischen hat Irlands Ministerpräsident Enda Kenny eine Untersuchung angekündigt, die klären soll, warum die Banker trotz der offensichtlich hoffnungslosen Lage ihres Hauses riesige Staatshilfen erhielten.

cvo/ade

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insgesamt 145 Beiträge
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1. Wie gut muß Frau Merkel sein,wenn sie von solchen Bankern
analyse 28.06.2013
kritisiert wird ! Warum nur die Reaktion der Kanzlerin,zumal es auch ums Ausland geht,mit dem Hinweis auf den Wahlkampf versehen wird,ist wieder typisch!
2. Verachtung, soso ...
Pinin 28.06.2013
Und trotzdem wird Murksel - jetzt voller Verachtung - den Bankstern weiterhin unbegrenzt die Ersparnisse der deutschen in den Rachen werfen. Vielen Dank.
3. Höchste Zeit, Politiker zu wählen, die Europa den Allerwertesten zeigen,
Privatier 28.06.2013
Zitat von sysopIn Dublin sind sie seit Tagen Stadtgespräch, nun rufen die skandalösen Telefonmitschnitte der Anglo-Irish-Banker auch Kanzlerin Merkel auf den Plan: Auf dem EU-Gipfel warnte sie vor einer "Schädigung der Demokratie". Kanzlerin Angela Merkel kritisiert Ex-Manager der Anglo Irish Bank - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kanzlerin-angela-merkel-kritisiert-ex-manager-der-anglo-irish-bank-a-908285.html)
und ihr Gesicht endlich wieder unserem Land zuwenden - um es "in der Tonqualität der Banker" zu formulieren. Fr. Merkels Reaktion, jetzt lediglich die Verbrecher zu verachten genügt nicht einmal ansatzweise und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht einmal nachhaltige Wirkung zeigen: Schreit Europa wieder nach Geld, wird unsere teuerste Kanzlerin gewiß wie bereits bestens gewohnt wieder eine der ersten sein, die von Deutschen Arbeitnehmern und Steuerzahlern erarbeitete Werte tonnenweise über die Grenzen unseres Landes verschieben und quer über Europa verschwenden wird. Und ebenso gewiß wird Fr. Merkel dies dann wieder als "völlig alternativlos" erklären. Unser Land noch länger von einer Obrigkeit zugrunde regieren zu lassen, die die Rundumversorgung Europas über das Wohl der Deutschen erhebt, dürfte die unsere Demokratie am gefährlichsten bedrohende Wahlentscheidung bei der nächsten Bundestagswahl sein. Auch zum Erhalt unserer unter größten Opfern selbstgefälligen und gewissenlosen Obrigkeiten abgerungenen demokratischen Freiheit in unserem Land ist es dringend erforderlich, jetzt eine Alternative Für Deutschland zu wählen, anstatt diejenigen, die inzwischen kaum noch zu zählende Male versagt haben, die Interessen Deutscher Bürger angemessen zu vertreten und zu wahren, erneut in den Sattel zu heben. MfG
4. Nun
geisterfahrerii 28.06.2013
Nun hat auch unsere Bundes - Angie mitbekommen, was die anderen Europäer von uns halten. Der Versuch, sich Freunde kaufen zu wollen, funktioniert halt einfach nicht.
5. ...
mr.brand 28.06.2013
die sitzt auch jeden Tag zu Hause und denkt sich - Hmm - was hätte der Dicke denn jetzt gesagt...
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Fläche: 70.182 km²

Bevölkerung: 4,588 Mio.

Hauptstadt: Dublin

Staatsoberhaupt:
Michael D. Higgins

Regierungschef: Enda Kenny

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