Kanzlerin Merkel in Wien Erster Auslandsbesuch mit Ehemann

Angela Merkel ist zum Auftakt der EU-Präsidentschaft Österreichs nach Wien gereist - mit ihrem Ehemann. Es war das erste Mal seit dem Amtsantritt der Kanzlerin, dass Joachim Sauer seine Frau auf einer politischen Auslandsreise begleitete.


Wien - Das Erscheinen Joachim Sauers erregte einiges Aufsehen: Denn der Wissenschaftler ist als publikumsscheu bekannt. Der Termin heute war allerdings halbprivat, Sauer besuchte gemeinsam mit Merkel und dem österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Nach dem Konzert erklärte Merkel, Deutschland werde alles tun, damit der Ratsvorsitz Österreichs zum Erfolg werde.

Besuch beim Neujahrskonzert: Joachim Sauer, Angela Merkel und Wolfgang Schüssel
AFP

Besuch beim Neujahrskonzert: Joachim Sauer, Angela Merkel und Wolfgang Schüssel

Europa müsse wirtschaftlich erfolgreich sein, betonte die Bundeskanzlerin. Neben Merkel hatte Schüssel auch EU-Industriekommissar Günter Verheugen und den slowenischen Premier Janez Jansa zum Neujahrskonzert eingeladen. Deutschland übernimmt in einem Jahr den EU-Ratsvorsitz, Slowenien Anfang 2008.

Nach dem Konzert trafen die Politiker zu einem Mittagessen im Albertina-Museum zusammen. Schüssel kündigte an, er wolle der EU unter dem sechs Monate währenden österreichischen Ratsvorsitz neuen Schwung verleihen. "Österreich möchte die Zeit seiner Präsidentschaft vor allem auch dafür nützen, Europa den Bürgerinnen und Bürgern wieder näher zu bringen und das Vertrauen in das europäische Projekt zu stärken. Europa soll nützen und schützen", schrieb er in einem auf der Internet-Seite des österreichischen EU-Ratsvorsitzes veröffentlichten Grußwort.

Auf die österreichische Präsidentschaft kämen große und für die Europäische Union wichtige Themen zu, erklärte der Kanzler weiter. So müssten dem im Dezember beschlossenen EU-Haushalt für die Jahre 2007 bis 2013 auch noch das Europaparlament und die EU-Kommission zustimmen. Ferner wolle Österreich den weiteren Umgang mit dem bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden abgelehnten Vertrag für eine europäische Verfassung klären. Auf der Agenda stünden zudem Maßnahmen zur Förderung von Wachstum, Beschäftigung, Forschung und Technologieentwicklung sowie Fragen der verstärkten Sicherheitskooperation.

Außenministerin Ursula Plassnik erklärte in ihrer Neujahrsbotschaft, Österreich wolle gemeinsam mit seinen Partnern einen "Vitaminschub für Europa" leisten. Ferner betonte sie: "Es muss unser gemeinsames und langfristiges Ziel sein, Europa für die Bürgerinnen und Bürger verständlicher, zeitgemäßer und spürbarer zu machen." Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer appellierte an die EU-Politiker, vor allem der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit Priorität einzuräumen. Damit könne ein großes Stück Vertrauen in Europa wieder hergestellt werden. Fischer nahm ebenfalls am Neujahrskonzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins teil. Dieses stand ganz im Zeichen Mozarts, dessen 250. Geburtstag im Jahr 2006 gefeiert wird.

Das Erscheinen von Merkels Ehemann bei dem Konzert reiht sich in die spärlichen bisherigen öffentlichen Auftritte des Paares ein: Bislang bekam die Öffentlichkeit den Musikfan fast nur bei den Festspielen in Bayreuth und Salzburg zu Gesicht, was ihm bereits den Spitznamen "Phantom der Oper" eintrug.

William Kole, AP



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