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Kanzlerkandidaten-Debatte Die große Peer-Steinbrück-Show

SPD-Politiker Steinbrück beim Auftritt in Oberhausen: Schwer vermittelbarer Kanzlerkandidat Zur Großansicht
dapd

SPD-Politiker Steinbrück beim Auftritt in Oberhausen: Schwer vermittelbarer Kanzlerkandidat

Die Deutschen mögen ihn, selbst seine politischen Gegner zeigen Respekt: Peer Steinbrück könnte der perfekte Kanzlerkandidat sein - wenn da nur nicht seine eigene Partei wäre. Denn im Steinbrück-Hype geht völlig unter, dass der Kandidaten-Kandidat und die SPD einfach nicht zusammenpassen. 

Berlin - Es dürfte ein Abend ganz nach seinem Geschmack werden: große Bühne, große Worte, großer Beifall. Und mittendrin Peer Steinbrück, 64, dem sie einmal mehr huldigen werden. Kein Geringerer als der CDU-Politiker und aktuelle Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird die Festrede auf ihn halten, Steinbrück erhält an diesem Dienstag in Berlin den Preis "Das politische Buch" der Friedrich-Ebert-Stiftung für sein Finanzkrisen-Werk mit dem Titel "Unterm Strich". Vor ihm bekamen die Auszeichnung bereits Größen wie Helmut Schmidt oder Hans Magnus Enzensberger.

Vielleicht schaut Steinbrück später wenigstens noch auf einen kühlen Weißwein bei der SPD-Bundestagsfraktion vorbei, die sich gleichzeitig zu ihrem all-sommerlichen Hoffest trifft.

Andererseits: Mit vielen der roten Abgeordneten-Kollegen pflegt Steinbrück einen, sagen wir, eher losen Kontakt. Selbst bei der traditionellen Spargelfahrt des konservativen SPD-Flügels auf dem Wannsee fehlte er neulich. Nur eine Rede in zwei Jahren hat der Abgeordnete Steinbrück im Bundestag gehalten. Seit dem Ende der Großen Koalition macht er lieber sein eigenes Ding. Steinbrück tingelt durch die Republik und gibt den Weisen aus dem Off. Erklärt den Menschen, warum es in der Politik so mies läuft, dass ihre Skepsis gegenüber denen in Berlin berechtigt ist. Wie einer, der nicht mehr dazu gehört.

Dafür lieben ihn die Deutschen. Steinbrück ist mit seiner One-Man-Show so etwas wie der Politiker der Stunde. Im aktuellen Beliebtheits-Ranking des SPIEGEL schoss er von Null auf Platz 2, vor ihm nur noch Bundespräsident Christian Wulff, in anderen Umfragen hat es Steinbrück sogar an die Spitze geschafft. Seitdem er in einem Radio-Interview laut über eine mögliche Kanzlerkandidatur nachdachte, gilt der Sozialdemokrat sogar als möglicher Gegner von Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2013.

Steinbrück bringt viele Voraussetzungen mit

Auf den ersten Blick erscheint das nur logisch. Denn andere Kandidaten sind rar: SPD-Chef Sigmar Gabriel kämpft weiterhin gegen sein Hans-Dampf-Image an, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat 2009 bereits einmal gegen Merkel verloren, ein anderer ernsthafter Bewerber ist nicht in Sicht. Steinbrück bringt neben seiner Beliebtheit weitere Voraussetzungen eines Kanzlerkandidaten mit: Er verfügt als ehemaliger Bundesfinanzminister und Regierungschef in Nordrhein-Westfalen über große politische Erfahrung und gilt als durchsetzungsstark. Zudem wirkt er weit ins sogenannte bürgerliche Lager.

Dennoch ist die Debatte um den möglichen Merkel-Herausforderer Peer Steinbrück eine rein virtuelle - und könnte es auch bleiben. Denn der Kandidaten-Kandidat Steinbrück und die Partei, die ihn tragen müsste, die SPD, das passt an vielen Ecken und Enden einfach nicht zusammen.

Jeder der die SPD ein wenig genauer kennt, vor allem ihre jüngere Geschichte, weiß: Sollte er jemals Kandidat oder gar Kanzler werden, würden ihm viele Genossen wohl nur ungern oder gar nicht folgen - mächtiger Ärger drohte. Zwischen dem liberalen Pragmatiker Steinbrück auf der einen Seite und den linken Umverteilungsfetischisten in den Parteigremien auf der anderen Seite stimmt die Chemie einfach nicht. Sie sind eine Macht, an der bereits Gerhard Schröder, Wolfgang Clement und andere SPD-Größen vom rechten Flügel scheiterten. Vielleicht würden ihn diese Genossen noch als Kandidaten ertragen, weil er ihnen als Wahl-Lokomotive ihre Mandate sichern kann. Aber spätestens danach, in der Regierung, würden sie ihm das Leben als Kanzler schwermachen.

Hinzu kommt: Die Gremien-Kultur der SPD, dieses endlose Debattieren, das ist Steinbrück schon immer auf den Zeiger gegangen. Er will Entscheidungen rasch treffen und dann loslegen. Und Steinbrück hat sich nie für die klassische Rhetorik der Sozialdemokratie erwärmen können. Daran haben sich viele Genossen schon immer gestört, nicht nur die linken Gremien-Kollegen. Würde er als Kandidat oder Kanzler die Geduld aufbringen, diese Genossen "mitzunehmen" - wie man es bei der SPD gerne formuliert? Wohl eher: Nein.

Fest steht: Aus den roten Regierungsjahren ist das bisweilen überlegen-selbstsichere Auftreten des Genossen noch vielen Sozis in schlechter Erinnerung. Vielleicht hätte sich Steinbrück schlicht eine andere Partei aussuchen sollen, als er 1969 im Alter von 22 Jahren in die SPD eintrat. Wenigstens aber hätte Steinbrück im Laufe seiner politischen Karriere pfleglicher mit seinen Genossen und insbesondere dem SPD-Apparat umgehen müssen - das finden zumindest viele Genossen.

Steinbrücks Attacken gegen die eigenen Leute sind legendär: Im August 2007 kanzelte er die SPD als "Heulsusen"-Partei ab, weil sie seiner Meinung nach ihre Erfolge nicht selbstbewusst verteidigte. Zwei Jahre später, nach der Wahlklatsche bei der Bundestagswahl, rechnete der scheidende Finanzminister im Partei-Präsidium mit dem linken SPD-Flügel ab. Seitdem spricht er gerne von der "Binnenfixierung" der Genossen und "Mini-Jakobinern, die dauernd so kleine Revolutionstribunale" veranstalten. Und den sozialdemokratischen Apparat, seinen Lieblingsgegner in der SPD, watschte Steinbrück erst kürzlich einem Bericht der "Welt" zufolge so ab: "Es gibt eine Funktionärsebene, die sich anmaßt, die Basis zu sein, obwohl sie es nicht ist. Zumindest in meiner Partei."

Und diese Kleingeister aus Sicht von Steinbrück, die das organisatorische Rückgrat der SPD stellen, sollen für ihn in die Wahlschlacht ziehen? Oder ihn danach als Kanzler unterstützen?

Der Vergleich mit Schmidt und Schröder hinkt

Schon drechseln seine Fans die sozialdemokratische Geschichte zurecht: Auch die SPD-Regierungschefs Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder seien nie Lieblinge der Genossen gewesen, behaupten sie. Doch das ist historisch ungenau: Schmidt und Schröder fremdelten erst offen mit ihrer Partei, als sie es ins Kanzleramt geschafft hatten. Und letztlich scheiterten sie an ihrem schlechten Verhältnis zu vielen Genossen.

Der Vorsitzende Sigmar Gabriel hat dieses Problem bereits diagnostiziert. Seine Schlussfolgerung klingt allerdings ziemlich hilflos: Eine SPD, die einen Kandidaten Steinbrück nicht ertrage, werde niemals einen Kanzler stellen, glaubt er. Eilfertig sekundierte daraufhin Ernst Dieter Rossmann, Sprecher der Parlamentarischen Linken. "Ich kriege keine Pickel bei Peer Steinbrück." Rossmann sagte der "Financial Times Deutschland: "Für uns als Linke ist entscheidend, dass wir als Team antreten und ein gutes Programm beschließen."

Aber das sind nicht mehr als wohlmeinende Sätze. Steinbrück weiß wohl selbst am allerbesten, dass er für viele Genossen schwer vermittelbar ist. Vor allem könnte das im Wahlkampf zum Problem werden: Union und FDP würden nicht müde werden, die Wähler auf die Probleme Steinbrücks mit seiner Partei hinzuweisen. Frei nach dem Motto: "Liebe Wähler, aufgepasst! Der mag ja ganz vernünftig sein, aber die Funktionärs-SPD wird eine andere Politik von ihm verlangen - nämlich eine linke."

Aber vielleicht hat Steinbrück ja auch längst seine neue Rolle gefunden als Buchschreiber, Vortragsreisender und Welterklärer - und das mit der Kanzlerkandidatur ist, ähnlich wie bei Joschka Fischer, nichts als Spielerei. Um Merkels CDU ein bisschen zu erschrecken und seinen Vorsitzenden Gabriel ein wenig zu ärgern. Peer Steinbrück ist ein leidenschaftlicher Skat- und Schachspieler.

"Zug um Zug" heißt sein neues Buch, das im Herbst erscheint.

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insgesamt 168 Beiträge
Klaus.G 05.07.2011
"die deutschen mögen ihn", ja dann mögen die deutschen auch hartz IV, agenda 2010, steuer und abgabenerhöhungen und eine arrogante Persönlichkeit;-)
"die deutschen mögen ihn", ja dann mögen die deutschen auch hartz IV, agenda 2010, steuer und abgabenerhöhungen und eine arrogante Persönlichkeit;-)
Binideppert? 05.07.2011
Die SPD stellte bisher drei Bundeskanzler, und alle drei wurden von der eigenen Partei zerlegt. Will Steinbrück unbedingt die Nummer vier werden?
Die SPD stellte bisher drei Bundeskanzler, und alle drei wurden von der eigenen Partei zerlegt. Will Steinbrück unbedingt die Nummer vier werden?
Sapientia 05.07.2011
Zu selbstverliebt, zu ungelenk als Behördenmensch und zu sehr schlechtes Wunsch-Imitat des legendären Helmut Schmidt; insgesamt: farblos. Sicher, was Besseres haben sie nicht, genau das ist die Misere des Allgemeinzustands.
Zitat von sysopDie Deutschen mögen ihn, selbst seine politischen Gegner*zeigen Respekt:*Peer Steinbrück könnte der perfekte Kanzlerkandidat sein - wenn da nur nicht seine eigene Partei wäre. Denn im Steinbrück-Hype geht völlig unter, dass der Kandidaten-Kandidat und die SPD*einfach nicht*zusammenpassen.* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,772183,00.html
Zu selbstverliebt, zu ungelenk als Behördenmensch und zu sehr schlechtes Wunsch-Imitat des legendären Helmut Schmidt; insgesamt: farblos. Sicher, was Besseres haben sie nicht, genau das ist die Misere des Allgemeinzustands.
Grosskotz 05.07.2011
Auch der soll in der falschen Partei gewesen sein. Und am Schluß ist er der geachteste Mann geworden, den die SPD jemals hatte. Per Steinbrück, auch wenn er bei der SPD ungeliebt ist, könnte die SPD wieder nach oben bringen. [...]
Auch der soll in der falschen Partei gewesen sein. Und am Schluß ist er der geachteste Mann geworden, den die SPD jemals hatte. Per Steinbrück, auch wenn er bei der SPD ungeliebt ist, könnte die SPD wieder nach oben bringen. Und seinen Parteifreunden auch ein paar Ministerposten bescheren. Das zählt. Was nützt der beliebte, richtige Mann, wenn am Schluß nur die Oppositionsrolle rauskommt? Opposition ist laut Müntefering "Sch.....". Die SPD wird bestimmt nicht lange überlegen. Frau Nahles, links verortet, hat bereits ja gesagt.
Buureremmel 05.07.2011
Steinbrück und die aktuelle SPD passen nicht so recht zusammen. Aber braucht die SPD überhaupt einen Kanzlerkandidaten? Wozu? Wetterwendige "Siggi-Pop-Politik" taugt nun mal nicht zu Regierungsverantwortung, und für das [...]
Steinbrück und die aktuelle SPD passen nicht so recht zusammen. Aber braucht die SPD überhaupt einen Kanzlerkandidaten? Wozu? Wetterwendige "Siggi-Pop-Politik" taugt nun mal nicht zu Regierungsverantwortung, und für das bisschen Oppositionsgekaspere für die Galerie braucht's keinen ernsthaften Kandidaten.
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Mit 51 Jahren wurde Gabriel, Jahrgang 1959, jüngster Parteichef seit Willy Brandt. In der Großen Koalition war er bis Herbst 2009 Umweltminister und profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen die Atomkraft. Nach dem Wahldesaster der Sozialdemokraten griff er entschlossen nach dem Parteivorsitz. Nach einem starken Start hat seine Autorität zuletzt im Streit um Thilo Sarrazin und die Migrantenquote Schaden genommen. Als natürlicher Kanzlerkandidat gilt er inzwischen nicht mehr.

Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist liiert mit einer Zahnärztin.






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