Absturz in Umfragen: Steinbrück gibt Medien Mitschuld
Rednerhonorar-Debatte, verheerende Bemerkungen zu Kanzlergehalt und Frauenbonus: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat zuletzt viele Fehler gemacht. An seinem Absturz in den Umfragen sieht er bei den Medien allerdings eine Mitschuld.
Hamburg - In den Umfragen liegt er seit Wochen abgeschlagen hinter Angela Merkel. Peer Steinbrück will jetzt aus seinen Fehlern lernen. Seine Äußerung zur Höhe des Kanzlergehalts etwa sei "sicherlich nicht glücklich" gewesen, gab er jetzt gegenüber der "Zeit" zu. Auch habe er lernen müssen, dass "Äußerungen von mir auf einer anderen Folie abgebildet werden - die Folie heißt Kanzlerkandidatur". Auf Ironie will Steinbrück künftig verzichten.
Aussagen, die er früher schon getroffen habe und nun wiederhole, wie etwa zum Kanzlergehalt, "haben eine ganz andere Wasserverdrängung", hat Steinbrück erkannt. Aber groß verändern will sich der SPD-Politiker dennoch nicht: "Weder werde ich meinen politischen Charakter verfremden noch schauspielern oder etwas inszenieren."
Für seinen Umfrage-Absturz gab Steinbrück vielmehr den Medien eine Mitschuld. Sicherlich habe er mit Äußerungen zum Einbruch seiner Umfragewerte beigetragen. "Wobei die Medien der Sache ihre eigene Dynamik gegeben haben", sagte er. Seine Äußerung zum Kanzlergehalt sei "weder neu noch auf mich persönlich bezogen" gewesen. "Es war in den Medien ein Top-Thema - und das hat natürlich eine Trefferwirkung", sagte Steinbrück.
Steinbrück warf den Medien auch vor, sich immer weniger mit politischen Inhalten zu beschäftigen. "Fragen Sie doch danach, wofür der Steinbrück politisch steht. Manchmal scheint mir, dass die Psychologie von Politikern interessanter ist als ihre Standpunkte."
Steinbrück hatte schon vor kurzem Fehler bei seiner Kanzlerkandidatur eingeräumt - und auch da angekündigt, sich nicht ändern zu wollen.
Nach der Aufregung über üppige Rednerhonorare war Steinbrück wegen Äußerungen zu Kanzlerbezügen und dem angeblichen Frauenbonus von Amtsinhaberin Angela Merkel in die Kritik geraten. Für Ärger sorgten auch Sitzungsprotokolle von ThyssenKrupp, aus denen der Eindruck entstehen konnte, Aufsichtsratsmitglied Steinbrück habe dem Stahlkonzern zu niedrigeren Energiepreisen verhelfen wollen.
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