Düsseldorf Terrorhelfer muss knapp vier Jahre in Haft

Der Schwiegersohn des Islamistenführers Metin Kaplan, bekannt als "Kalif von Köln", muss ins Gefängnis: Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte den türkischstämmigen Deutschen zu fast vier Jahren Haft. Der 29-Jährige hat die Unterstützung einer Terrorgruppe zugegeben.


Düsseldorf - Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat einen türkischstämmigen Deutschen wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland verurteilt. Turgay C. ist der Schwiegersohn des Islamistenführers Metin Kaplan, bekannt als der "Kalif von Köln". Wegen Unterstützung der Terrorgruppe Islamische Bewegung Usbekistan (IBU) erhielt er eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Der 29-Jährige Turgay C. hatte nach Gerichtsangaben vom Freitag nach mehrmonatiger Prozessdauer zugegeben, dass er der IBU über einen Mittelsmann insgesamt 39.000 Euro hatte zukommen lassen.

Der in dem Verfahren ebenfalls angeklagte Bruder des Verurteilten, Ömer C., muss sich dagegen weiter vor dem Düsseldorfer Gericht wegen Mitgliedschaft in der IBU verantworten, die im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gegen die westlichen Truppen kämpft. Der Prozess gegen den 25-Jährigen soll Anfang September weitergehen.

Die Bundesanwaltschaft hatte zu Prozessbeginn am 5. März erklärt, die Brüder hätten sich dem Dschihad verschrieben. Sie sind in Deutschland geboren und haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Durch ihre religiöse Erziehung seien sie radikalislamisch geprägt, so die Bundesanwaltschaft. Sie sähen den "Kampf gegen die Ungläubigen" als ihre religiöse Pflicht an. Ihr Ziel sei die weltweite Einführung des islamischen Rechts.

Die IBU gehört zum Netzwerk islamistischer Terrorgruppen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet und arbeitet nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft mit al-Qaida, den Taliban und anderen Gruppierungen zusammen. Sie soll für Anschläge auf afghanische, pakistanische und Nato-Soldaten sowie Zivilisten verantwortlich sein.

Die Männer waren im Februar 2011 in Essen und Köln festgenommen worden. Der jetzt Verurteilte ist der Schwiegersohn des Islamistenführers Metin Kaplan, der die Türkei in ein islamistisches Kalifat verwandeln wollte. Im Herbst 2000 wurde Kaplan wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu vier Jahren Haft verurteilt. Danach wurde er in die Türkei abgeschoben.

lgr/dpa/AFP

insgesamt 2 Beiträge
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woodeye 04.08.2012
1. Welch eine Abschreckung - fast 4 Jahre Gefaengnissanatorium
Ich konnte mehrere deutsche Strafanstalten besuchen und gewann folgenden Eindruck: SANATORIEN, die ideal zum Ueberwintern geeignet sind und kaum bzw. nicht der Abschreckung dienen. Zu den Insassen: 80 % Rueckfaellige bei den juengeren Strafgefangenen, 50 % bei den aelteren. Nirgendwo scheint es mehr Juristen zu geben als in Deutschland. Ihr Gewerbe ist offensichtlich als eintraeglich zu bezeichnen. Sind die Gesetze in D deshalb so lax, weil der (eintraegliche) NACHSCUB rollen muss ? In der Dritten Welt jedenfalls traut man dem Juristenstand nicht ueber den Weg.
hanfiey 04.08.2012
2. Langsam wirds peinlich
Ich bin ganz klar dafür dem Terror die rote Karte zu zeigen, aber warum kümmert es Deutschland was irgendwo in Pakistan geschieht, dort sind doch solche Gruppen nicht verboten oder?. Wir maßen uns an Ethische Richtlinien anderen aufzuzwingen und nennen das Freiheit. Ich finde es langsam peinlich. Was kommt als nächstes, Gedankenkontrolle?.
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