Karen Heumann, Vorstand: "Kann auch ein Mann Bundeskanzlerin werden?"

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Sie gehört zur Führungsriege von "Deutschlands kreativster Agentur": Karen Heumann ist die einzige Frau im Vorstand der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt. Sie drängt darauf, dass weibliche Spitzenkräfte endlich Normalität werden - und plädiert für eine Frauenquote.

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Tobias Kruse

Karen Heumann: "Ich habe das gemacht, was ich wollte, und zwar mit Leidenschaft"

Manchmal geht alles sehr schnell. Mit 35 Jahren wurde Karen Heumann Geschäftsführerin der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt, mit 38 übernahm sie einen der fünf Vorstandsposten. Rasant ist sie zum Star der Branche aufgestiegen - feminin, entschlossen, charmant. Doch sie ist noch immer eine Exotin: Heumann, heute 45, war lange die einzige Vorstandsfrau in der deutschen Werbebranche.

Erst im vergangenen Jahr rückten mehrere Frauen an die Spitze der deutschen Agenturen auf. Noch immer zu wenige, findet Heumann. Sie spricht energisch, es ist ein Thema, für das sie sich schon lange einsetzt: "Mich hat es immer geärgert, dass Gleichberechtigung nur ein Wort war."

Doch auch in der Kreativbranche erfährt sie: Führungspositionen würden noch immer leichter mit einem Mann besetzt. "Es fühlt sich irgendwie sicherer an." Hartnäckig halte sich die Wahrnehmung, dass ein Chef männlich sei. "Das kann man nur aufweichen durch neue Gewohnheiten", erklärt Heumann - sie setzt sich für eine Frauenquote ein. "Dass es dafür genug kompetente Frauen gibt, daran zweifele ich nicht."

Frauen an der Spitze müssten alltäglich werden, dann würde auch keiner mehr nach dem Geheimnis von Top-Managerinnen forschen. Fragen nach ihrem Erfolgsrezept findet Heumann "bezeichnend": "Es bedeutet, dass es nicht normal ist, sondern, dass es da irgendwas Außergewöhnliches gegeben haben muss."

Wer Vorbilder sucht, muss nur über die Grenze fahren. Frankreich hat vergangenes Jahre eine Frauenquote eingeführt. Auch Heumann haben ihre Erfahrungen im Nachbarland beeinflusst: "Dort ist es einfach klar, dass man Kinder hat und arbeitet." Sie studierte in Aix-en-Provence Wirtschaft und Germanistik, anschließend machte sie den MBA in Marseille. "Ich habe das gemacht, was ich wollte, ich habe es mit Leidenschaft gemacht."

Ihre erste Werbeagentur gründete sie mit Ende 20 in Cannes, einige Jahre später zog sie nach Deutschland um. Mit 33 Jahren wurde sie Geschäftsführerin des deutschen Ablegers der britischen Agentur Leagas Delaney. Sie habe auch schwierige Jobs in ihrer Laufbahn ergriffen, erzählt Heumann. "Oft war das nicht leicht, ich hätte auch scheitern können." Dazu gehörte auch, oft mehr leisten zu müssen als männliche Kollegen.

Karen Heumann gilt als Kämpfernatur. Heute arbeitet sie oft bis zu 14 Stunden am Tag. Als Chefstrategin bei Jung von Matt führt sie "Deutschlands kreativste Agentur" (so der Branchendienst Werben und Verkaufen). Sie wurde 2004 zum "Agenturkopf des Jahres" und zur "Frau des Jahres" gekürt. Mitarbeiter loben ihre freundliche Art und ihre klugen Fragen, Kunden preisen ihre Fachkompetenz.

Eigene Kinder hat Heumann nicht. Aber sie hört Kindern zu. Der Sohn einer Freundin habe neulich gefragt: "Kann auch ein Mann Bundeskanzlerin werden?" Genau da müssen wir hinkommen, sagt Heumann. Und deswegen plädiert sie für die Frauenquote.

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Illustration Michael Pleesz für den SPIEGEL, Foto: Reuters
Heft 5/2011:
Warum Deutschland die Frauenquote braucht
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