Karen Kamensek, Dirigentin "Eine Frauenquote in der Musik? Unmöglich!"

Karen Kamensek ist erfolgreich in einem Bereich, in dem es fast keine Frauen gibt. Sie ist Dirigentin. Schon an der Uni war sie damit eine Kuriosität. Ab kommendem Sommer übernimmt sie den Posten der Generalmusikdirektorin an der Niedersächsischen Staatsoper in Hannover.

Von Carolin Neumann

Karen Kamensek: "Unsere Welt ist sehr klein"
Kobie van Rensburg

Karen Kamensek: "Unsere Welt ist sehr klein"


Karen Kamensek wollte sich beweisen, dass sie anderen das Zepter überlassen kann. Ihre Auszeit in Afrika wurde zum Charaktertest für die in Hamburg lebende Dirigentin. "Dort kannte mich niemanden. Es war wie ein Spiel mit mir selbst: Kann ich auch mal die Klappe halten?" Gerade eine Woche im Ehrenamt dauerte es, dann kamen sie durch, "die Kräfte", wie Kamensek es nennt: ihre Sturheit, Neugierde, das Durchsetzungsvermögen. Plötzlich war sie Gruppenführerin - und die Wette mit sich selbst verloren.

"Das liegt mir offenbar im Blut", erzählt die gebürtige Amerikanerin. Schon mit elf Jahren habe sie den Takt angegeben. "Irgendwo musste meine Energie ja hin." Heute, mit 41, ist Karen Kamensek oben angekommen. In ihrem Lebenslauf stehen hochkarätige Jobs wie Erste Kapellmeisterin an der Wiener Volksoper oder Chefdirigentin im Nationaltheater in Slowenien, der Heimat ihrer Eltern. Zurzeit arbeitet sie als stellvertretende Musikdirektorin an der Hamburger Staatsoper, ab Sommer übernimmt sie die musikalische Leitung der Oper in Hannover. Damit ist sie eine Exotin, denn Dirigentinnen sind selten, in hohen Positionen sowieso.

Schon an der Indiana University, wo sie ihre Abschlüsse als Pianistin und Dirigentin machte, sei sie als Frau "eine Kuriosität" gewesen. Vor dem Durchbruch in Europa Anfang der Nullerjahre kamen einige magere Jahre, doch das habe nichts mit ihrem Geschlecht zu tun gehabt. "Ich habe keine Hindernisse erlebt, weil ich eine Frau bin. Aber vielleicht kommt das noch." Dass Dirigentinnen nur schwer Fuß fassen, begründet sie ganz anders: "Unsere Welt ist sehr klein."

"Viele Frauen wollen sich das nicht antun"

Eine Frauenquote ist für die resolute Musikerin undenkbar. "Das ist in unserer Branche unmöglich", sagt sie und meint: Die Partie bekommt, wer am besten spielt, singt und die beste Ausstrahlung hat. Es ist eine schöne Welt, die sie zeichnet, mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis in Orchestern und Chancengleichheit für alle. Aber sie ist sich bewusst, dass ihr Bild nicht ganz realistisch ist. "Ich weiß, ich bin etwas naiv, und denke: Wenn es mir gut geht, dann geht es auch anderen Frauen in der Branche gut." Sie selbst ist kinderlos und liebt das Unterwegssein - andere Frauen "wollen sich diesen Lebensstil einfach nicht antun".

"Die Branche verlangt viel von einem, man kann sich sehr schnell verlieren." Kamensek berichtet von ihr bekannten Musikern, die entweder Burnout-Erscheinungen entwickeln oder den Beruf aufgeben, zum Glück habe sie rechtzeitig "die Kurve gekriegt". Unter anderem, indem sie heute trennt zwischen "der privaten Karen und der beruflichen".

Sie demonstriert, wie das aussieht, wenn die private Karen den "Dirigiermantel" überstreift, und lässt die Hände durch die Luft gleiten. Auch ohne sie vor dem Orchester gesehen zu haben, ahnt man, welche Energie die knapp 1,60 Meter große Frau in sich trägt. Im nächsten Moment ist sie wieder still. Und in Gedanken erneut bei ihrem Projekt in Afrika. "Dort waren wir übrigens fast nur Frauen und haben händeringend nach Männern gesucht", sagt sie. "Die hätten wir zum Schleppen von schweren Sachen gut gebrauchen können."

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Forum - Quotendebatte: Mehr Frauen an die Macht?
insgesamt 277 Beiträge
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cemi 02.02.2011
1. .,-
Typische Scheindebatte. Die beiden Ministerinnen tun so, als würden sie sich um eine Sachfrage streiten. Mindestens 53% der Wähler (also die Frauen) im SupaDupa-Wahljahr finden das Thema wichtig und interessant, die CDU hat ein Thema besetzt, vdL hat mal was anderes als die frustierenden Arbeitslosenzahlen, Schröder überhaupt mal irgendein Thema. Darüber kann man jetzt ein paar Monate schwadronieren. Dann lässt man das Thema langsam einschlafen. Außerdem kann man jetzt eh nichts machen, da die EU ja sowieso eine gerade eine Initiative ausarbeitet. Und am Ende: Viele Worte, noch mehr Talk-Show-Auftritte, gute Figur gemacht, nix bewegt. CDU halt...
thisiscancerylane 02.02.2011
2.
Es ist schon erschreckend auf welchem Niveau wir da in Deutschland sind. Von daher als erste spontane Reaktion eindeutig ein "ja". Aber mit Quote oder nicht?
Lueder, 02.02.2011
3. ...
Zitat von sysopAuf Deutschlands Chefetagen in Politik, Wirtschaft und Kultur sind weibliche Führungskräfte selten. Braucht es eine Frauenquote? Antworten von acht Frauen, die den Aufstieg geschafft haben - und von ganz unterschiedlichen Erfahrungen in der Männerwelt berichten. Mehr Frauen an die Macht?
Was ist den dass schon wieder für ein furchtbares Emanzengewäsch? In die Chefetagen sollten die fähigsten Leute reingewählt werden und nicht nach irgendwlchen Quoten ausgewählt werden! Wenn schon Frauenquoten, dann bitte auch konsequent sein, und eine Ausländerquote, eine Behindertenquote und natürlich eine Schwule und Lesbenquote in die Chefetagen fordern! Diese Gruppen möchten nämlich auch nicht diskriminiert werden und warum soll man da Unterschiede machen? Deutschland braucht genauso wenig irgendwelche Quotenregelungen in den Chefetagen wie Frauenparkplätze in Parkhäusern. Dazu muss ich sagen, ich parke im Parkhaus GRUNDSÄTZLICH auf Frauenparkplätzen und werde das erst dann ändern, wenn es richtige MÄNNERPARKPLÄTZE gibt. Ich lass mich schliesslich nicht diskriminieren!
artusdanielhoerfeld 02.02.2011
4. An ihrer Benachteiligung selber schuld, denn...
...so lange besonders die attraktiven Frauen prinzipiell einen sozial höhergestellten Partner auswählen, darf sich der Rest nicht wundern, wenn Männer dadurch motiviert werden, eben genau diese Überlegenheit auch zu erreichen!
dorfbewohner 02.02.2011
5. Quote nein danke
Wenn jemand qualifiziert für einen Job ist, wäre ein Arbeitgeber doch schön dumm einen weniger qualifizierten Mann einer qualifizierten Frau vorzuziehen.
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