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Karlsruher EFSF-Spruch Opposition bejubelt Stopp von Geheimgremium

SPD, Grüne und Linke sehen sich bestätigt: Das Verfassungsgericht hat das Sondergremium des Bundestags zum europäischen Rettungsfonds gestoppt, jetzt herrscht Zufriedenheit in der Opposition. In der Regierung fürchtet man, dass Euro-Entscheidungen langsamer fallen könnten.

Berlin - Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat das neue neunköpfige Sondergremium des Bundestags-Haushaltsausschusses zur Euro-Rettung vorläufig gestoppt. Angesichts des Vetos mühen sich die Verantwortlichen in Berlin nun um Schadensbegrenzung. Der Haushaltsausschuss wird am Freitagmittag in einer Sondersitzung tagen. Auch das Justizministerium nimmt an den Beratungen teil.

Die SPD hingegen begrüßt die Entscheidung der Verfassungsrichter gegen das Sondergremium - und verlangt eine rasche Klärung der Kompetenzen. "Das Ei hat nun die Bundesregierung im Nest", sagte der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider. "Ich will von der Bundesregierung wissen, an wen sie jetzt ihre Entscheidungsvorlagen richten will, ob an das Bundestagsplenum oder den Haushaltsausschuss", sagte Schneider. Der Bundestag als Plenum sei für derartige vertrauliche und eilige Entscheidungen ungeeignet.

Die Grünen sehen sich durch den vorläufigen Stopp in ihrem Kurs bestätigt. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts "unterstützt unsere Forderung, dass wichtige Entscheidungen durch das Plenum des Deutschen Bundestages offen und transparent getroffen werden müssen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck.

Auch die Linke stimmt dem Kurs der Verfassungsrichter zu. Die Einrichtung der neunköpfigen Gruppe habe "nicht viel mit Demokratie zu tun", sagte die Vorsitzende Gesine Lötzsch, die auch haushaltspolitische Sprecherin der Linksfraktion ist. Zur Begründung sagte sie , das Sondergremium hätte über "unvorstellbare Milliardensummen" entscheiden können. Damit werde das Budgetrecht des Bundestags verletzt.

"Wir können nur hoffen: bald"

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Morgen einem Antrag von zwei SPD-Bundestagsabgeordneten auf einstweilige Anordnung stattgegeben. Die Richter meldeten erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Sondergremiums an. Damit darf die neunköpfige Gruppe vorerst keine Entscheidungen über den Einsatz des Euro-Rettungsschirms fällen.

Wann das Bundesverfassungsgericht in der Hauptsache über das Sondergremium entscheidet, ist noch offen. Dies könnte erst in einigen Monaten passieren. Der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Martin Kotthaus, sagte, es gebe noch keine Signale, wann mit einem endgültigen Spruch zu rechnen sei. "Wir können nur hoffen: bald."

Doch auch ohne eine zügige Entscheidung sieht die Union die Euro-Rettungsmaßnahmen nicht gefährdet. "Der Bundestag wird diese Handlungsfähigkeit auch in den nächsten Wochen sicherstellen", sagte Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU) in Berlin. Der Spruch der Karlsruher Richter mache künftige Entscheidungen jedoch langsamer, hieß es nach dem Spruch aus Koalitionskreisen.

FDP-Politiker begrüßt Entscheidung des Gerichts

Lob für die Entscheidung kommt auch aus Koalitionskreisen. "Die Eilentscheidung des Verfassungsgerichts ist eine Ohrfeige fürs Parlament", sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler Handelsblatt Online. Konsequenz aus dem Karlsruher Spruch müsse sein, dass die "Schuldenschirmpolitik nicht im Hinterzimmer entschieden" werde, so Schäffler weiter. "Das Haushaltsrecht ist das Königsrecht des Parlaments und nicht nur von neun Abgeordneten."

Die Karlsruher Richter waren bei ihrer Entscheidung dem Antrag der SPD-Bundestagsabgeordneten Peter Danckert und Swen Schulz gefolgt. Diese hatten ihre Klage am Donnerstag eingereicht. Sie fürchten durch die Einsetzung der neun Experten ihre Rechte als Parlamentarier verletzt.

Dieser Argumentation folgten die Richter in Karlsruhe. Den Klägern entstünden schwere Nachteile, wenn der Sonderausschuss erst einmal Entscheidungen treffen dürfe, dann jedoch vom Gericht für verfassungswidrig erklärt würde, hieß es. So könnten die neun Abgeordneten in der Zwischenzeit einer EFSF-Notmaßnahme zustimmen, die nachträglich betrachtet dann verfassungswidrig wäre.

Bundestag bleibt laut Richtern handlungsfähig

Die damit verbundenen Rechtsverletzungen für die Abgeordneten könne das Gericht aber nicht mehr rückgängig machen, da Deutschland nach außen hin an die Entscheidung des Gremiums gebunden wäre, hieß es. Der Bundestag bliebe aber dennoch handlungsfähig.

Das Gremium sollte eigentlich am Freitag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen. Laut Gesetz hätte die Parlamentsbeteiligung einem mehrstufigen Verfahren folgen sollen: Je nach Bedeutung, Eilbedürftigkeit und Vertraulichkeit einer Entscheidung hätten entweder der Bundestag mit 620 Mitgliedern, der 41-köpfige Haushaltsausschuss oder das neunköpfige Sondergremium die Pläne absegnen sollen.

Bei ihrer Klage stützten sich die SPD-Abgeordneten auch auf eine Expertise der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags. Darin heißt es, das Sondergremium verlagere die Verantwortung auf einige wenige und verhindere die Beteiligung aller Abgeordneten am parlamentarischen Willensbildungsprozess.

Der Bundestag hat das Geheimgremium zur Aufsicht über die beim EFSF verwendeten deutschen Steuermilliarden am Mittwoch eingesetzt. Der Gruppe gehören für die Unionsfraktion Norbert Barthle, Bartholomäus Kalb und Michael Stübgen an. Für die SPD nehmen Lothar Binding und Carsten Schneider teil. Otto Fricke und Michael Link repräsentieren die FDP. Die Linke stellt Dietmar Bartsch, die Grünen Priska Hinz.

jok/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 25 Beiträge
teufelsküche 28.10.2011
Die Opposition ist zufrieden? Dann is ja gut. Leider ist das ein Grundproblem der Opposition, sie ist mit sich selbst zu sehr zufrieden! Und kommen die mal wieder an die Macht, wird das Geheimniskrämergremium dann doch [...]
Die Opposition ist zufrieden? Dann is ja gut. Leider ist das ein Grundproblem der Opposition, sie ist mit sich selbst zu sehr zufrieden! Und kommen die mal wieder an die Macht, wird das Geheimniskrämergremium dann doch eingeführt, natürlich unter ganz anderen Voraussetzungen und Umständen (was im Klartext nichts anderes heißt als daß eben SIE es machen, und nicht die ANDEREN)
"Geld ohne Ende für dieses EU-Monster ja, aber bitte geordnet." Ist das die Devise der Opposition, die sich jetzt über diesen Spruch so freut? Das soll eine Oppostion zum derzeitigen Euro-Kurs Berlins sein? Das ist doch [...]
"Geld ohne Ende für dieses EU-Monster ja, aber bitte geordnet." Ist das die Devise der Opposition, die sich jetzt über diesen Spruch so freut? Das soll eine Oppostion zum derzeitigen Euro-Kurs Berlins sein? Das ist doch ein Witz!
anderton 28.10.2011
Warum hat die "Opposition" dieses Geheimgremium denn überhaupt erst erlaubt? Warum hat man nicht die Beteiligung des gesamten Parlaments bei EFSF Abstimmungen zur Bedingung gemacht, als man der Regierungskoalititon [...]
Warum hat die "Opposition" dieses Geheimgremium denn überhaupt erst erlaubt? Warum hat man nicht die Beteiligung des gesamten Parlaments bei EFSF Abstimmungen zur Bedingung gemacht, als man der Regierungskoalititon Unterstützung bei den EFSF Vorlagen signalisierte bzw. zusagte? Aber vielleicht fehlen mir ja auch wichtige Informationen, die mein Unverständnis erklären würden...
lisa1980 28.10.2011
Das hier vom Verfassungsgericht beanstandete Gremium wurde am Mittwoch in einem gemeinsamen(!!!) Antrag der Fraktionen CDU/CSU SPD FDP und Grüne eingerichtet. Alle Fraktionen außer der Linkspartei (die aber mit Herrn Bartsch) [...]
Das hier vom Verfassungsgericht beanstandete Gremium wurde am Mittwoch in einem gemeinsamen(!!!) Antrag der Fraktionen CDU/CSU SPD FDP und Grüne eingerichtet. Alle Fraktionen außer der Linkspartei (die aber mit Herrn Bartsch) ebenfalls vertreten ist) haben für die Einrichtung des Gremiums gestimmt! Also, ich beschließe etwas am Mittwoch, am Freitag bejubel ich dann das Scheitern. Das ist sehr, sehr albern und peinlich.
bauagent 28.10.2011
Kein Witz, sondern der Vorläufer der maoistisch, finanzkommunistischen Zentralregierung EUSSR in Brüssel. Die Herrschaften dürften sich schon auf diätenreiche Jobs in den Ablegergremien der Überwachungsjunta der EU freuen.
Zitat von Christian Wernecke"Geld ohne Ende für dieses EU-Monster ja, aber bitte geordnet." Ist das die Devise der Opposition, die sich jetzt über diesen Spruch so freut? Das soll eine Oppostion zum derzeitigen Euro-Kurs Berlins sein? Das ist doch ein Witz!
Kein Witz, sondern der Vorläufer der maoistisch, finanzkommunistischen Zentralregierung EUSSR in Brüssel. Die Herrschaften dürften sich schon auf diätenreiche Jobs in den Ablegergremien der Überwachungsjunta der EU freuen.
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