Schwarz-gelber Stammtisch: Die Kartoffel-Connection

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Ist die Sehnsucht nach Schwarz-Gelb schon wieder so groß? Politiker von Union und FDP wollen in einem neuen Gesprächskreis Gemeinsamkeiten ausloten. Ein Anruf beim Initiator Otto Fricke, Liquidator bei der Liberalen-Fraktion, der erklärt, was die Runde mit Kartoffeln zu tun hat.

FDP-Politiker Fricke (Archivbild von 2011): "Kartoffelaufläufe werden besser, wenn man sie noch einmal aufwärmt" Zur Großansicht
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FDP-Politiker Fricke (Archivbild von 2011): "Kartoffelaufläufe werden besser, wenn man sie noch einmal aufwärmt"

Zur Person
Otto Fricke, 48 Jahre alt, war von 2009 bis 2013 einer der Parlamentarischen Geschäftsführer der FDP im Bundestag. Seit der Wahlpleite im September leitet er die Liquidation der liberalen Fraktion.
SPIEGEL ONLINE: Herr Fricke, Abgeordnete von CDU und Grünen näherten sich in den Neunzigern in der "Pizza-Connection" an, Sie wollen jetzt Liberale und CDUler in der "Kartoffelküche" zusammenbringen. Ist die Sehnsucht kurz nach dem Ende von Schwarz-Gelb schon so groß?

Fricke: Nein, wir wollen keine Trauerarbeit leisten. Wir haben uns mit ein bisschen Abstand gefragt, wie wir den Gesprächsfaden halten können. Insbesondere mit der Kernfrage: Was heißt eigentlich bürgerlich heute? Das Wort wird ja leider fälschlicherweise mit spießbürgerlich gleichgesetzt. Wir wollen darüber diskutieren, unabhängig von Wahlen und Koalitionsaussagen.

SPIEGEL ONLINE: Mit Verlaub, "Kartoffelküche" klingt schon ein bisschen spießbürgerlich.

Fricke: Ja, aber Pizza Connection klingt ja heute auch nur noch pseudomodern. Der Name ist bewusst gewählt. Man kann ihn mit moderner Bürgerlichkeit füllen. Anders als eine Pizza kann man Kartoffeln ja aufwärmen. Und manche Kartoffelaufläufe werden ja besser, wenn man sie einmal aufwärmt.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen also eine Neuauflage von Schwarz-Gelb vorbereiten?

Fricke: Wir wollen einen langjährigen Gesprächskreis zusammenbekommen, um zu sehen, wo man Gemeinsamkeiten hat und wo man sich unterscheidet. Das ist doch besser als, wie früher, einfach zu sagen: Man ist der natürliche Partner des Anderen.

SPIEGEL ONLINE: Sie müssen sich bemühen - die Union koaliert ja mittlerweile auch ganz gern mit SPD und Grünen, die FDP schaut als APO nur noch zu.

Fricke: Ja, es gibt es keine Machtoption. Deshalb sind wir in der Diskussion sehr frei, und deshalb können wir die Treffen auch jetzt machen. Dann kommt nämlich niemand, nur um einen Posten zu bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie hatten die Idee gemeinsam mit dem CDU-Abgeordneten und Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter. Wie stellen Sie sich denn einen Kartoffelküchen-Abend vor?

Fricke: Kampeter und ich denken an 15 bis 30 Mitglieder. Wir wollen nicht nur Bundespolitiker, sondern auch Verantwortliche aus den Ländern. Man trifft sich zweimal im Jahr, das erste Treffen könnte noch vor Ostern stattfinden. Immer mit jemandem, der den intellektuellen Input liefert, bei der Premiere soll das Prälat Karl Jüsten sein. Wir treffen uns in Berlin. Liegt natürlich nahe, ein Restaurant zu finden, das Kartoffelkeller oder Kartoffelküche heißt.

SPIEGEL ONLINE: Wer ist mit an Bord?

Fricke: Von der FDP habe ich sieben feste Zusagen. Es gibt ähnlich viele, die gesagt haben, sie überlegen es sich noch mal. Mehr Namen will ich noch nicht verraten. Kampeter und ich, wir kennen uns seit zehn Jahren, wir vertrauen einander. Wir sind uns sicher, dass wir interessante Leute zusammentrommeln.

SPIEGEL ONLINE: Und dann sitzen auch wieder die alten Minister von Schwarz-Gelb zusammen, nun am Küchen- statt am Kabinettstisch?

Fricke: Nein, das wäre ja das falsche Signal. Da kommen Sie und andere Journalisten doch wieder daher und schreiben: Schaut mal, die trauern alle Schwarz-Gelb hinterher.

SPIEGEL ONLINE: Zumindest sticheln Sie ein bisschen gegen die Große Koalition gerade jetzt, wo bei Schwarz-Rot die ersten Streitigkeiten aufbrechen?

Fricke: Ich habe noch keine Koalition erlebt, die nicht am Anfang gehakt hat. Die Große Koalition wird vier Jahre halten, leider.

SPIEGEL ONLINE: Immerhin: Die FDP ist wieder im Gespräch.

Fricke: Für mich selbst ist es eine schöne Möglichkeit, wieder Politik zu machen. Ich war die letzten Monate ja vor allem damit beschäftigt, die FDP-Bundestagsfraktion zu liquidieren. Schön war das nicht. Aber man bleibt ja ein politischer Mensch. Und anders als zu meiner Zeit als Parlamentarischer Geschäftsführer habe ich jetzt auch wieder Zeit für die grundsätzlichen politischen Dinge.

SPIEGEL ONLINE: Herr Fricke, jetzt mal ehrlich, wie sehr trauern Sie Schwarz-Gelb noch hinterher?

Fricke: Gewählt ist gewählt, wir waren einfach nicht gut genug. Damit ist der Drops gelutscht. Oder die Kartoffel gegessen.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. ... Politik-Mafia... nennt der Volksmund...
retterdernation 13.01.2014
... solch Verbindungen. Das muss ein unfassbarer Schock für alle Bundestagsabgeordneten gewesen sein, als ein Teil von ihnen, wie mit einem Messer, vom Wähler, aus ihrer Mitte heraus geschnitten wurde... die Betroffenheit ging durch alle Fraktionen, aller Gesichter... wen wundert es, dass nach den Wahlen quasi vier Monate nicht regiert wurde,der Schock saß wohl zu tief. Und jetzt berichtet die Medienlandschaft ständig über die neue - außerparlamentarische Opposition - Gründe/Gewichtung/und Häufigkeit dafür bleiben allerdings der Spekulation überlassen...
2. Ja, der Drops ist wohl gelutscht!
huettenfreak 13.01.2014
Das was Herr Fricke an Weisheiten so von sich gibt zeigt einmal mehr wie sehr die FDP im Parteienkonzert des Bundestages fehlt. Hoffentlich gibt es keinen aufgewärmten Kartoffelauflauf mehr!
3. Die Kartoffel-Connection
wurzelbär 13.01.2014
Ist die Sehnsucht nach der Kartoffel-Connection schon wieder so groß? Politiker wollen in einem neuen Gesprächskreis Gemeinsamkeiten ausloten. Ein Anruf beim Initiator Otto Fricke, Liquidator bei der Liberalen-Fraktion, der erklärt, was die Runde mit Kartoffeln zu tun hat. Muß nicht sein, da in einer Demokratie Wahlen verboten und überflüßig sind. Wenn also gewählt wird, wird sich nichts verändern.
4. Es ist richtig den Faden nicht abreißen zu lassen,
analyse 13.01.2014
solange die SPD krampfhaft versucht sich zu profilieren,in der irrigen Annahme die Kanzlerin sei schuld am schlechten AAbschneiden der SPD nach der vorigen großen Koalition. Je mehr sie sich abstrampelt auf ihr Image zu schielen,statt aufs sachliche regieren,desto schlechter wird sie bei den nächsten Wahlen abschneiden!
5.
montaxx 13.01.2014
Zitat von sysopIst die Sehnsucht nach Schwarz-Gelb schon wieder so groß? Politiker von Union und FDP wollen in einem neuen Gesprächskreis Gemeinsamkeiten ausloten. Ein Anruf beim Initiator Otto Fricke, Liquidator bei der Liberalen-Fraktion, der erklärt, was die Runde mit Kartoffeln zu tun hat. Kartoffelküche von Union und FDP: Interview mit Otto Fricke - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kartoffelkueche-von-union-und-fdp-interview-mit-otto-fricke-a-943286.html)
Köstlich,die Bezeichnung "Liquidator" für Herrn Fricke,der gerade die Fraktion der Apothekerpartei abwickelt...
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