Engagements prominenter Ex-Politiker Hofreiter und Gysi fordern Klärung der Kasachstan-Connection

"Nebulös", "dubios", "unheimlich": Die Opposition ist empört, dass Polit-Promis wie Otto Schily bereit waren, sich für die Ziele des kasachischen Diktators Nasarbajew einspannen zu lassen. Die Fraktionschefs von Linken und Grünen verlangen Konsequenzen.

Grünen-Politiker Hofreiter, Linken-Mann Gysi: Forderung nach Aufklärung
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Grünen-Politiker Hofreiter, Linken-Mann Gysi: Forderung nach Aufklärung


Führende Vertreter von Linken und Grünen üben scharfe Kritik an den Verbindungen ehemaliger deutscher Top-Politiker mit Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew und fordern Aufklärung.

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Heft 25/2015
Das Kasachstan-Komplott: Wie sich deutsche Politiker von den Millionen eines Diktators und seiner Diener locken ließen

"Ein nebulöser, kaum vorstellbarer, irgendwie unheimlicher Vorgang, der eines erfordert: vollständige Aufklärung", sagte Linken-Fraktionschef Gregor Gysi SPIEGEL ONLINE. "Es ist gut, Licht in diese Vorgänge zu bringen", so Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Er sagte weiter: "Es geht nicht an, dass sich Spitzenpolitiker nach ihrer Amtszeit weitläufige Kontakte durch dubiose Deals vergolden lassen."

Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe vom teilweise geglückten Versuch des kasachischen Diktators, über Mittelsmänner ehemalige deutsche Spitzenpolitiker wie Otto Schily, Gerhard Schröder und Horst Köhler für seine Zwecke einzuspannen. Auch ehemalige Top-Beamte und weitere deutsche Politiker sollen bereit gewesen sein, sich für die Interessen Nasarbajews einzusetzen. Der Diktator bemühte sich ebenfalls mit mehr und weniger Erfolg um die Dienste früherer Top-Politiker aus Österreich, Italien und Spanien und Polen.

Die kasachische Seite versuchte auch, den SPIEGEL für ihre Sache zu instrumentalisieren. Eine zentrale Rolle spielte in der ganzen Affäre offenbar eine Wiener Kanzlei. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der 74-jährige Nasarbajew regiert die ehemalige Sowjetrepublik Kasachstan seit einem Vierteljahrhundert mit harter Hand. Zuletzt ließ er sich im April 2015 erneut zum Staatschef wählen - der "Führer der Nation" holte fast hundert Prozent der Stimmen.

Die Ehefrau Schröders, Doris Schröder-Köpf, äußerte sich via Facebook zu den Vorwürfen. "Für alle Journalistinnen und Journalisten unter den Facebook-Freunden: Die SPIEGEL -Titelgeschichte ist - was Gerhard Schröder angeht - absolut falsch!"

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 84 Beiträge
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hubertrudnick1 14.06.2015
1. Moralapostel
Liebe Leute, die Moralapostel sind doch imgrunde immer nur diejenigen, die zur Zeit in politischer Verantwortung stehen und hin und wieder ihre politischen Statements abgeben, wobei es auch nur Scheinmoralisten sind. Man tritt in der Öffentlichkeit auf, spricht von der Verteidigung der christlichen Werte und macht trotzdem mit unliebsamen Zeitgenossen gute Geschäfte, für mich ist dieser Artikel nur eine Verlogenheit, man möchte Stimmung machen und mehr nicht. Unsere westliche Politik ist nicht grerade moralisch einwandfrei, darum ist es unglaubwürdig jetzt mit dem Finger auf andere zu zeigen.
dieteroffergeld 14.06.2015
2. Mandate für Anwälte
Nun - Gauweiler, Schily und Schröder (u.a. ?) waren und sind noch immer Anwälte. Ein Schelm, der Böses denkt, dass exakt diese drei ausgewählt wurden. Der Beigeschmack ist mehr als fad, aber so ist nun mal im Polit- bzw. Juristenbusiness. Alles immer eine Frage des Preise - oder doch eventuell der Moral? Aber wo findet sich die heute noch zumindest in ersterem Gewerbe?
erwin dunn 14.06.2015
3.
Wüssten wir über all die Korruption und fragwürdigen "connections" bestens Bescheid,nur in unserem Land,wäre jeder bereit,sich Mars One anzuschließen und diesen Planeten für immer zu verlassen.Eine positive Trendwende stellt die Tatsache da,dass immer mehr an die Oberfläche kommt,auch wenn wir trotzdem nach wie vor die Spitze des Eisbergs erfahren.Es ist aber eine Entwicklung, welche zumindest für nachfolgende Generationen hoffen lässt.
soalso 14.06.2015
4. so wird ein schuh draus...
verstehe die aufregung der opposition nicht. müsste es nicht heissen: 'die bevölkerung ist empört, dass sich die opposition und teile der regierungspartei spd für die ziele des russischen despoten putin einsetzen?' mit welchem recht spielen die bundestagsschauspieler also die empörten? ;)
quap.sel 14.06.2015
5. gern genauer erfahren!
Ja, ich würde auch gern genauer erfahren, zu welcher Zusammenarbeit/Hilfestellung/Machenschaft mit bekannten Diktatoren unsere Herren Spitzenpolitiker so bereit waren und ggf. sind!
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