Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kaserne in Bayern: Kinderkriegsspiel-Fotos setzen Bundeswehr unter Druck

Von und

Kriegsspiele für Kinder bei der Bundeswehr? Offiziell ist das verboten, aber was an einem Tag der offenen Tür in einer Kaserne in Bad Reichenhall passierte, ist offenbar kein Einzelfall: Auch im oberbayerischen Brannenburg hantierten Kinder mit Schusswaffen.

Bundeswehr: Waffenspiele für Kinder Fotos
RABATZ-Bündnis

Hamburg - Die zwei kleinen Jungen liegen unter einem Tarnnetz, vor ihnen ein Haufen Sandsäcke: Der eine Knirps kauert hinter einem Sturmgewehr, der andere kniet hinter einem Maschinengewehr. So hat es sich offenbar am 11. Juli 2009 am Tag der offenen Tür der Karfreit-Kaserne im oberbayerischen Brannenburg abgespielt - das linksautonome oberbayerisch-österreichische Bündnis Rabatz hat an diesem Dienstag entsprechende Fotos veröffentlicht.

Rabatz-Aktivist Michael Kurz sagte, er habe die Aufnahmen damals gemacht. "Die Fotos sind ein Beleg dafür, dass es keine Ausnahme ist, wenn Kinder bei Tagen der offenen Tür der Bundeswehr Waffen in die Hände bekommen", sagte der 28-jährige Student. Die Authentizität der Bilder konnte nicht geprüft werden.

An Einzelheiten des Tags der offenen Tür in Brannenburg kann sich Kurz nicht mehr erinnern. Es hätten aber mehrere Kinder Kontakt mit Waffen gehabt. In der Karfreit-Kaserne waren Gebirgspioniere stationiert. Der Standort wurde im Rahmen der Bundeswehrreform im vergangenen Jahr aufgelöst, die Gebirgspioniere sind nach Ingolstadt umgezogen.

Kriegsspiele für Kinder bei der Bundeswehr - die jüngsten Bilder kommen für die Truppe zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Kinder Ende Mai bei einer Öffentlichkeitsveranstaltung der Gebirgsjäger in Bad Reichenhall unter Anleitung von Soldaten mit Zielerfassungssystemen von echten Panzerfäusten auf kleine Holzhäuser zielen konnten. Auf dem Gelände der General-Konrad-Kaserne war dafür eigens eine Miniaturstadt aufgebaut worden, sogar ein Ortsschild gab es: "Klein-Mitrovica". Die Gebirgsjäger waren im Rahmen ihres KFOR-Einsatzes auch für die kosovarische Stadt Mitrovica zuständig.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Traunstein Vorermittlungen wegen des Vorfalls in Bad Reichenhall eingeleitet. Einem Bericht des "Münchner Merkurs" zufolge geht es um den Verdacht der Volksverhetzung und des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Auch die Bundeswehr hat Ermittlungen eingeleitet. Die 10. Panzerdivision prüfe, ob gegen Vorschriften verstoßen worden sei, sagte Oberstleutnant Siegfried Houben, Sprecher vom Presse- und Informationszentrum des Heeres, SPIEGEL ONLINE. Es gebe bei Öffentlichkeitsveranstaltungen der Bundeswehr eine klare Regelung, "dass Jugendlichen und Kindern unter 18 Jahren der Zugang zu Waffen verwehrt werden soll".

Politiker von SPD, Grünen und der Linken hatten den Vorfall in Bad Reichenhall scharf kritisiert. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour sagte den WAZ-Zeitungen: "Es ist eine Katastrophe, welches Bild von der Bundeswehr hier gezeichnet wird." Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD, hatte erklärt, dass ein solches Kriegsspiel in der Kaserne "in keiner Weise akzeptabel" sei. Die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke sagte: "Die Bundeswehr schlägt bei ihrer Nachwuchswerbung nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks, sondern sie tritt auch die Kinderrechte mit Füßen."

Gebirgsjäger waren in der Vergangenheit immer wieder in Skandale verwickelt. So wurden etwa 2006 Bilder von einer Leichenschändung in Afghanistan bekannt: Soldaten aus Mittenwald hatten mit Schädeln von Toten posiert. Im vergangenen Jahr wurde öffentlich, dass Rekruten bei den Gebirgsjägern in Mittenwald unter anderem rohe Schweineleber essen mussten - als Mutprobe.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 477 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
tsuru 07.06.2011
Da geht mir doch schon wieder der Hut hoch. Da werden von Berufsbedenkenträgern Probleme konstruiert, wo keine sind. Waffen(-atrappen) sind nichts von naturaus Böses, auch wenn gewissen Kreise und vor allem Parteien das herbeireden wollen, und so schon den Schützensport austrocknen. Die Bundeswehr soll doch Berufsarmee sein. Aber bitte ihr Werkzeug verstecken am Tag der offnen Tür. Von Handwerksfirmen, die Werkzeuge einsetzen, an denen man sich auch verletzen kann, wird das auch demnächst gefordert?
2. Ja und?
North, 07.06.2011
Jungs haben nun mal eine natürliche Affinität zu Waffen/dem Kriegsspiel, daher kann ich an diesem Vorfall nun wirklich nichts schlimmes finden. Lustig auch, wie sich mal wieder die Herrschaften "von links" künstlich aufregen. Meine Güte, die Kiddies hatten offensichtlich Spaß an diesem kleinen Kriegsspiel, man stelle sich das vor! Ich hätte als Kind bei einer solchen "Besichtigung" vor Stolz und Aufregung auch nicht mehr stillstehen können, hätte ich die Möglichkeit gehabt, einmal eine solche Waffe in Händen halten zu dürfen. (oder gar noch mit einer Kanone zu zielen/schiessen, wow!) "Verletzung von Kinderrechten", einfach nur lächerlich! Wenn man sonst keine Probleme hat.....
3. ohjeeeminee
DefTom 07.06.2011
Zitat von sysopKriegsspiele für Kinder bei der Bundeswehr? Offiziell ist das verboten, aber was an einem Tag der offenen Tür in einer Kaserne in Bad Reichenhall passierte, ist offenbar kein Einzelfall: Auch im oberbayerischen Brannenburg hantierten Kinder mit Schusswaffen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,767210,00.html
Man sieht es immer wieder: Unsere Bundeswehr -nicht nur im Einsatz ohne Gleichen-, nein, auch fernab der Konflikte: echte PR-Profis!!! Für alle, die es ausdrücklich benötigen: Das war Ironie
4. .
raka, 07.06.2011
Zitat von sysopKriegsspiele für Kinder bei der Bundeswehr? Offiziell ist das verboten, aber was an einem Tag der offenen Tür in einer Kaserne in Bad Reichenhall passierte, ist offenbar kein Einzelfall: Auch im oberbayerischen Brannenburg hantierten Kinder mit Schusswaffen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,767210,00.html
Wie verlogen. Einmal ist der Dienst an der Waffe was wunderbares, das Lob auf unsere Soldaten in Afghanistan kann gar nicht groß genug ausfallen. Dann wieder ist es jugendgefährdend und Kinder verderbend, Waffen in der Kaserne zu besichtigen. Entscheidet Euch, Ihr Moralapostel! (Übrigens war ich mit meinem Vater, einem Berufsoffizier, selbst permanent in der Kaserne, habe auf Panzern rumklettern und mitfahren dürfen, etc. Und was ist aus mir geworden? Ein mordlüsterner Söldner etwa, der zum Frühstück rohes Fleisch frisst und den ganzen Tag seine Waffensammlung poliert? Nö, Wehrdientverweigerer und Zivildienstleistender.) :D
5.
taiga, 07.06.2011
Zitat von sysopKriegsspiele für Kinder bei der Bundeswehr? Offiziell ist das verboten, aber was an einem Tag der offenen Tür in einer Kaserne in Bad Reichenhall passierte, ist offenbar kein Einzelfall: Auch im oberbayerischen Brannenburg hantierten Kinder mit Schusswaffen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,767210,00.html
Ohhh, wie ist das schlimm. Jetzt brechen für die Oberkorrekten wieder ganze Mauern ein. Kinder hantieren mit Waffen. Nicht zu fassen. Man beachte das hoch kompetente Reporterteam: Das linksautonome oberbayerisch-österreichische Bündnis "Rabatz" hat Fotos davon gemacht. was für eine Heuchelbande. Mir wäre es lieber, sie würden mit ihren Kameras mal in den deutschen Banlieus, dort, wo jeden Abend Autos aller Schichten (!) brennen, draufhalten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gebirgsjäger der Bundeswehr
Für den Kampf in schwierigem Gelände unterhält die Bundeswehr eine Gebirgsjägertruppe. Die insgesamt rund 6500 Soldaten sind körperlich besonders fit, können klettern und skifahren. Sie sind für den Einsatz unter extremen Witterungs- und Geländebedingungen ausgebildet und ausgerüstet. Als Einsatzgebiete kommen neben dem Gebirge auch Wüste und arktisches Gelände infrage.
Organisation
Die Spezialtruppe ist in verschiedene Einheiten unterteilt. Standort des Brigadestabes ist Bad Reichenhall in Bayern. Dem Großverband sind sieben Bataillone an fünf bayerischen Standorten unterstellt. Zentrale Ausbildungseinrichtung ist die Gebirgs- und Winterkampfschule im bayerischen Mittenwald. Mit der Jäger- und Fallschirmjägertruppe bilden die Gebirgsjäger die Infanterietruppen.
Ausrüstung
Die Soldaten müssen sich zu Fuß, auf Skiern oder mit Geländefahrzeugen in schwierigem Terrain behaupten. Zur Ausrüstung der Männer gehören Hand-, Flächenfeuer- und Panzerabwehrwaffen sowie Fernmeldegeräte. Bei Bedarf werden «Mulis» (Maultiere) als Transportmittel eingesetzt.
Einsätze
Mehrfach wurden die Spezialisten in Auslandseinsätze geschickt. So war das Gebirgsjägerbataillon 233 im Rahmen der internationalen Schutztruppe Isaf in Afghanistan und als Teil der Friedenstruppe KFOR im Kosovo. Zur Aufgabe der Soldaten gehört auch die Rettung aus Bergnot


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: