Milliarden-Rüstungsdeal: Katar will deutsche Panzer kaufen

Deutschland könnte vor einem milliardenschweren Rüstungsgeschäft stehen: Nach SPIEGEL-Informationen hat Katar Interesse an bis zu 200 deutschen Panzern vom Typ "Leopard 2" bekundet. Kanzleramt und Wirtschaftsministerium hätten offenbar nichts gegen den Deal.

Hamburg - Der deutsche Panzer vom Typ "Leopard 2" ist gefragt: Nach Informationen des SPIEGEL hat jetzt die Regierung in Katar Interesse an dem Kriegsgerät signalisiert. Die Scheichs wollen demnach bis zu 200 "Leopard 2"-Panzer kaufen, das Volumen des Geschäfts könnte an die zwei Milliarden Euro heranreichen.

Erste Vorbereitungen sind laut SPIEGEL schon getroffen worden: Schon vor Wochen reiste eine Delegation der Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann nach Katar, um über das Vorhaben zu sprechen. Im Bundessicherheitsrat ist der Wunsch der Katarer bislang nicht diskutiert worden. Das Kanzleramt kann sich ein Geschäft mit Doha aber ebenso vorstellen wie das Bundeswirtschaftsministerium.

Katar ist dank seiner riesigen Gasvorkommen einer der wohlhabendsten Staaten der Welt - derzeit unterstützt das Land die Aufständischen in Syrien mit Waffenlieferungen.

Vor knapp drei Wochen erst war Kanzlerin Merkel nach Berichten über einen von der indonesischen Regierung gewünschten Rüstungsdeal in Erklärungsnot geraten. Im Zusammenhang mit einem Besuch Merkels in Jakarta hatte die Zeitung "Jakarta Post" geschrieben, dass Indonesien Interesse an 100 Panzern hätte, die ersten 15 gebrauchten "Leopard 2"-Panzer aus Beständen der Bundeswehr sollten demnach schon im Oktober geliefert werden. Indonesiens Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono hatte die Anfrage an die Bundesregierung daraufhin indirekt bestätigt.

Bundesregierung will Rüstungsgeschäfte erleichtern

Merkel wollte sich zum Thema Panzer nach dem Gespräch mit Yudhoyono nicht äußern. Über Details sei nicht gesprochen worden, so die deutsche Regierungschefin. Dabei hatte die Bundesregierung Ende Mai auf eine Anfrage der Linksfraktion bereits einräumen müssen, dass die indonesische Regierung Anfang 2012 mündlich "über ihr Interesse an deutscher Technologie (Kampfpanzer "Leopard 2") (...) informiert" habe. Eine Anfrage zur Überlassung von Panzern aus Beständen der Bundeswehr liege jedoch nicht vor.

Grundsätzlich ist in der Opposition Kritik am Vorgehen bei Waffenexporten aus Deutschland laut geworden. Für Irritationen hatte zuletzt gesorgt, dass deutsche Rüstungsfirmen versuchen, Exportbeschränkungen zu umgehen, um Milliardengeschäfte mit Indien abzuschließen.

Seit Monaten wird hitzig über die mögliche Lieferung von Hunderten deutschen "Leopard 2"-Panzern nach Saudi-Arabien diskutiert. Für Aufregung hatte auch gesorgt, dass die Bundeswehr der Herstellerfirma Krauss-Maffei Wegmann bereits bei der militärischen Erprobung der hochmodernen Panzer in Saudi-Arabien hilft. SPIEGEL ONLINE hatte über den Vorgang berichtet.

Seit der SPIEGEL im Juli 2011 enthüllt hatte, dass der Bundessicherheitsrat, der alle Waffenlieferungen genehmigen muss, eine Voranfrage der Saudis über 270 Panzer positiv beschieden hatte, lehnt vor allem die Opposition eine solche Lieferung rigoros ab. Die Bundesregierung schweigt zu der Anfrage beharrlich und verweist grundsätzlich auf die Geheimhaltung bei Entscheidungen des Bundessicherheitsrats. Gleichwohl hatten im Frühjahr Vertreter der Koalition durchaus abstrakt argumentiert, eine Lieferung nach Saudi-Arabien diene den deutschen Interessen einer engen Partnerschaft mit dem Land. Ebenso hieß es, eine mögliche Lieferung sei bereits mit Israel abgesprochen.

Unterdessen versucht die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen in der Nato eine Liste von Drittstaaten aufzustellen, mit denen Rüstungsgeschäfte aus strategischen Gründen erlaubt sein sollen. Auf dem Nato-Gipfel in Chicago im Mai war die Bundesregierung am Widerstand der Bündnispartner gescheitert. Der deutsche Nato-Botschafter Martin Erdmann soll nun in Brüssel einen weiteren Versuch starten. Kanzlerin Merkel hofft, mit einer solchen Liste Rüstungsexporte innenpolitisch leichter durchsetzen zu können.

Deutschland ist drittgrößter Waffenexporteur der Welt. Dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri zufolge hat die Bundesrepublik mit elf Prozent am konventionellen Waffenhandel so viele Rüstungsgüter exportiert wie Frankreich und Großbritannien zusammen.

Mehr Informationen zum Rüstungsgeschäft finden Sie im neuen SPIEGEL ab Montag am Kiosk und in der digitalen Ausgabe.

anr

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 236 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ein normales Geschäft
tkrampitz 29.07.2012
Wenn wir den Deal nicht abschließen, wird es jemand anderes tun. Was spricht gegen solche Geschäfte? Es ist ein normales Geschäft. Zu welchem Zweck das gelieferte Gerät verwendet wird kann und sollte nicht unsere Sorge sein. Wir haben keinerlei Recht uns in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.
2. Pecunia non olet
homerlein 29.07.2012
Zitat von sysopDeutschland könnte vor einem milliardenschweren Rüstungsgeschäft stehen: Nach SPIEGEL-Informationen hat Katar Interesse an bis zu 200 deutschen Panzern vom Typ "Leopard 2" bekundet. Kanzleramt und Wirtschaftsministerium hätten offenbar nichts gegen den Deal. Katar will 200 Leopard 2-Panzer von Deutschland kaufen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,846966,00.html)
Geld stinkt nicht. Und der Killerargument: wenn wir es nicht machen, dann machen es die andere. Andererseits: glaubt jeman tatsächlich, dass Katar jemand angreifen würde? Die Dinger sind nur zur Selbstverteidigung gedacht.
3. Warum sollten die auch etwas dagegen haben?
u.loose 29.07.2012
Zitat von sysopDeutschland könnte vor einem milliardenschweren Rüstungsgeschäft stehen: Nach SPIEGEL-Informationen hat Katar Interesse an bis zu 200 deutschen Panzern vom Typ "Leopard 2" bekundet. Kanzleramt und Wirtschaftsministerium hätten offenbar nichts gegen den Deal. Katar will 200 Leopard 2-Panzer von Deutschland kaufen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,846966,00.html)
Oder soll man Katar lieber deutsche PV-Anlagen aus doitscher Produktion anbieten? Das wäre wohl im Sinne bestimmter Kreise...
4. Deutsche Waffen füt Krisengebiete
Pandora0611 29.07.2012
Zitat von sysopDeutschland könnte vor einem milliardenschweren Rüstungsgeschäft stehen: Nach SPIEGEL-Informationen hat Katar Interesse an bis zu 200 deutschen Panzern vom Typ "Leopard 2" bekundet. Kanzleramt und Wirtschaftsministerium hätten offenbar nichts gegen den Deal. Katar will 200 Leopard 2-Panzer von Deutschland kaufen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,846966,00.html)
Deutschland ist einer der größten Waffenlieferanten der Welt! Da ist es nur logisch, daß Deutschland Panzer an die Saudis und Katar "verkauft"! Pecunia non olet!
5. Wo ist das Problem?
Walther Kempinski 29.07.2012
Wenn wir die Panzer nicht verkauft, dann machens die Russen, Amerikaner oder Briten. Ich weiß nicht, was es bei solchen Sachen zu moralisieren gibt. Als rot-grün noch an der Macht war, gingen die Waffenverkäufe auch nicht zurück. Niemand hat die Eier zu sagen, dass die Waffengeschäfte nun eingeschränkt werden und das dadurch die Leute in D ihre Arbeit verlieren werden. Noch nicht mal Claudia Roth wagt das zu verkündigen (Kritisieren schon, aber am Ende die Verkäufe wirklich einzustellen wagt nicht mal sie) --> (auch die Grünen wollen wieder gewählt werden). Von daher ist es egal wer die Waffen liefert. Die Moralfrage ist überdies sehr müßig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Panzer
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 236 Kommentare
  • Zur Startseite
Berlin, Verteidigungsministerium, 08.02.2012 - Betreff Euro Hawk: Nicht abschätzbare technische, zeitliche und finanzielle Risiken: Die Drohnen-Affäre des Thomas de Maizière

Heft 23/2013 | Inhalt | Vorabmeldungen

Apps: Windows 8 | iPad | iPhone | Android

Digitale Ausgabe kaufen | Druckausgabe

SPIEGEL testen + Geschenk | Abo


Fotostrecke
Rüstung: Tödliche Exportschlager - made in Germany
Fotostrecke
Exportschlager Kriegsgerät: Der deutsche "Leopard 2"-Panzer

Bevölkerung: 1,759 Mio. Einwohner

Fläche: 11.493 km²

Hauptstadt: Doha

Staatsoberhaupt:
Tamim Bin Hamad Al Thani

Regierungschef: Abdullah Bin Nassir Bin Chalifa Al Thani

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Arabien-Reiseseite