Neonazis Band ruft zum Mord an Linken-Politikerin auf

Katharina König kämpft gegen Rechtsextremismus und macht sich damit Feinde - jetzt rief eine Neonazi-Band in einem Lied offen zum Mord an der Thüringer Landtagsabgeordneten auf. Ihre Fraktion hat Anzeige erstattet.

Linken-Politikerin Katharina König
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Linken-Politikerin Katharina König


Sie nennen sich "Erschießungskommando" und haben zum Mord an der Thüringer Linken-Landtagsabgeordneten Katharina König und ihren Vater aufgerufen. Königs Vater ist der Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König.

"Bald bist du endlich dran [...] Wir warten ungeduldig, Bereit für diesen Kampf, Du wirst grausam sterben, Das ist nicht die Frage [...] Vom Landtag auf die Bahre", lauten einige Zeilen des Liedes, das die Schweizer Band vor vier Tagen auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht habe, wie das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft am Freitag in Jena bekannt machte. Die Sprache des Liedtextes sei die des Rechtsterrorismus, sagte Instituts-Direktor Matthias Quent.

Andere Songs der Band tragen Titel wie "An allem sind die Juden schuld" oder "Ist uns doch egal, ob der Neger verreckt". Einige verweisen auf neonazistisch-terroristische Organisationen wie "Combat 18" oder "Blood and Honour".

Als erste hatte die "Thüringer Allgemeine" über den Fall berichtet. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Susanne Hennig-Wellsow, zeigt sich entsetzt: "Es ist unfassbar, dass Neonazis ungehemmt Mordaufrufe gegen Katharina König und ihren Vater verbreiten", sagte sie. Die Fraktion habe Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Aufrufs eingeschaltet und Anzeige erstattet. Auch die Landesregierung sei über das Lied informiert worden, weil nach Angaben des Instituts auch der Name von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) darin genannt wird.

Die Landtagsabgeordnete König, die auch als Mitglied im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss sitzt, hatte schon in der Vergangenheit Morddrohungen erhalten, allerdings nie in einer solchen Qualität. Auch im Internet wird sie immer wieder angegriffen. Sie und ihr Vater gelten als entschiedene Kämpfer gegen Rechtsextremismus.

Inzwischen wurde das Lied bei Youtube gesperrt.

ipp/dpa



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