Katholiken gegen AfD und Pegida Kämpft um ihre Seelen!

Marschieren die besorgten Bürger, schalten die Kirchenherren das Licht aus. Diese Geste reicht aber nicht: Jeder Christ muss sich gegen die unchristliche Botschaft von AfD und Pegida stellen.

Licht aus, wenn die Besorgten marschieren: Verdunkelter Dom in Köln (Archivbild)
DPA

Licht aus, wenn die Besorgten marschieren: Verdunkelter Dom in Köln (Archivbild)

Ein Gastbeitrag von Alexander Görlach


Zum Autor
  • Lars Mensel
    Alexander Görlach ist der Gründer, Herausgeber und Chefredakteur des Debatten-Magazins "The European". Der promovierte Theologe und Linguist forscht derzeit als Gastwissenschaftler an der US-Universität Harvard zu Fragen des Säkularismus, der Trennung von Staat und Religionen und ihren Einfluss auf den öffentlichen Raum. Zuletzt erschien von ihm bei Campus "Wir wollen euch scheitern sehen! Wie die Häme unser Land zerfrisst."
Die katholische Kirche positioniert sich nachhaltig gegen die sogenannte Alternative für Deutschland. Nachdem unter anderem die Bischöfe in Köln und Erfurt die Beleuchtung ihrer Kathedralkirchen abgeschaltet haben, um den Märschen der neuen Rechten nicht etwa eine festliche Kulisse zu ermöglichen, sind nun die Kirchenmitglieder mitgezogen und haben die AfD wissen lassen, dass ihre Anwesenheit beim nächsten Katholikentag in Leipzig nicht erwünscht ist.

Selten zogen Kirchenführung und Laien in der jüngeren Vergangenheit in einer Sache so gemeinschaftlich vereint an einem Strang. Absorbiert von Sorgen um klerikalen Nachwuchs, Mitgliederschwund und Glaubwürdigkeitsverlust durch den abscheulichen Missbrauchsskandal hat die katholische Kirche in den letzten Jahren an vielen Debatten nicht mehr wirklich teilgenommen. Das Auftreten der neuen Rechten in der deutschen Öffentlichkeit und Politik zwingt sie nun förmlich dazu. Weil es um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft geht. Weil alles, was am Abendland noch christlich ist, zur Disposition steht. Und auch, weil sich in den Reihen der Demonstranten und Rechts-Sympathisanten auch Christen bewegen: Das Kreuz in schwarz-rot-goldenen Farben, mitgeführt bei einem Pegida-Marsch in Dresden, ist trauriges ikonografisches Zeugnis dieser Verirrung. Die Lehre des Christentums ist mit keiner völkischen und rassistischen Bewegung vereinbar. Sie war nicht mit der Nazi-Ideologie vereinbar, sie ist es auch heute nicht mit der AfD und ihrem Gedankengut.

Das Gegenteil christlichen Denkens

Den ideologischen Grund für rassisches Denken legen damals wie heute der Naturwissenschaftler Darwin und der Philosoph Nietzsche. Der aus der wissenschaftlichen Theorie von Darwin abgeleitete Sozialdarwinismus ist eine politische Interpretation seiner Thesen: Aus der Selektion und Mutation von Arten normative Behauptungen aufzustellen über den Aufbau von Gesellschaften und wer zu ihnen gehört und wer nicht, war nicht seine Absicht. Seine Theorie diente und dient aber für genau das: So ist ein darwinistischer Zungenschlag in den Reden von Bernd Höcke unverkennbar, etwa wenn er über bestimmtes Verhalten von Typen von Menschen und ihrem angeblichen Paarungsverhalten schwadroniert.

Und dann Nietzsche: Er hatte sich zeit seines Schaffens gegen die Vorstellung des barmherzigen Christengottes gestellt und mit der Behauptung reüssiert, dass schwaches Leben nicht zu leben verdiene. Die Mickrigen hätten einen Gott für sich, die Schwachen, erfunden, um am Leben bleiben und sich von den Starken nähren zu können. Die Ähnlichkeit zum empathielosen Sprechen über die Flüchtlinge, das leider bisweilen bis ins bürgerliche Lager unserer Gesellschaft vordringt, ist allzu offenkundig. Die christliche Lehre verlangt hingegen nicht weniger, als im anderen sich selbst zu erblicken. Den anderen zu lieben, wie man sich liebt. Eine Welt ohne Empathie, ohne die Fähigkeit, mit dem Verfolgten und Entrechteten mitzufühlen, kann sich niemals das Prädikat christlich anheften.

Dem Ausladen der AfD muss daher nun eine explizite Auseinandersetzung mit den Bestandteilen der Neuauflage ihrer rechten Ideologie folgen. Diese muss auch auf dem Katholikentag geschehen, von den Kanzeln herab, im Religionsunterricht, in den Radio- und Fernsehprogrammen, die unter kirchlichem Gestaltungsanspruch stehen.

Kirchen gehören eben nicht "dem Volk"

Denn die antikirchliche Rhetorik der AfD zeigt ja, dass sie nicht gewillt ist, sich von einem christlichen Humanismus in die Schranken weisen zu lassen: Da schreit Bernd Höcke an die Adresse des Bischofs von Erfurt, der die Domkirche der Stadt verdunkelt hatte, dass dieser Dom nicht etwa der Kirche gehöre, sondern der Dom des Volkes sei. Nein, Herr Höcke, das ist nicht Ihr Dom oder der Dom Ihrer Gefolgschaft. Der eine oder andere mag jetzt denken: Recht hat er, der Höcke, denn diese Domkirche wird ja auch mit Steuermitteln restauriert. Das ist zu einfach gedacht, und schon machen die Rechten einen Punkt. Sie sind in allem, was sie sagen, gefährlich, auch wenn sie "nur" die Kirche anzugreifen scheinen, greifen sie das Gemeinwesen als Ganzes an.

Denn es gibt keine inklusiveren Orte in Deutschland als Kirchengebäude. Sie laden alle Menschen guten Willens ein, darin zu verweilen, egal welcher Herkunft, ob sie im Moment gläubig, zweifelnd oder ungläubig sind. Die christliche Botschaft, die in ihnen verkündet wird, richtet sich an alle Menschen ohne Unterschied in Herkunft oder anderer, unterscheidender Merkmale. Der Dom von Erfurt gehört ebenso wenig wie jede andere Kirche in Deutschland dem Volk. Sie gehören der Christenheit - und die ist immer größer als ein behauptetes Blut- oder Rasseband.

Die Kirche braucht nun viele Unterstützer. Denn klar ist: Die zwölf Prozent für die AfD in den Umfragen kommen nicht von ungefähr. Es sind, gerade im Westen des Landes, sicher etliche eingeschriebene Kirchenmitglieder unter ihren Sympathisanten. Solange ihre Wahlzettel nicht in der Urne liegen, gilt es, um jeden zu kämpfen und zu ringen, wie in der mittelalterlichen Vorstellung Engel und Teufel um die Seele jedes einzelnen Menschen gerungen haben. Diese Aufgabe kann die Kirche nicht allein stemmen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 250 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fritzausDA 21.02.2016
1. Ausgerechnet die Pfaffen!
Deutschland ist auf dem Papier ein Staat, der von der Kirch getrennt ist. Dank Adolf hat aber die Religion noch immer ein viel zu hohen Stellenwert. Ich bin "islamfeindlich" und dazu stehe ich auch; denn eder Islam ist im Gegensatz zur inzwischen relativ (!) "harmolesn" RKK eine akute Gefahr nicht nur für dieses unser Deutschland, sondern für die ganze Welt! Schächten, Beschneiden, Leute umbringen, "weil es so im Koran steht" - DAS ist die Realität!
M. Michaelis 21.02.2016
2.
Toll, nun hat der Spaltpilz auch die katholische Kirche befallen. Immer schön weiter die Zentrifugalkraft verstärken, immer neue ideologische Kampflinien eröffnen. Das löst nur kein einziges Problem, es schafft neue und weist einmal mehr die breitbandige Überforderung Deutschlands. Irgendwie klappt das im Ausland besser. Die haben die pragmatische Vernunft noch nicht begraben und handeln.
nordlys 21.02.2016
3. Christlich?
Wie lautet denn die Botschaft unserer christlichen Regierung? Deutschland rettet die Welt, bis die Steuergelder alle sind, und dann drucken wir uns neues?
gutmichl 21.02.2016
4. Kirchen auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit
Mit Aktionen wie dem Lichtabschalten beschleunigen die Kirchen ihren eigenen Niedergang. Die islamischen Staaten sponsern den Islam in Deutschland, während heimische christliche Kirchen gegen die darüber alarmierten Gemeindemitglieder kämpfen. Kein Wunder, dass die Zahl der Kirchenmitglieder stark rückläufig ist.
kappelc 21.02.2016
5. Amen
Na "Gott sei Dank" bin ich Atheist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.