Ex-Pegida-Chefin Kathrin Oertel entschuldigt sich bei Muslimen

Neue Töne von Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel: Auf Facebook hat sie ein Video gepostet, in dem sie sich bei allen Muslimen entschuldigt. Sie sei mitverantwortlich für antiislamische Hetzkampagnen.

Facebook / Kathrin Oertel

Ein tiefer Blick in die Kamera, ein leicht verwackeltes Bild von schräg unten, im Hintergrund ein Autositz - die ehemalige Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel nimmt die Videobotschaft offenbar mit ihrem Handy auf. Dann sagt sie die überraschenden Worte: "Ich möchte mich bei allen Muslimen entschuldigen, die hier in unserem Land friedlich leben - das sind nämlich die meisten von ihnen, und das vergessen einfach total viele."

Ungewohnte Töne aus dem Mund der Ex-Pegida-Frontfrau, die noch vor wenigen Monaten wochenlang montags gegen die angebliche "Islamisierung des Abendlandes" protestierte. Nun gibt sie sich versöhnlich: "Ich fühle mich ein Stück weit mitverantwortlich für die ganze Hetzkampagne, die hier losgetreten worden ist", sagt sie. "Ich kann in Zukunft nur alles dafür tun, dass das wieder in Ordnung kommt."

Ihre Worte stoßen auf Facebook offenbar auf Zustimmung. "Späte Einsicht ist besser als keine", heißt es in den Kommentaren, oder: "Es braucht viel Mut einzugestehen, dass man einen Fehler gemacht hat."

Im Januar verließ Oertel Pegida, nachdem von Gründer Lutz Bachmann ein Foto mit Hitlerfrisur und - bärtchen aufgetaucht war. Daraufhin gründete sie mit anderen Aktivisten aus der Führungsebene des Bündnisses die Konkurrenzorganisation "Direkte Demokratie für Europa", die sich rechts von der CDU positionieren wollte - ein Flop. Gerade einmal 500 Menschen kamen zur ersten Kundgebung. Oertel stieg aus.

Mitte April nahm sie dann an einer Demonstration des Bündnisses "Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas" teil. Von der Anti-Islamisierung zur Anti-Amerikanisierung. Das Schaffen von Feindbildern müsse aufhören, sagt sie in ihrer Videobotschaft.

Ihre Bemühungen seien jedoch nicht gerade auf Zustimmung gestoßen. "Wir sind persönlich beschimpft worden - das geht zu weit", klagt sie. "Bevor man mit dem Finger auf andere zeigt, sollte man sich selbst reflektieren."

Das wolle sie nun tun - auf einer Demonstration am 1. Mai in Dresden. Die Kundgebung wird von einer Bewegung namens "193 Friedenstauben" organisiert.

kry

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