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Generationen-Debatte: Es geht uns gut!

Ein Gastbeitrag von Katrin Albsteiger, CSU

Bayerns JU-Chefin: Die "Albsteigerin" klettert sich warm Fotos
JU Bayern

Keine Perspektive, Stress, mies bezahlte Jobs - geht es den jungen Menschen in Deutschland so schlecht wie Piraten-Frau Katharina Nocun öffentlich beklagt? Nein! Jammern und Twittern hilft nicht gegen Generationenfrust.

Kaum zwei Wochen im Amt meldet sich die neue Politische Geschäftsführerin der Piraten, Katharina Nocun, mit einem Vorwurf zu Wort: Ihre Generation, die der Mittzwanziger und Dreißiger, hätte keine Perspektive. Im SPIEGEL fordert sie mehr Mitsprache für junge Menschen und zeichnet ein düsteres Bild. An Universitäten herrsche Druck und Stress, danach landeten viele in der Praktikafalle und in Zeitverträgen. Auch in der "Zeit" klagt Nocun: "Meine Generation hat keine Lobby."

Weil gerade keine netzpolitischen Demos für Furore sorgen, wollen die Piraten jetzt also mit sozialpolitischen Forderungen punkten. Dagegen allein ist nichts einzuwenden. Allerdings empfinde ich die Sichtweise meiner Altersgenossin - Nocun ist 26, ich bin 29 Jahre alt - als verstörend und beängstigend ideenlos. Wo bleibt die erfrischende Unbekümmertheit, mit der das "Start-up-Projekt" Piraten einst von der Kette gelassen wurde? Statt Kreativität und Gestaltungswillen hört man nur noch #mimimi.

Noch bedenklicher ist die Wahl der Mittel, mit der die Piraten die vermeintliche Perspektivlosigkeit junger Menschen bekämpfen wollen: mehr staatliche Hilfen, mehr Reglementierung, mehr Umverteilung. Nocun fordert ein Bildungsgrundeinkommen für alle, gedeckelte Rentenauszahlungen, die Abschaffung der Rente mit 67 und mehr Reglementierung beim Berufseinstieg. Das sind die gleichen Lebenslügen, mit denen linke Parteien seit Jahrzehnten scheitern: sozialromantische Vollversorgungsphantasien, in denen der Laden nur läuft, solange ein anderer die Zeche zahlt.

Nicht jammern, sondern mitmachen

Frau Nocun will der jungen Generation helfen, indem staatliche Leistungen ausgebaut werden. Mehr staatliche Leistungen bedeuten aber: Verschuldung. Die fatale Logik, mit zeitweiliger Verschuldung in die Zukunft zu investieren, um dann langfristig mehr Mittel zur Verfügung zu haben, hat noch nie geklappt. Ein Blick in den Süden Europas oder nach Nordrhein-Westfalen beweist das. Deutschland hat zudem seine Hausaufgaben nicht allzu schlecht erledigt: In Spanien haben mehr als 50 Prozent der jungen Menschen keinen Job. Bei uns sind es acht Prozent. Die "Alles ist Schlecht"- Thesen der Piraten kommen bei diesem Vergleich einigermaßen albern daher.

Den einen oder anderen wichtigen Punkt spricht die Piratin durchaus an. Die sozialen Sicherungssysteme sind nicht generationengerecht und damit reformbedürftig. Als Vertreterin der bürgerlichen Jugend setze ich hier aber lieber auf flexiblere Arbeitsmodelle, zum Beispiel eine freiwillige Spätrente, eine Entlastung der Eltern bei der Rentenversicherung und eine Stärkung der privaten Säule der Rentenversicherung, die nicht mit der Grundsicherung verrechnet werden darf.

Im Gegensatz zu den Piraten will die bürgerliche Jugend dies gemeinsam mit der älteren Generation schaffen und nicht gegen sie. Dieser Kampf wird aber nicht nur in sozialen Netzwerken oder auf der Straße entschieden, sondern hauptsächlich in den Parlamenten. Wenn man für die junge Generation etwas erreichen will, muss man die Ärmel hochkrempeln und anpacken. Gegen verschuldete öffentliche Haushalte hilft kein Frust-Twittern.

Nicht jammern, sondern mitmachen, ist die Devise.

Die große gesellschaftliche Depression? Eine Fehldiagnose

Abgegriffene Label wie "Generation Praktikum" oder "Generation Politikverdrossenheit" suggerieren zudem eine pauschale gesellschaftliche Realität, die ich ins Reich der Fantasie verweise. Junge Menschen haben heute Möglichkeiten, die für ihre Eltern und Großeltern in weiter Ferne lagen. Junge Frauen finden eine Arbeitswelt vor, von der unsere Mütter und Großmütter nur träumen konnten.

Wir haben allein in den Bereichen Bildungsdurchlässigkeit, Aufstiegschancen im Beruf oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie wahnsinnig viel erreicht, und die Tendenz ist weiter positiv.

Ich rufe nicht dazu auf, dass wir Jungen uns mit allem zufriedengeben. Doch die große gesellschaftliche Depression ist eine Fehldiagnose. "Viele junge Menschen frustriert die Ignoranz der Politik", sagt Nocun. Ich sehe etwas anderes. Ich sehe junge Menschen, die gestalten, ihres eigenen Glückes Schmied sein und ihren individuellen Weg gehen wollen.

Alles, was wir dafür brauchen, sind anständige Rahmenbedingungen und Chancengerechtigkeit. Staatliche Gängelung, Umverteilung oder Schulden will meine Generation nicht.

Zur Person
  • JU Bayern
    Katrin Albsteiger, geb. Poleschner (29), ist die Vorsitzende der Jungen Union Bayern. Bei der jüngsten Bundestagswahl zog sie auf CSU-Ticket in den Bundestag ein. Auf dem CSU-Parteitag 2010 kämpfte sie gegen die von der Parteiführung angestrebte Frauenquote an. Die Volkswirtin sieht ihre politischen Schwerpunkte im Bereich Bildung und Generationengerechtigkeit.

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1.
Pollenolli 24.05.2013
Die interessante Frage ist ja nicht wieviele junge Leute einen Job haben. Sondern wieviele von den 92% junger Leute die einen haben für Minilöhne arbeiten müssen?
2. Endlich
gastro 24.05.2013
sagt es mal jemand.... Das Problem sind nicht die fehlenden Chancen und Kompetenzen sondern vielmehr die zunehmende Regulierung und Bürokratie sowie der Verlust des gesunden Menschenverstandes. Und das betrifft leider besonders die beschriebene Generation, die mit Rahmenbedingungen und Zielen gross geworden ist, die schon weit oberhalb des Niveaus ihrer Eltern starten.
3. In welchem Land lebt diese Dame
zerodyme 24.05.2013
Ich bin 27 Jahre alt habe bisher alles was ich getan habe schlechtestes mit 1.5 abgeschlossen (Realschule, Fachhochschule, Industriekaufmann Ausbildung). War auf jeder Arbeitsstelle der der am meisten geleistet hat und trotzdem gibt es nur zeitsrbeit und natürlich niemals für 1 Jahr am Stück da man sonst ja aus der Hartz 4 Sklaverei rauskommen könnte. An Altersvorsorge geschweige denn Kinder ist in Deutschland als Junger Mensch nicht zu denken. Erst recht auch noch wenn man wie ich einen Migrationshintergrund hat und kein Vitamin B.
4.
Methados 24.05.2013
Zitat von sysopJU BayernKeine Perspektive, Stress, mies bezahlte Jobs - geht es den jungen Menschen in Deutschland so schlecht wie Piraten-Frau Katharina Nocun öffentlich beklagt? Nein! Jammern und Frust-Twittern hilft nicht gegen Generationenfrust. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/katrin-albsteiger-hoert-auf-zu-jammern-a-901445.html
stimme voll und ganz zu ! im grunde geht es hier wie immer um zwei grundsätze: die linken wollen am liebsten selber garnichts machen, andere arbeiten lassen und sich vom staate aushalten lassen. die konservativen sehen sich selber in der pflicht etwas zu leisten. ich glaube jedem sollte klar sein, was mutter natur mit der evolution beabsichtigte und was wir als menschen daraus ableiten sollten.
5. Ganz ehrlich.....
w.r.weiß 24.05.2013
Zitat von sysopJU BayernKeine Perspektive, Stress, mies bezahlte Jobs - geht es den jungen Menschen in Deutschland so schlecht wie Piraten-Frau Katharina Nocun öffentlich beklagt? Nein! Jammern und Frust-Twittern hilft nicht gegen Generationenfrust. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/katrin-albsteiger-hoert-auf-zu-jammern-a-901445.html
...werte holde junge CSU-Aufsteigerin, mein Fazit: Ein abgegriffenes Label argumentiert gegen ein anderes abgegriffenes Label.....und nu? Danke für den wertvollen Gastbeitrag und gute Reise....gäähn
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