Unionsfraktionschef Kauder: "Der Rettungsfonds wird kein Selbstbedienungsladen"

Bekommen Krisenländer wie Spanien künftig finanzielle Hilfe ohne Gegenleistung? Unionsfraktionschef Kauder hat diese Interpretation der Beschlüsse vom EU-Gipfel zurückgewiesen. Die Linkspartei wirft Kanzlerin Merkel vor, sie spiele in der Euro-Krise mit dem Grundgesetz.

Kauder: "Der Bundestag hat immer das letzte Wort"Zur Großansicht
dapd

Kauder: "Der Bundestag hat immer das letzte Wort"

Berlin - Unionsfraktionschef Volker Kauder hat Warnungen zurückgewiesen, beim neuen Rettungsschirm ESM könnte das Geld der Steuerzahler leichtfertig eingesetzt werden. Leistungen werde es nur bei eigenen Anstrengungen der Länder geben, sagte Kauder der "Welt am Sonntag". Das gelte für den Ankauf von Staatsanleihen wie auch für eine direkte Versorgung angeschlagener Banken über den ESM. "Der Bundestag hat immer das letzte Wort", sagte er. "Zu einem Selbstbedienungsladen wird der ESM mit uns nicht werden."

Bundestag und Bundesrat hatten am Freitagabend die Gesetze zum ESM und zum Fiskalpakt jeweils mit Zweidrittelmehrheiten beschlossen. Im Bundesrat stimmte nur das rot-rot regierte Brandenburg nicht dafür.

Bei den ESM-Abstimmungen im Bundestag verfehlte die schwarz-gelbe Koalition aber die Kanzlermehrheit von 311 Stimmen. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte dazu: "Angela Merkel hat bei den Abstimmungen über den ESM gleich dreimal hintereinander die Kanzlermehrheit verfehlt." Neben den Abstimmungen am Freitag sei das auch beim Gesetz zur Finanzierung des ESM und beim Vertrag über die Arbeitsweise der EU so gewesen.

"Das war kein Unfall", sagte Oppermann. "Angela Merkel hat schlicht keine eigene Mehrheit mehr für ihren Kurs." In einer Kanzlerdemokratie müsse in allen grundsätzlichen Fragen die Kanzlermehrheit stehen. "Wir erleben den Anfang vom Ende der Ära Merkel", meinte Oppermann.

Klagen beim Verfassungsgericht eingereicht

Der Fiskalpakt verpflichtet Deutschland, in Bund, Ländern und Kommunen ausgeglichene Haushalte anzustreben. Ferner sollen die Unterzeichnerstaaten nationale Schuldenbremsen einführen - bei zu geringen Einsparungen könnte Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof auf Strafen verklagt werden. Der ESM mit einem Stammkapital von 700 Milliarden Euro soll kriselnde Euro-Staaten unterstützen - Deutschland haftet mit 200 Milliarden Euro.

Unmittelbar nach der Bundesratsabstimmung faxte die Linke ihre Klage nach Karlsruhe zum Bundesverfassungsgericht. Auch der CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler ließ gegen Mitternacht seine Verfassungsbeschwerde von einem Boten an der Pforte des Gerichts abgeben. Zudem wurde die Beschwerdeschrift des Vereins "Mehr Demokratie" eingereicht, der sich rund 12.000 Bürger angeschlossen haben. Die Klage wird von der früheren Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) und dem Leipziger Staatsrechtler Christoph Degenhart vertreten. Die Eilverfahren dürften einige Wochen dauern.

Gysi wirft Merkel Verfassungsbruch vor

Zum 1. Juli wird der ESM wegen der Verfassungsklagen nicht starten können. Wenn die Karlsruher Richter ihn kippen, dürfte dies für Turbulenzen in der Euro-Zone sorgen. Gauweiler betonte, Fiskalpakt wie ESM würden "in schwerwiegender Weise gegen das Demokratieprinzip verstoßen". Däubler-Gmelin sagte: "Wir klagen gegen die Verträge, weil sie einen Demokratieabbau im doppelten Sinne bedeuten. Zum einen werden unwiederbringlich Haushaltskompetenzen und Souveränitätsrechte des Bundestags nach Brüssel abgegeben. Dadurch wird das Bundestagswahlrecht entwertet." Zum anderen laufe die Ratifizierung hektisch und an der Bevölkerung vorbei.

Der Fraktionschef der Linkspartei Gregor Gysi warf Merkel Verfassungsbruch vor. Der Bundestag werde seiner Haushaltsrechte beraubt. Auch in Deutschland könnten damit Renten, Löhne und Sozialleistungen gekürzt werden. Wenn die Regierung beides durchsetzen wolle, müsse sie eine Volksabstimmung zur Änderung des Grundgesetzes machen. "Man kann nicht mit dem Grundgesetz so spielen, wie es derzeit geschieht", sagte Gysi.

cte/dpa

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insgesamt 376 Beiträge
G2c 30.06.2012
Herr Kauder lügt und er weiß, dass er lügt, da es keine Sanktionen für die Nichteinhaltung unserer Forderungen an die Nehmerländer gibt. Ein Politiker, der in einer derartigen Sitaution hat nicht nur im Bundestag nichts [...]
Zitat von sysopBekommen Krisenländer wie Spanien künftig finanzielle Hilfe ohne Gegenleistung? Unionsfraktionschef Kauder hat diese Interpretation der Beschlüsse vom EU-Gipfel zurückgewiesen. Die Linkspartei wirft Kanzlerin Merkel vor, sie spiele in der Euro-Krise mit dem Grundgesetz. Kauder: ESM wird kein Selbstbedienungsladen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,841888,00.html)
Herr Kauder lügt und er weiß, dass er lügt, da es keine Sanktionen für die Nichteinhaltung unserer Forderungen an die Nehmerländer gibt. Ein Politiker, der in einer derartigen Sitaution hat nicht nur im Bundestag nichts mehr zu suchen.
kuehtaya 30.06.2012
Ne da hat der Kauder Recht, der ESM = Europäischer Selbstbedienungs Mechanismus wird nicht, er ist schon ein Selbstbedienungsladen und ein perfekt undemokratischer Geheimvertrag dazu. Also durchweg rechtswidrig.
Zitat von sysopBekommen Krisenländer wie Spanien künftig finanzielle Hilfe ohne Gegenleistung? Unionsfraktionschef Kauder hat diese Interpretation der Beschlüsse vom EU-Gipfel zurückgewiesen. Die Linkspartei wirft Kanzlerin Merkel vor, sie spiele in der Euro-Krise mit dem Grundgesetz. Kauder: ESM wird kein Selbstbedienungsladen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,841888,00.html)
Ne da hat der Kauder Recht, der ESM = Europäischer Selbstbedienungs Mechanismus wird nicht, er ist schon ein Selbstbedienungsladen und ein perfekt undemokratischer Geheimvertrag dazu. Also durchweg rechtswidrig.
hanfiey 30.06.2012
Der lächerliche Schirm mit seinen 500Millar. ist in einem Halben Jahr gefrühstückt sein wenn auch noch die Banken mit durchgezogen werden. Sparen wird dann niemand mehr wenn die Banken die Staatsanleihen kaufen sollen werden die [...]
Der lächerliche Schirm mit seinen 500Millar. ist in einem Halben Jahr gefrühstückt sein wenn auch noch die Banken mit durchgezogen werden. Sparen wird dann niemand mehr wenn die Banken die Staatsanleihen kaufen sollen werden die auch Forderungen stellen und damit auch durchkommen.Wir dürfen gar nicht erst anfangen erpressbar zu werden.
peter234 30.06.2012
Der Rettungsfonds wird kein Selbstbedienungsladen! Ausserdem: Niemand wird für die Schulden eines anderen Staates aufkommen! Der Euro wird so stabil wie die DM! Niemand will eine Mauer bauen!
Der Rettungsfonds wird kein Selbstbedienungsladen! Ausserdem: Niemand wird für die Schulden eines anderen Staates aufkommen! Der Euro wird so stabil wie die DM! Niemand will eine Mauer bauen!
yovanka 30.06.2012
sehe ich da etwa in Kauders Anzugsklappe die deutsche Fahne? Wieso eigentlich? Wir sind doch EURO.
Zitat von sysopBekommen Krisenländer wie Spanien künftig finanzielle Hilfe ohne Gegenleistung? Unionsfraktionschef Kauder hat diese Interpretation der Beschlüsse vom EU-Gipfel zurückgewiesen. Die Linkspartei wirft Kanzlerin Merkel vor, sie spiele in der Euro-Krise mit dem Grundgesetz. Kauder: ESM wird kein Selbstbedienungsladen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,841888,00.html)
sehe ich da etwa in Kauders Anzugsklappe die deutsche Fahne? Wieso eigentlich? Wir sind doch EURO.
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  • Samstag, 30.06.2012 – 16:18 Uhr
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Gedränge unter dem Rettungsschirm
Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre, bestehend aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Jahr später legten die Staats- und Regierungschefs ein zweites Rettungspaket nach, an dem sich neben dem IWF auch die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligten. Das später ausgehandelte Gesamtvolumen: 172,6 Milliarden Euro (inklusive 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die kommenden zwei Jahre. 30 Milliarden Euro davon gehen indes nicht an Athen, sondern zur Absicherung an die Banken. Deren Verlust aus dem Schuldenschnitt: 107 Milliarden Euro.

So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.




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