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Kein Alkohol für Jugendliche: Tankstellen machen gegen Komasäufer mobil

Kein Sprit an der Tanke: Spätestens ab Januar 2010 sollen Jugendliche keinen Alkohol mehr an Deutschlands Tankstellen erhalten. Die Verbände der Tankstellen und der Mineralölwirtschaft sagten endlich die Einhaltung des Jugendschutzes zu.

Berlin - Alle 15.000 deutschen Tankstellen rüsten im Kampf gegen das zunehmende Rauschtrinken auf: Die fünf deutschen Tankstellenverbände haben am Donnerstag einen Aktionsplan gegen Alkohol- und Tabakverkauf an Kinder und Jugendliche unterzeichnet. Mit den geplanten flächendeckenden Ausweiskontrollen bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren sei die Branche ein Vorbild für den gesamten Handel, lobte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD).

Kampf dem Komasaufen: An Tankstellen soll es keinen Alkohol mehr für Jugendliche geben
DDP

Kampf dem Komasaufen: An Tankstellen soll es keinen Alkohol mehr für Jugendliche geben

"An den Tankstellen in Deutschland soll an Jugendliche kein Alkohol mehr verkauft werden", sagte Karl-Friedrich Lihra, Vorstand des Bundesverbandes Tankstellen. Schnaps soll es - wie vom Gesetz längst vorgeschrieben - für Minderjährige unter 18 Jahren nicht mehr geben, für unter 16-Jährige auch kein Bier und keinen Wein.

Um sich selbstbewusst gegen die Alkoholwünsche Minderjähriger behaupten zu können, sollen die Tankstellenbesitzer und deren Mitarbeiter in den kommenden Wochen und Monaten eine Online-Schulung zum Jugendschutz erhalten. Außerdem sollen künftig vermehrt Kassencomputer das Personal warnen, wenn Alkohol und Zigaretten über den Ladentisch gehen sollen. Ein Drittel der Geräte müsse dafür bis zum Jahresende auf- oder umgerüstet werden.

"Der Trend zum exzessiven Trinken ist unter Jugendlichen weiterhin ungebrochen", sagte Bätzing. Mehr als 23.000 unter 20-Jährige wurden im vergangenen Jahr mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt - so viele wie nie zuvor.

Der Zentralverband des Tankstellengewerbes schloss auch freiwillige Alkoholverkaufsverbote in Discotheken-Nähe nicht aus. In solchen Tankstellen kauften sich vor allem nach 22 Uhr junge Menschen Alkohol, weil er billiger als in der Disco sei, sagte der Vorstandchef des Bundesverbands mittelständischer Mineralölunternehmen, Gerd Deisenhofer.

Kritik am Aktionsplan äußerte der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann: "Wo sind wir denn, dass man Lob bekommt, wenn man freiwillig Gesetze einhält?" Es dürfe keinen Schnaps an Tankstellen mehr geben, forderte er. Auch der jugendpolitische Grünen-Experte Kai Gehring äußerte sich kritisch. Er sprach von "wachsweichen Selbstverpflichtungen" und forderte ein Mindestbußgeld. Der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, kritisierte: "Wieder einmal soll der Grundsatz der Freiwilligkeit, der schon seit Jahren entgegen anderslautender Versprechungen nicht funktioniert, gesetzliche Maßnahmen ersetzen."

abe/dpa/ddp/AP

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