Große Koalition "Kühnert wird eine wichtige Rolle spielen bei der SPD"

Jetzt ringen sie um die GroKo - nach dem Mitgliedervotum soll Frieden herrschen. Im SPIEGEL fordern SPD-Spitzenpolitiker wie Malu Dreyer und Sigmar Gabriel, dass Juso-Chef Kühnert aussichtsreiche Karrierechancen bei der Partei haben soll.

Malu Dreyer, Sigmar Gabriel
imago/IPON

Malu Dreyer, Sigmar Gabriel


In der SPD-Spitze wird der Ruf laut, Juso-Chef Kevin Kühnert nach dem Mitgliedervotum stärker in die Belange der Parteispitze einzubinden. "Es wird eine wichtige Aufgabe sein, Befürworter und Gegner einer Großen Koalition zusammenzuführen", sagte Malu Dreyer, Regierungschefin von Rheinland-Pfalz und stellvertretende Parteivorsitzende, dem SPIEGEL. "Natürlich wird er eine wichtige Rolle spielen bei der Erneuerung der SPD."

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Auch Parteivorstandsmitglied Uli Grötsch betonte die Bedeutung Kühnerts für die Partei: "Gerade für viele Neumitglieder ist Kühnert eine wichtige Stimme." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Juso-Chef Kevin Kühnert
DPA

Juso-Chef Kevin Kühnert

Nochaußenminister Sigmar Gabriel, der sich als Parteichef häufiger an den Jungsozialisten rieb, appelliert ebenfalls an die SPD, Kühnert stärker zu integrieren. In der Sache sei er anderer Meinung als der Juso-Chef, sagte Gabriel dem SPIEGEL. Er plädiere klar für eine Große Koalition, weil ein Nein fatale Folgen für Europa haben könne.

Aber ihn beeindrucke das Engagement der Jusos um Kühnert. "Da kämpfen tolle junge Leute", sagte der Außenminister: "Was will eine Partei mehr?" Gabriels Botschaft: "Wenn es die SPD schafft, jetzt eine gute Regierung zu bilden und gleichzeitig diese junge Generation mit ihrem Engagement und Enthusiasmus zu halten, ist mir um die Zukunft der SPD nicht bange."

Kühnert selbst signalisiert, den Konflikt mit der SPD-Führung nicht auf die Spitze treiben zu wollen. Er sei sich der Tragweite seines Agierens bewusst, sagte er dem SPIEGEL. "Das ist jetzt nicht irgendwie Parteitag, und man kämpft auf Seite 27 um irgendeinen Spiegelstrich und kann am Ende so einen Pseudoerfolg mit nach Hause nehmen, für den sich später nie mehr jemand interessiert. Jetzt geht es im Zweifel ums Eingemachte."

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Seite 1
eunegin 24.02.2018
1. laut und polternd ist eben en vogue....
Vom Was abgesehen, finde ich das Wie dieses Youngsters unsäglich. Aber das ist wohl der Zeitgeist. Laut, polternd, medienwirksam, effekthaschend, kurzatmig. Das leben allerdings leider die Altvorderen auch immer mehr vor. hat offensichtlich Erfolg. Schade. Damit kann ich mich nicht identifizieren.
habel 24.02.2018
2. ach was,
so geschickt wird jetzt versucht, den Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mein Liebes Liesschen, was es alles für Tricks gibt, Wahnsinn. Ich bin kein SPD Wähler, eigentlich noch nie gewesen, obwohl Helmut Schmidt, das war schon eine "Größe". So, als einfacher Bürger, denke ich da irgendwie "Schlachtplanmäßig". Es wäre doch sinnvoller für die SPD, zuzugeben, das sie acht Jahre . -mindestens- nichts auf die Reihe bekommen hat. Nein, sogar mit schuldig ist an den Baustellen im Land. Eindeutig zeigten doch die Bundestagswahlen große Truppenverluste. Ich hielte es für besser, die restlichen TRuppen nicht erneut in die "Schlacht" zu führen. Die Verluste hinnehmen, bei evtl. Neuwahlen eben auch die Konsequenzen tragen, nämlich noch weniger Sitze im Bundestag zu akzeptieren und denn.... neu von Innen heraus alles für die derzeitigen Herausforderungen gestalten. Aber so viel "Wumms" haben die nicht, tja, so ist das.
japhyryderson, 24.02.2018
3. Kühnert und Co.
Die SPD müßte von allen guten Geistern verlassen sein ( oh ja, jetzt höre ich die Foristen, "Sind sie doch schon...", egal), wenn sie sich nicht bemühen würde, die jungen Leute stärker in den Vordergrund zu schieben. Die Partei ist, was ihre Mitglieder angeht, schon lange überaltert. Die können dem Kühnert die Füsse küssen. Ich sehe es auch nicht so, dass unter den jungen Leuten, die wegen des Mitgliedervotums eingetreten sind, danach sofort wieder austreten. Die meisten jungen und neuen Mitglieder haben meiner Meinung nach den Eindruck: Da tut sich was bei denen. Wenn ich jung wäre und ich wollte mich in einer Partei engagieren, würde ich zwischen Grünen und SPD wählen. (Sogar CDU, mit Abstrichen). Die Linke wäre mir persönlich zu eng. Hoffentlich ist das nicht nur Palaver von Frau Dreyer. Aber ich nehme es mal nicht an. Das ist die Chance des Jahrhunderts.
Stillner 24.02.2018
4. Die Zukunft der SPD
Kevin Kühnert hat das Talent, der SPD wieder ein Gesicht zu geben, mit dem die Leute verbinden, was dieser Partei abhanden gekommen ist: Den leidenschaftlichen Einsatz für Gerechtigkeit, Solidarität, eine Umverteilung des Reichtums, eine Begrenzung der Spekulation mit lebensnotwendigen Ressourcen. Es gibt in diesem Land den dringenden Bedarf einer linken Partei, die sich dem Konsens, der marktgerechten Demokratie, widersetzt. Der letzte große Charismatiker, den die SPD hatte, Oskar Lafontaine, hat für sie die Macht Ende der 90er-Jahre errungen. Schröder hat diese Machtoption durch sein CDU-Programm ruiniert. Sein kurzfristiger Erfolg war der Anfang des Niedergangs, den die SPD jetzt erlebt. Nur als Partei, die sich auf ihre Wurzeln wieder besinnt, wird sie eine Zukunft haben. Österreich hat einen 31-jährigen Kanzler. Kevin for Kanzler 2021!
Mesi0013 24.02.2018
5. Schäbig
Interessant, jetzt will man den Bub schon mit Versprechungen kaufen anstatt nur wenige Sekunden mal darüber nachdenken was die letzten Jahr(zehnte) in der SPD falsch gelaufen ist und weshalb die Basis unzufrieden ist. Welche großartige Funktion soll Kühnert denn in einer ums Überleben kämpfenden Partei im ein- bis zweistelligen Prozentbereich übernehmen. Ich sehe es wie Kühnert: die Chance der Opposition nutzen, sich neu aufbauen bevor sich die Basis vollends abwendet. Unter Merkel wird die SPD weiter verlieren!
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