Kinderarmut Kinderschützer fordern Gratis-Essen

Kostenloses Essen in der Schule, Anhebung des Hartz-IV-Satzes für Kinder - die Wohlfahrtsverbände fordern größeren Einsatz der Bundesregierung gegen die Kinderarmut. Familienministerin von der Leyen warnt jedoch davor, nur mehr Geld ins System zu schießen.


Berlin - Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband macht Druck: Der Minister für Arbeit und Soziales, Olaf Scholz (SPD), solle endlich die Pläne für kostenlose Schulspeisungen und eine Sonderzahlung an Kinder beim Schulstart umsetzen. "2,6 Millionen Kinder in Deutschland gelten als arm. Wir brauchen Soforthilfen", sagte der Verbandsvorsitzende Eberhard Jüttner der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Mädchen in Berlin: "Man darf bei Kinderarmut nicht hektisch reagieren"
DDP

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Scholz' Vorgänger Franz Müntefering habe ein 150-Millionen-Euro-Paket vorgeschlagen, sagte Jüttner. Das enthalte unter anderem kostenlose Mahlzeiten in Kindergärten und Schulen. "Das darf doch nicht in der Schublade verschwinden, nur weil der Minister ausgeschieden ist", so der Kinderschützer.

Jüttner nannte es "beschämend", dass sich die Kinderarmut in Deutschland seit der Einführung von Hartz IV verdoppelt habe - trotz guter Konjunktur und sinkender Arbeitslosigkeit. 208 Euro als ALG-II-Satz für ein Kind unter 15 Jahren reiche nicht aus, der Satz müsse mindestens auf 250 Euro angehoben werden.

Familienministerin Ursula von der Leyen hingegen warnte davor, das Thema Kinderarmut nur unter dem Gesichtspunkt zusätzlicher Finanzhilfen zu sehen. "Man darf bei Kinderarmut nicht hektisch reagieren und nur mehr Geld ins System stecken", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Dadurch werde dem einzelnen Kind nicht automatisch geholfen.

Die CDU-Politikerin zeigte sich zuversichtlich, dass die Kinderarmut in den kommenden Jahren spürbar abnehmen werde. Die Einführung des Elterngeldes, der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze sowie der Kinderzuschlag seien die wichtigsten Voraussetzungen dafür, sagte von der Leyen. Diese "drei Pfeiler" hätten auch in anderen Ländern dazu geführt, dass Kinderarmut gesunken sei.

Trotz ihrer Skepsis gegenüber zusätzlichen Transferleistungen will von der Leyen gemeinsam mit ihrem Kollegen Scholz den Kinderzuschlag dieses Jahr erhöhen. Im Haushalt stehen dafür zusätzlich 200 Millionen Euro zur Verfügung. Der Kinderzuschlag wird an Familien mit Kindern und geringem Einkommen gezahlt, die sonst zusätzlich auf Hartz IV angewiesen wären.

Von der Leyen plädierte dafür, die staatlichen Familienleistungen von 180 Milliarden pro Jahr zielgerichteter als bisher einzusetzen. Vor allem kinderreichen Familien mit geringem Einkommen müsse geholfen werden - etwa durch ein Kindergeld, das mit der Kinderzahl ansteigt. Der beste Schutz gegen Kinderarmut seien jedoch Arbeitsplätze, gute Kinderbetreuung und frühe Bildung für benachteiligte Kinder, sagte die Ministerin.

cvo/ddp/dpa

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