Eltern-Berichte zu Kita-Platzsuche: "Ich bin so wütend und enttäuscht"

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Schuhe in einer Kita: Keine Plätze, nur Absagen

Gibt es in Deutschland wirklich genug Kita-Plätze für unter Dreijährige? Die Realität sieht für viele SPIEGEL-ONLINE-Leser anders aus. In Zuschriften schildern sie die Misere: jahrelanges Warten, ermüdende Prozeduren, teure Privatplätze. Eltern fühlen sich von den Behörden alleingelassen.

Hamburg - Familienministerin Kristina Schröder (CDU) war mit dem Ergebnis zufrieden: Für Kinder unter drei Jahren würden zum Stichtag 1. August ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung stehen, hatte die Ministerin am Donnerstag erklärt. 813.000 seien das im Laufe des kommenden Kindergartenjahres 2013/14. Der Deutsche Städtetag hingegen geht von deutlich weniger Plätzen aus, die Opposition sprach sogar von einer "geschönten Bilanz".

Doch während die Politik noch über die tatsächlichen Zahlen zum Stichtag in drei Wochen streitet, ist die Lage bei vielen SPIEGEL-ONLINE-Lesern schon lange angespannt. Sie warten vergebens auf einen Kita-Platz - und das oft seit Jahren. Nach unserem Leseraufruf berichten viele Eltern spontan, welche Erfahrungen sie bei der Suche nach einem Kita-Platz gemacht haben. Hier ein Auszug ihrer Klagen:

Frank Bethmann, Köln: "Die städtischen Kitas vergeben stur nach Geburtstermin, das Geschäftsjahr beginnt im August. Kinder, die erst im November geboren wurden, haben faktisch keine Chance auf einen der sehr raren und begehrten Plätze. Die zuständige Behörde hält uns seit Monaten hin und ist vollkommen nutzlos. Als Optionen bleiben lediglich Tagesmütter oder private Einrichtungen."

Deliana Bungard, Bonn: "Bei den wenigen Gruppen mit jeweils zehn Kindern im Umkreis haben wir erst dann eine Chance, wenn unser Kind bereits eingeschult wird. Auch kann man manche Kitas aufgrund der langen Wartelisten erst gar nicht besichtigen. Aus lauter Verzweiflung meldet man sein Kind da an und weiß nicht einmal, in welchem Zustand sich die Einrichtung überhaupt befindet."

Daniela Maiwald, Stuttgart: "Wir haben Zwillinge und benötigen deshalb auch zwei Plätze. Dabei haben wir zu hören bekommen, dass wir eben mit Zwillingen doppeltes Pech hätten. Dazu kommt noch, dass wir weder Zusagen noch Absagen bekommen. Man steht auf Wartelisten und kann nichts machen - außer eben warten."

Anonym, München: "Kurz nach der Geburt unseres ersten Sohnes kam die erste Absage. Wir haben uns dann letztlich für eine private Einrichtung entschlossen - die annähernd das Doppelte kostet. Jetzt bin ich wieder schwanger und die Anmeldungswelle geht in die zweite Runde. Nun melde ich mich bei Einrichtungen an, bei denen ich jetzt mit zwei Kindern wahrscheinlich noch unattraktiver bin als vorher. Ich bin so wütend und enttäuscht und weiß nicht, wie es weitergehen soll."

Tariq Doukkali, Dortmund: "Als eine Familie unerwartet umzog, hätten wir einen Platz bei einem katholischen Kindergarten bekommen. Da wir Muslime sind, sollten unsere Kinder aber einen städtischen Kindergarten besuchen. Die Leiterin dort hat uns aber gesagt, dass dieses Jahr nur katholische Kinder aufgenommen werden."

Sandra Wiesemüller, Leipzig: "Den Krippenplatz für den Großen haben wir nach eineinhalb Jahren durch Betteln und Beziehungen bekommen, den für den Kleinen als Geschwisterregelung nach 14 Monaten. Das Jugendamt hilft nur in Notfällen und bei Beschwerden. Dies geschieht sehr kurzfristig, die Nähe zum Wohnort wird überhaupt nicht bedacht."

Susanne Feirabend, Stuttgart: "Es heißt, dieses Jahr sei es komplett aussichtslos, nächstes Jahr im September werde es schwierig. Auf meine Frage, ob sich mit dem neuen Gesetz denn nicht etwas ändert, sagt mir jede Kita-Leiterin: In Stuttgart ändert sich gar nichts. Wenn man einen Platz einfordern will, kann es sein, dass man eine Stunde Fahrtzeit hat oder die Kita nur bis 14 Uhr geöffnet ist. Lehnt man das Angebot ab, verliert man sein Anrecht auf einen Betreuungsplatz."

Anonym, Köln: "Unser Sohn ist zweieinhalb Jahre jung und wurde vor zweieinhalb Jahren angemeldet. Nach wie vor haben wir weder eine Zusage noch eine Absage. Ruft man beim Jugendamt an, wird man von den Mitarbeitern beschimpft, was man sich erlauben würde, ständig nachzufragen - es gebe doch den Rechtsanspruch. Inzwischen ist deren Ansage: 'Spätestens im Dezember haben Sie einen Platz.' Vor zwei Monaten war noch von August die Rede."

Markus Stegmann, Frankfurt am Main: "Wir haben die Erfahrung gemacht: Viele Kita-Leitungen fühlen sich in ihrer Rolle als Verwalter eines knappen Gutes offenbar pudelwohl. So können sie sich genau diejenigen Kinder herauspicken, die sie haben wollen. Zwar sind offiziell soziale Faktoren festgelegt, aber es gibt im zuständigen Amt keine zentrale Kontrolle."

Natalie Nagashima, Berlin: "Wir hätten tatsächlich einen Kita-Platz bekommen - wenn wir weiter wöchentlich unser Interesse bekundeten und bei Festen gespendet hätten - allerdings noch bevor wir überhaupt einen Platz erhalten hatten. Nun fahren wir lieber eine halbe Stunde zu einem Kinderladen. Wir werden demnächst umziehen, ich habe einen Job in der Nähe der Kita angenommen. Was bleibt einem sonst übrig, außer zu Hause zu sitzen?"

Die meisten Zuschriften erreichten SPIEGEL ONLINE dabei aus Groß- und Universitätsstädten. Experten überrascht diese Verteilung nicht. Zwar könnte in manchen Kommunen der Bedarf am Stichtag 1. August durchaus gedeckt werden, glaubt Birgit Riedl vom Deutschen Jugendinstituts (dji). Aber: "Viele Großstädte werden nicht allen Eltern einen Platz zur Verfügung stellen können."

tob

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insgesamt 136 Beiträge
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1. Einseitiger Bericht
hufeisennase 12.07.2013
Hier kommen hier nur die zu Wort, die aus welchen Gründen auch immer Probleme mit einem Kita-Platz haben oder hatten. In Dresden haben wir alle 3 Kinder problemlos in (Wunsch-) Kitas untergebracht. Auch Kita-Wechsel aufgrund eines Umzugs war nicht wirklich schwierig. Die Betreuung war übrigens auch immer bestens. Ich denke, wir sind kein Einzelfall.
2. Mehr Atta, mehr Kille Kille
spontifex 12.07.2013
Zitat von sysopGibt es in Deutschland wirklich genug Kita-Plätze für unter Dreijährige? Die Realität sieht für viele SPIEGEL-ONLINE-Leser anders aus. In Zuschriften schildern sie die Misere: jahreslanges Warten, ermüdende Prozeduren, teure Privatplätze. Eltern fühlen sich von den Behörden alleingelassen... Kinderbetreuung: Eltern berichten von ihrer Kita-Platzsuche - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kinderbetreuung-eltern-berichten-von-ihrer-kita-platzsuche-a-910666.html)
... Heulsusen - Eltern. Deutsche unter Dreijährige wollen mehr Atta und Kille Kille. (http://forum.spiegel.de/f22/tunesien-kinderzeitschrift-erklaert-bau-von-molotow-cocktails-72640-2.html#post11107101) Die sind deswegen kein Fall für doofe Kitas, sondern für die NSA.
3. Jahrelanges Warten !
analyse 12.07.2013
niemand hat behauptet,seit Jahren gäbe es genug Kita-Plätze.Es ist auch ein Affront gegen die die sich sehr bemüht haben !Die kritische Berichterstattung ist gezielt !
4. hier könnte ihre werbung stehen
Casparcash 12.07.2013
man, bin ich froh, dass ich keine kinder hab---- entschuldigt bitte, aber das ist alles, was mir dazu einfällt. mein beileid für jeden, der diesen ganzen ärger mitmachen muss. was mich wirklich ärgert, ist die ministerin, die ihre angeblichen "erfolge" nun feiert. alles lug und trug.
5. ist doch ganz einfach ............
ottohuebner 12.07.2013
ist doch ganz einfach ............ keine kinder mehr bekommen. und die ersparten kosten fuer die rente zuruecklegen.
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