Familienpolitik Regierung fördert flexible Betreuungsangebote

100 Millionen Euro stellt der Bund bis 2018 für das Förderprogramm KitaPlus zur Verfügung: Es soll vor allem berufstätigen Eltern nützen. Künftig sollen Kitas und Tageseltern Kinder nicht länger, aber flexibler betreuen.

Ministerinnen Schwesig und Nahles besuchen Kita: Flexiblere Kinderbetreuung
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Ministerinnen Schwesig und Nahles besuchen Kita: Flexiblere Kinderbetreuung


Zu viele berufstätige Eltern scheitern an fehlender oder unpassender Kinderbetreuung. Um die Situation zu erleichtern, unterstützt der Bund ab sofort flexible Betreuungsangebote durch Kitas oder Tageseltern. Gefördert werden Einrichtungen, die Kinder an Wochenenden, früh morgens oder nachts betreuen. Familienministerin Manuela Schwesig und Arbeitsministerin Andrea Nahles haben heute das 100 Millionen Euro starke Programm KitaPlus vorgestellt.

Schwesig betont, dass das Programm nicht auf eine längere Betreuung von Kindern abziele. Gefördert werden solche Einrichtungen, die Kinder zu anderen als den üblichen Betreuungszeiten aufnehmen würden. Nach Angaben des Familienministeriums liegen bereits 561 Bewerbungen für die Förderung vor. 160 Betreuungsangebote könnten sofort unterstützt werden, davon seien über zwei Drittel Kitas und rund 30 Prozent Tagesmütter oder -väter. Die übrigen Bewerber erfüllten noch nicht die nötigen Voraussetzungen.

Besonders Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, sollen von dem Förderprogramm profitieren. Eine Ausweitung der Regelbetreuungszeiten auf Nachtstunden und Wochenenden würde mehr und mehr nachgefragt, erläuterten die Ministerinnen. KitaPlus sei somit eine Antwort auf die zunehmende Flexibilität, die von Arbeitnehmern verlangt wird. Kitas können mit bis zu 200.000 Euro pro Jahr gefördert werden, für Tageseltern sind bis zu 15.000 Euro jährlich vorgesehen.

Kinderbetreuung als Armutsbekämpfung

Arbeitsministerin Nahles sieht in dem Programm zudem einen großen Nutzen für die deutsche Wirtschaft: "Mehr und bessere Kinderbetreuung auch abseits der üblichen Stunden schafft hier Chancen für die, die Eltern und in Beschäftigung sein möchten." Dies nütze Wirtschaft und Gesellschaft, weil auf diese Fachkräfte nicht verzichtet werden müsse. 26 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten an Wochenenden, 9 Prozent nachts.

Eine Förderung der Betreuung sei gleichzeitig Armutsbekämpfung, so die Ministerin: Laut Nahles sind 40 Prozent der alleinerziehenden Frauen auf staatliche Leistungen angewiesen - häufig, weil sie nur in Teilzeit arbeiten könnten. Eine Ausweitung des Betreuungsangebots könnte es ihnen erleichtern, eine Vollzeitstelle anzunehmen.

Nahles und Schwesig stellten in Aussicht, dass die staatliche Förderung noch ausgeweitet werden könne. Ihre Hoffnung: Was Finanzminister Wolfgang Schäuble an der einen Seite für die Familien ausgebe, könne er möglicherweise an anderer Stelle - mehr Steuern, weniger Arbeitslose - wieder einnehmen.

mtr/AFP/dpa



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insgesamt 4 Beiträge
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mariakar 12.01.2016
1. Ganz klar, worauf das rausläuft -
nämlich das Rund-um-die-Uhr-zur-Verfügung-stehen für die Wirtschaft. Ich kann mich noch Anfang der 80ziger Jahre erinnern: Samstags gehört Vati mir, war damals so meine, ich Schlachtruf der Gewerkschaft. Der wurde aus den 50ziger Jahren wiederbelebt als es um die Einführung der 35-Stunden-Woche ging. Und heute. Die Familie hat sich gefälligst der Wirtschaft und ihrem 7 Tag, 24 Stunden Rhythmus anzupassen. Ja wo kommen wir denn da hin, wenn wir den Lebensrhthmus der Familien und Kinder beachten würden? Übrigens: Nicht nurdie Eltern die ihre Kinder in die Einrichtung bringen haben Kinder, sondern auch die Erzieherinnen. Dass hier die SPD ganz weit vorne ist, Besitzstände aufzugeben, weiß man ja seit Schröder und H4. Dass da aber zwei Frauen diese Keule schwingen, erstasunt schon. Doch bei genauem Hinsehen wird klar, warum. Die Karriere läßt sich nicht mit den Kindern vereinbaren. Wo sind da eigentlich die Väter?
mariakar 12.01.2016
2. Zuerst steht, die Kitas sollen nicht länger
aber flexibler betreuen. Und weiter unten dann das tatsächlich geplante: "Eine Ausweitung des Betreuungsangebots könnte es ihnen erleichtern, eine Vollzeitstelle anzunehmen." Gemeint sind damit die Alleinerziehenden. Ja glaubt denn jemand, wenn eine Mutter egal ob Alleinerziehend oder nicht, eine Nachtschicht hinter sich hat, diese dann sofort tagsüber in die volle Familienarbeit einsteigen kann. Wie weltfremd. Ich rede von drei Seiten aus aus Erfahrung. Mein Vater war im Schichtdienst und ist früh, bereits mit 66 Jahren an einem HI verstorben. Er kam immer schlecht mit der Umstellung klar. Er mußte tags schlafen. Wir Kinder waren angehalten, ja ruhig zu sein. Ein guter Freund, bei der Presse hat schon 3 HI hinter sich und ist jetzt Frührentner. Hatte auch Probleme mit dem Schichtdienst. Und jetzt will man die Kleinsten in dieses System pressen. Wo ist da der Kinderschutzbund?
nojo71 13.01.2016
3. Was mein Vorredner für einen Blödsinn erbricht...
Kinder kosten Geld. Drei Kinder kosten viel Geld. Das muss erwirtschaftete werden. Meine Frau und ich sind beide Akademiker und uns ist das Betreuungsangebot in Kitas gar nicht flexibel genug und ausserdem viel zu teuer. Wenn ich sehe wieviele Paare ohne Kinder sind und lieber 5 mal im Jahr in den Urlaub fahren krieg ich das K... Was sollen die sich den Stress mit der Kindererziehung machen und dann erst die Kosten. die Kinder des Dummen der 3 Kinder zeugt wird schon meine Rente zahlen. Kinderlose müssen in die Pflicht genommen werden. 20 % Extraabgabe auf die Lohnsteuer und Ehegattensplittung bei verheirateten ohne Kinder abschaffen. Diese Einsparungen in die Kitas stecken. vielleicht werdn die Kinderlosen dann bereit seit für Nachwuchs zu sorgen.
mariakar 13.01.2016
4. Noja71
Ich war beruflich bis vor Kurzem für mehrere Kindertagesstätten administrativ zuständig. Ich weiß wovon ich rede. Eines meiner Kinder leitet heute selbst als stud. Soz-Päd. eine große Einrichtung, die Kinder ab 1 Jahr aufnimmt und ich selber habe meine Kinder alleine großziehen müssen. Sprechen sie deshalb nicht davon "was mein Vorredner für einen Blödsinn erbircht..". Ich glaube ich kenne mich in der Materie besser aus als Sie. Deswegen schreibe ich, dass ich Erfahrungen und Einblick von drei Seiten her habe. Übrigens hat dieses Kind schon eröffnet, dass es den Beruf wechseln wird, sollte die Rundum-Betreuung Einzug halten. Ihnen sind die Gebühren zu hoch. Nun, ein Kita-Paltz wird mit jährlich rund 15.000 Euro aus Steuermitteln bezuschusst. Der Elternanteil macht im Regelfall zwischen 15 und 20 % aus. Dagegen steht ein weiteres Einkommen. Das wird benöitig, um die Wünsche zu erfüllen, die sich das Doppelverdienerpaar ohne Kinder ganz selbstverständlich auch leistet. Das ist natürlich ungerecht und wir auch so empfunden. Verstehe ich gut. Und hier liegt der Unterschied zu den skandinavischen Ländern, wie Studien belegen. Dort gibt es kaum Paare ohne Kinder. Dort ist der Kita-Platz für die Eltern auch nicht kostenfrei. In Dänemark kann es passieren, dass ein ganzes Gehalt für die Kinder-Betreuung draufgeht. Da aber fast alle Kinder haben, entsteht dort diese Vergleichsdebatte nicht. Ja, es ist ärgerlich, dass Kinderlose nicht mehr in die Pflicht genommen werden. Dies aber auf dem Rücken der Kinder und des erzieherischen Personals auszutragen, kann nicht die Lösung sein. Ich sehe diesen neuen Vorstoß zuerst allein im Hinblick auf die Wirtschaft. Denen fehlt das Fachpersonal. Die benötigen die gut ausgildeten Frauen und Männer. Und diese sollen ihr Familienleben auf die Arbeitswelt abstellen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Auch das ist in den nördlichen Ländern anders. Da wird ganz selbstverständlich akzeptiert, wenn ein Vater um 16.00 Uhr sagt: Ich muss jetzt gehen und meinen Sohn um 17.00 Uhr von der Kita abholen. Machen Sie das mal bei uns. Übrigens war ein Grund, warum ich mich beruflich veränderte, die ständigen Forderungen der Eltern gegenüber dem Träger und dem Personal in immer unverschämterer Form. Sehr oft mussten die Kinder vor ihren eigenen Eltrn geschützt werden. Die Politik hat zwar die Vorgaben zugunsten der Eltern geändert, aber gleichzeitig vergessen, die notwendigen Resourcen für die Kinder zur Verfügung zu stellen. In den Einrichtungen sind immer mehr Erzieher mit burnout ausgefallen. Und als sich auch bei mir gesundheitliche Probleme aufgrund der beruflichen Verdichtung einstellten, wurde es Zeit, die Reißleine zu ziehen. Sie dürfen mir glauben, mir sind die Schwierigkeiten, mit denen Eltern zu kämpfen haben sehr genau bekannt. Aber ich hatte in erster Linie das Wohl des Kindes im Blick. Die Einrichtungen sind nach wie vor familienergänzend und nicht familienersetzend tätig. Das wird nur allzugern vergessen.
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