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Kinderwunsch: Kauder verprellt Homosexuelle

Unionsfraktionschef Kauder hat den Kinderwunsch von homosexuellen Paaren in Frage gestellt. Im Vordergrund stehe das Wohl der Kinder, sagte er in einem Interview. Er glaube nicht, dass Kinder sich wünschten, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen. 

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dpa

Volker Kauder: Die Frage nach dem Kindeswohl stellen

Berlin - Volker Kauder hat ein Interview zu christlichen Werten und Präimplantationsdiagnostik zu einer Generalabrechnung mit modernen Lebenseinstellungen genutzt. In der "Berliner Zeitung" stellte er das Leben in einer homosexuellen Beziehung mit Kindern in Frage. "Ich glaube nicht, dass Kinder sich wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen", behauptete er.

Der Unionsfraktionschef sagte der "Berliner Zeitung" im Zusammenhang mit der Debatte über Präimplantationsdiagnostik (PID), es gebe "keinen Anspruch auf ein Kind". Das müsse akzeptiert werden, "auch wenn dies für die Betroffenen manchmal sehr schwer ist". Zunächst müsse die Frage nach dem Kindeswohl gestellt werden. "Es kommt nicht so sehr darauf an, ob die Erwachsenen als glückliche Familie leben wollen."

Kauder sagte, er halte die PID für nicht vereinbar mit dem Schutz des Lebens. "Die PID öffnet die Türe für die Versuchung zur Selektion und Manipulation von Leben." Es werde nicht bei der Feststellung von Erbkrankheiten bleiben. "Meine Erfahrung ist, dass alles, was möglich ist, auch gemacht wird." Dies gelte etwa für die Auswahl des Geschlechts eines Kindes.

Bei der PID werden im Reagenzglas befruchtete Eizellen auf genetische Fehler untersucht und geschädigte Embryonen vernichtet.

Der Bundestag berät im kommenden Frühjahr über die Präimplantationsdiagnostik. Partei- oder Fraktionsdisziplin sollen bei der Abstimmung keine Rolle spielen. Dass sich der Bundestag mit der PID befasst, geht auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom vergangenen Juli zurück. Das Gericht hatte festgestellt, dass die PID unter bestimmten Voraussetzungen straffrei ist.

Derzeit werben Parlamentarier aller Bundestagsfraktionen mit einem Eckpunktepapier für ein PID-Verbot. "Eine Gesellschaft, in der der Staat darüber entscheidet oder andere darüber entscheiden lässt, welches Leben gelebt werden darf und welches nicht, verliert ihre Menschlichkeit", heißt es darin. Sie wollen bald einen Gesetzentwurf vorlegen. Gleichzeitig gibt es Vorarbeiten für zumindest zwei weitere Gesetzentwürfe, die eine begrenzte Zulassung vorsehen.

ler

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Präimplantationsdiagnostik (PID)
Worum geht es?
DPA
Bei dem Verfahren werden einem im Reagenzglas entstandenen Embryo ein bis zwei Zellen entnommen. Es geht darum, deren Erbgut zu untersuchen. Ziel ist es, unter anderem Krankheiten aufzudecken, die auf zu viele oder zu wenige Chromosomen zurückgehen. Beim Down-Syndrom ist beispielsweise das Chromosom 21 dreimal vorhanden. Möglich sind auch Untersuchungen auf einzelne veränderte Gene, die beispielsweise für Muskelschwund, Lungen- und Stoffwechselkrankheiten oder die Bluterkrankheit verantwortlich sind.
Verfahren 1: Diagnose im Blastomerenstadium
Bei dieser am häufigsten angewendeten Untersuchung werden dem Embryo am dritten Tag nach der Befruchtung im Reagenzglas ein oder zwei Zellen zur Untersuchung entnommen. Der Embryo befindet sich zu diesem Zeitpunkt im sogenannten Blastomerenstadium. Das heißt, seine vier bis acht Zellen gelten als totipotent - jede einzelne könnte sich in der Gebärmutter noch zu einem vollständigen Organismus entwickeln. Totipotente Zellen sind nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz einem Embryo gleichgestellt.
Verfahren 2: Diagnose im Blastozystenstadium
Auch zu einem späteren Zeitpunkt ist im Prinzip noch eine PID möglich, zum Beispiel im sogenannten Blastozystenstadium. Dann besteht der Embryo aus etwa 50-200 Zellen. Die Zellen der sogenannten inneren Zellenmasse gelten als pluripotent, das heißt aus ihnen können sich noch verschiedene Gewebe entwickeln. Die Diagnose im Blastozystenstadium hatte der Berliner Arzt angewendet, dessen Fall vor dem BGH verhandelt wurde.
Alternative: Polkörperdiagnostik
Bei diesem Verfahren wird nur die Eizelle untersucht - und zwar vor Abschluss der Befruchtung. Im Blick stehen die Polkörper, die beim Reifen der Eizelle entstehen. Sie enthalten einen Satz des mütterlichen Erbgutes. Damit lassen sich zumindest die mütterlichen Erbanlagen der Eizelle indirekt auf Chromosomen-Fehlverteilungen überprüfen. Väterliche Vorerkrankungen können so hingegen nicht untersucht werden. Weil bei dieser Methode kein Embryo manipuliert wird, steht sie nicht im Widerspruch zum Embryonenschutzgesetz.


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