Gerangel um Linken-Spitze: Ernst schlägt Wagenknecht als Parteichefin vor

Linken-Chef Ernst hat einen weiteren Namen in die Diskussion über die künftige Parteispitze eingebracht: Sahra Wagenknecht. Die Lebensgefährtin Oskar Lafontaines besitze Ausstrahlung über die Partei hinaus. Inzwischen gibt es acht Bewerber für den Posten - und es könnten noch mehr werden.

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dapd

Ernst für Wagenknecht: "Ich halte sie für besonders geeignet"

Berlin/München - Der Chef der Linken, Klaus Ernst, favorisiert nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine dessen Partnerin Sahra Wagenknecht als neue Parteivorsitzende. "Sie hat Ausstrahlung weit über die Partei hinaus. Ich halte sie für besonders geeignet als Vorsitzende", sagte Ernst der "Süddeutschen Zeitung". Er sei dafür, "dass wir die Idee einer weiblichen Doppelspitze zur Grundlage der Suche nach einer integrativen Lösung machen".

Zuvor hatten die Vize-Parteichefin Katja Kipping und die Landeschefin aus Nordrhein-Westfalen, Katharina Schwabedissen, ihre Kandidatur erklärt. Die beiden würden für einen Generationswechsel der Genossen stehen. Sie hatten sich bereits wiederholt für eine weibliche Doppelspitze stark gemacht - als Reaktion auf den lähmenden Machtkampf zwischen Dietmar Bartsch und Oskar Lafontaine, der am Dienstag überraschend erklärt hatte, nicht für einen Spitzenposten zur Verfügung zu stehen. Bartsch dagegen hält bisher an seiner Kandidatur fest.

In der Linken gibt es durchaus Sympathien für eine weibliche Doppelspitze - die Parteisatzung lässt diese Variante ausdrücklich zu. Doch wie jetzt Klaus Ernst hatte zuvor schon Parteivize Heinz Bierbaum angedeutet, dass Sahra Wagenknecht dabei eine zentrale Rolle spielen müsse. Die stellvertretende Parteivorsitzende ließ bisher keinerlei Ambitionen auf den Chefposten erkennen. Am Mittwochabend schloss sie eine Kandidatur jedoch nicht mehr gänzlich aus: "Ich hoffe, dass diese Variante nicht notwendig sein wird, und wir trotzdem eine gute Lösung finden."

Ernst schilt Bartsch und Gysi

Harsche Kritik äußerte Ernst am Umgang von Teilen der Partei mit Lafontaine. "Es gab eine unerträgliche Debatte. Oskar Lafontaine hat sich bereit erklärt, in einer schwierigen Zeit für die Partei Verantwortung zu übernehmen und uns wieder nach vorn zu bringen. Dafür ist er beschimpft worden", sagte der Parteichef. "Lafontaine steht für ein paar Prozent mehr - und zwar in West wie Ost. Diejenigen, die ihn beschimpft haben, müssen sich fragen, ob das geholfen hat oder geschadet", betonte Ernst. Indirekt forderte er Lafontaines Gegenspieler Dietmar Bartsch zum Rückzug auf: "Er sollte darüber nachdenken, ob eine weibliche Doppelspitze nicht sinnvoller ist. Bartsch polarisiert offenkundig. Wir brauchen aber Integrationsfiguren."

In diesem Zusammenhang tadelte Ernst auch den Fraktionschef der Linken im Bundestag. "Gysi hat öffentlich ein Gespräch zwischen Lafontaine, Bartsch und mir bewertet, an dem er selbst gar nicht teilgenommen hat. Sicher hat auch das zur Entscheidung Lafontaines beigetragen", sagte Ernst. Gysi hatte sich am Montag in einer Erklärung auf die Seite von Bartsch gestellt. Die Linke wählt Anfang Juni in Göttingen ihre neue Führung.

Für die neue Doppelspitze liegen dem Parteivorstand inzwischen acht Kandidaturen vor, sagte ein Parteisprecher am Mittwochnachmittag. Neben Fraktionsvize Bartsch, Kipping, Schwabedissen und der sächsischen Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann haben sich vier weitgehend unbekannte Männer gemeldet. Weitere Kandidaturen können folgen - auch noch beim Parteitag in Göttingen.

ler/dpa

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1. Gratulation an die Gegner!
davincione 23.05.2012
"Für die neue Doppelspitze liegen dem Parteivorstand inzwischen acht Kandidaturen vor, sagte ein Parteisprecher am Mittwochnachmittag. Neben Fraktionsvize Bartsch, Kipping, Schwabedissen und der sächsischen Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann haben sich vier weitgehend unbekannte Männer gemeldet. Weitere Kandidaturen können folgen - auch noch beim Parteitag in Göttingen." Ach, dann könnte sich doch auch Oskar Lafontaine wieder zu den vielen Bewerbern gesellen - es wäre ja jetzt kein Zweikampf mehr, sondern eine generell andere Ausgangslage! Auch wenn ich persönlich verstehe, dass jemand wie er sich sowas eigentlich nicht mehr geben muss: ich finde ihn so dermaßen mit Abstand gut, dass er nicht fehlen darf. Und käme es nicht so drauf an, könnte man auch schweren Herzens leichter auf ihn im Vordergrund verzichten. Aber: "vier weitgehend unbekannte Männer" und nicht viel bekanntere Frauen zur Wahl für die Spitze in der jetzigen Situation? Die Gegner der Partei können sich freuen und sich die Hände reiben! Und bessere Mitspieler als welche von der Partei selbst haben sie doch gar nicht finden können! Die dürfen sich ihr Selbstlob selbst aussprechen und sich auch ganz selbst fragen, wofür!
2. Die Linken
Gerdtrader50 23.05.2012
langweilen langsam. Nachdem Lafontaine das Handtuch geworfen hat, koennte Wagenknecht waehlertechnisch die Karre noch aus dem Morast ziehen. Zerreden die Linken das auch, geht sie unter, die Partei, zumindest im Westen.
3. Das wird nichts
conny2, 23.05.2012
Zitat von sysopdapdLinken-Chef Ernst hat einen weiteren Namen in die Diskussion über die künftige Parteispitze eingebracht: Sahra Wagenknecht. Die Lebensgefährtin Oskar Lafontaines besitze Ausstrahlung über die Partei hinaus. Inzwischen gibt es acht Bewerber für den Posten - und es könnten noch mehr werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,834823,00.html
Selbst wenn Ernst nicht der Meinung wäre, dass Frau Wagenknecht als Parteichefin machen wird, was Lafontaine will, hätte er bedenken können, dass genau dies von jedermann gemutmaßt wird.
4. mausetot
diwoccs 23.05.2012
Zitat von conny2Selbst wenn Ernst nicht der Meinung wäre, dass Frau Wagenknecht als Parteichefin machen wird, was Lafontaine will, hätte er bedenken können, dass genau dies von jedermann gemutmaßt wird.
Diese Partei ist doch mausetot, auch wenn sie mal ein paar Stimmen gewonnen haben. Einfluss haben die im Westen keine und die alten Herren Gysi, Lafontaine , Ernst und wie sie alle heissen, zahlt ihnen ihre Rente und lasst sie gehen.
5. Bartsch muss verhindert werden
andre_sokolew 24.05.2012
Dietmar Bartsch muss verhindert werden, sagen die Gegner seines Politikstils, um jeden Preis. Ulrich Maurer begann gegen 7:15 Uhr mit Unterstellungen unter der Gürtellinie im ÖR-Frühstücksfernsehen und erhielt bei diversen "Info"-Radios die Möglichkeit, diese Behauptungen in Telefon-Interviews zu wiederholen. Katja Kipping legt am frühen Nachmittag in Hannover nach, Ulla Jelpke hat schon gestern gegen Bartsch abgefeuert. Klaus Ernst ("Bartsch ist nicht der richtige Mann") wagt es am Abend, in Schkeuditz auf Bartsch live einzudreschen, und die Freundin des alten Mannes fordert den Rückzug von Bartsch. Dabei hatte sich das Dietmar Bartsch so schön ausgedacht. Er fand, dass eine Abstimmung aller Mitglieder einen Vorentscheid für die endgültige Abstimmung auf dem Parteitag liefern könnte. Das wurde von den Lafontaine-Gefolgsleuten mit großem Geschrei und auch - wie wir heute wissen - gefälschten Gutachten (vom Mann, der auch gesagt hat, Bartsch wäre der Sargnagel für die Partei) verhindert, unter anderem mit dem Argument, dass dem Parteitag keine Vorgaben gemacht werden dürfen. Genau dieselben Leute wollen jetzt, dass die Entscheidung _vor_ dem Parteitag in zwei Wochen fällt, und zwar so, dass praktisch jede unsinnig Variante akzeptabel werden soll, die Dietmar Bartsch verhindert. Ich fürchte, dass er das beispiellose mediale Mobbing, das jetzt entfacht wird, nicht aushalten kann. Dabei geht es in Wirklichkeit gar nicht um Bartsch oder nicht Bartsch. Es geht um Politik. Die Bartsch-Gegner bekennen offen, dass "die Grabenkämpfe" weitergehen werden, wenn Bartsch gewählt wird. Deutlicher kann man sich nicht als Antidemokraten outen. Es geht gar nicht um Bartsch. Es geht um die Richtung in der Partei.
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