Kirche "Homosexualität kein Amtshindernis"

Streit unter Norddeutschlands Christen: Der Hamburger Propst Horst Gorski, 51, ist Kandidat für das Bischofsamt der Nordelbischen Kirche in Schleswig. Vor der Bischofswahl am 12. Juli gerät er wegen seiner Homosexualität in die Kritik bibeltreuer Gruppen.


SPIEGEL: Was halten Sie Kritikern entgegen, die gegen die Wahl eines Schwulen zum Bischof sind?

Gorski: "Mir sind andere Themen wichtiger"
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Gorski: "Mir sind andere Themen wichtiger"

Gorski: Ich finde es schade, dass diese Frage die Bischofswahl so überlagert – mir sind eigentlich andere Themen wichtiger. Ich wünschte zum Beispiel, dass man in mir vor allem den Seelsorger sieht. Grundsätzlich gilt: Fast alle Landeskirchen haben ihre Position inzwischen dahin gehend geklärt, dass Homosexualität kein Amtshindernis für Pastoren ist. Das führt in der Regel auch nicht zu Problemen. Und Bischöfe sind eben nach lutherischem Verständnis nur Pastoren mit einem besonderen Auftrag.

SPIEGEL: Wie lange weiß es Ihre eigene Gemeinde schon, und wie war die Reaktion?

Gorski: Je selbstverständlicher man selber lebt, desto selbstverständlicher wird man akzeptiert. Als ich mich vor 20 Jahren zum ersten Mal auf eine Pfarrstelle bewarb, habe ich dem Kirchenvorstand gegenüber gleich mit offenen Karten gespielt. Die haben – trotz einer gewissen Überraschung – gelassen reagiert und mich dann aber doch als Pfarrer ausgewählt. Auch die Gemeinde hat es akzeptiert. Viele fanden nichts Besonderes mehr dabei.

SPIEGEL: Sind Sie dafür, dass die evangelische Kirche gleichgeschlechtliche Paare segnet?

Gorski: In der Nordelbischen Kirche haben wir eine gute Regelung gefunden. Segnungen sind möglich, wenn der Kirchenvorstand vor Ort damit einverstanden ist. Und gesegnet werden die Menschen, nicht eine bestimmte Lebensform. Es bleibt also den Beteiligten überlassen, sich zu verständigen. Das wird seit Jahren so gehandhabt und ist in unserer Kirche eigentlich längst kein Thema mehr.

SPIEGEL: Wie tritt ein schwuler Bischof für die traditionellen kirchlichen Grundfesten Ehe und Familie ein?

Gorski: Vorbilder sind Pastoren und Bischöfe doch vor allem dann, wenn sie aufrichtig und ehrlich leben. Abgesehen davon gibt es schließlich auch heterosexuelle Kollegen, die wie ich als Single leben. Denen unterstellt ja auch niemand, dass sie schlechtere Pastoren sind.

Das Interview führte Peter Wensierski



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