Kirchen kritisieren Gier "Wir dürfen Geld nicht länger vergötzen"

Scharfe Worte zu Weihnachten: Der evangelische Ratschef und Bischof Wolfgang Huber kritisiert die Raffsucht der vergangenen Jahre - "das war ein Tanz ums Goldene Kalb". Auch Kölns katholischer Kardinal Joachim Meisner greift die Gier in der Gesellschaft an: Geld dürfe kein Nebengott sein.


Deutschland ist in der Krise - die Evangelische Kirche ruft zu einer Rückbesinnung auf nicht-materielle Werte auf. Die Menschen müssten viel klarer zwischen Gott und Geld unterscheiden als in den vergangenen Jahren, sagte der Ratsvorsitzende Wolfgang Huber im Deutschlandradio Kultur.

Bischof Huber: "Das darf uns nicht zu Schwarzmalerei veranlassen"
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Bischof Huber: "Das darf uns nicht zu Schwarzmalerei veranlassen"

Der Boom an den Finanzmärkten sei nicht durch reale Werte gedeckt gewesen und habe sich im Nachhinein betrachtet "ganz deutlich als Tanz um das Goldene Kalb" erwiesen: "Dass wir diesen Tanz nun wirklich hinter uns lassen und Geld nicht länger vergötzen, das ist für mich eine ganz wichtige Lehre des zu Ende gehenden Jahres." Trotz Konjunktur- und Finanzmarktkrise dürfe man die weltweite Armut nicht vergessen: "Für Gerechtigkeit im eigenen Land einzutreten, das geht gar nicht, ohne dass man auch mit Menschen teilt, die von Armut in der ganzen Welt betroffen sind", sagte der höchste Repräsentant von rund 25 Millionen evangelischen Christen in Deutschland.

Allerdings warnt der Bischof auch vor übertriebenem Pessimismus: Christen sollten sich "nicht in den derzeitigen Defätismus hineinziehen lassen", sagte Huber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". "Der dunkle Horizont darf uns nicht zur Schwarzmalerei veranlassen", denn ausgerechnet das Schwarzmalen fördere jene "Ergebnisse, vor denen man sich eigentlich fürchtet". Statt einer Kultur des Verzichtes sollten Christen auch über sinnvolle Ausgaben nachdenken: "Ich meine nicht den hemmungslosen Konsum. Aber mit gezielten Anschaffungen kann man auch ein Zeichen gegen die wirtschaftliche Abwärtsspirale setzen."

Meisner prangert Fixierung auf Geld an

Der katholische Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner kritisiert angesichts der Finanzkrise das Verhalten vieler Banker. "Der Banker ist Treuhänder für Geld, das ihm nicht gehört und mit dem er arbeiten muss", sagte er der "Kölnischen Rundschau". "Dass dieses Ethos so verlorengehen kann, dass Leute mit Dingen Handel treiben, die nicht existieren - das ist erschütternd."

"Menschenrechte sind Gottesrechte, und wenn man sich das klarmacht, dann kann man nicht einfach seinen Job durchziehen ohne weitere Rücksichten, gleich in welcher Branche", sagte Meisner. Die soziale Marktwirtschaft könne nur "global gedacht werden".

Zum Umgang mit Geld erinnerte Meisner an das erste Gebot: "Du sollst keine fremden Götter neben mir haben." Der größte Reichtum eines Menschen sei nicht Geld und Gut, sondern der Glaube an den lebendigen Gott.

Er selbst verfüge über keine Aktien, sondern habe lediglich ein Bankkonto mit einem vierstelligen Betrag, sagte der Kardinal. Er achte sehr darauf, dass nicht zu viel Geld auf dem Konto sei. "Ich habe eine große Familie und so viele Leute, denen ich helfen muss. Da schenke ich das Geld weg", sagte er.

plö/dpa/AP

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